Massaker in Afghanistan Ehefrau verteidigt mutmaßlichen Amokläufer

Ein US-Soldat soll in Afghanistan 17 afghanische Zivilisten getötet haben, unter ihnen zahlreiche Kinder und Frauen. Im US-Fernsehen zeigt sich seine Ehefrau ungläubig angesichts der Vorwürfe: "Er liebt Kinder und er würde so etwas nicht tun", sagt sie stockend. Die amerikanische Regierung soll derweil Entschädigungen an die Angehörigen der Opfer gezahlt haben.

Die Ehefrau des wegen der Tötung von 17 afghanischen Zivilisten angeklagten US-Soldaten Robert Bales hat ihren Mann in einem Fernsehinterview verteidigt. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen seien "unglaublich", sagte sie dem US-Sender NBC.

Ihr Mann sei sehr mutig und tapfer und sei den Streitkräften nach den Anschlägen vom 11. September 2001 beigetreten, um "seine Familie, seine Freunde und sein Land zu schützen". Bales wird vorgeworfen, vor rund zwei Wochen seine Militärbasis im Süden Afghanistans verlassen und neun afghanische Kinder sowie acht Erwachsene getötet zu haben.

"Er liebt Kinder, er ist selber wie ein großes Kind", sagte seine Frau. "Ich weiß nicht, was geschehen ist, aber er würde nicht ... Er liebt Kinder und er würde so etwas nicht tun."

US-Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass Bales nach einem ersten Angriff wieder in den Stützpunkt zurückkehrte, bevor er seinen Amoklauf fortsetzte. Derzeit ist der 38-jährige Vater von zwei Kindern im Militärgefängnis von Fort Leavenworth im US-Staat Kansas inhaftiert.

Die Ehefrau hat seit seiner Festnahme zwei Mal mit dem US-Soldaten telefoniert. Der Soldat habe seine Frau kurz nach dem Massaker sowie vergangene Woche aus dem Militärgefängnis angerufen, sagte der Anwalt der Frau, Lance Rosen. Sie hätten über Familienangelegenheiten gesprochen und ihre gegenseitige Liebe bekräftigt.

Opferfamilien werden entschädigt

Die Familie hat einen Fond eingerichtet, um die Prozesskosten für Bales zu bezahlen. Nur wenige Tage vor dem Amoklauf hatte die Ehefrau das Haus der Familie wegen finanzieller Probleme zum Verkauf ausgeschrieben.

Die US-Regierung soll den Familien der Opfer unterdessen eine Entschädigung gezahlt haben. Die Angehörigen erhielten etwa 50.000 Dollar für jedes Todesopfer und etwa 10.000 Dollar für jeden Verletzten, sagten eines der Familienmitglieder und ein Stammesälterer am Sonntag.

"Wir wurden gestern von ausländischen und afghanischen Vertretern in Pandschwai eingeladen, und sie sagten, das Geld sei eine Unterstützung von (US-Präsident Barack) Obama", sagte ein Angehöriger, der nach eigenen Angaben seine Cousins bei dem Massaker verloren hatte.

Ein Sprecher der Nato-Truppe Isaf in Afghanistan sagte, normalerweise werde "kein Geld für Verluste im Zusammenhang mit Kämpfen" gezahlt. "Individuelle" Entschädigungen seien aber möglich. Die Angaben des Stammesältesten zur Höhe der Zahlungen decken sich Nachrichtenagenturen zufolge mit Informationen aus Kreisen der Provinzverwaltung.