Leben mit Kindern Väter berichten aus dem Alltagsdschungel

Alle zu Hause - bei Familien kommt das gerade unter der Woche nicht so oft vor.

Sie arbeiten fast immer Vollzeit und wollen doch super Papis sein: Die gesellschaftlichen Erwartungen an Väter sind groß. Doch bringen Männer tatsächlich auch ihre Kinder ins Bett - oder doch nur das Geld heim? Und was erwarten sie von der Politik? Einige Väter haben uns Auskunft gegeben.

Protokolle: Barbara Galaktionow

Die Ansprüche an Väter sind gewachsen. Sie sollen für ihre Kinder da sein. Gleichzeitig fühlen viele immer noch den Druck, die klassische Ernährerrolle einzunehmen. Doch wie gehen Väter tatsächlich damit um - wenn die 50-Stunden-Woche nur wenig Zeit für die Kinder lässt, wenn der Arbeitgeber sich gegen die Elternzeit sperrt oder Kollegen fragen, ob sich nicht die Ehefrau um das kranke Kind kümmern kann? Darüber haben wir mit einigen Vätern gesprochen, die wir über einen Aufruf auf der Facebook-Seite der SZ gefunden haben. Sie haben sehr offen Auskunft gegeben, wollten aber deshalb zum Teil lieber anonym bleiben. Zahlreiche weitere Leser haben sich auf unsere Anfrage gemeldet - leider konnten wir nicht mit allen sprechen. Trotzdem an dieser Stelle herzlichen Dank! Unsere Auswahl ist natürlich nicht repräsentativ, gibt aber doch einen guten Einblick, was Vätern wichtig ist und womit sie zu kämpfen haben.

Thomas Baier (Name von der Redaktion geändert), 34 Jahre, Fachoberschullehrer in Bayern, Vater eines Sohnes (10 Monate)

Ich habe mir niemals vorstellen können, auf welches Minenfeld ich und meine Frau uns mit unserem Lebensmodell begeben. Ich arbeite als Lehrer an einer Fach- und Berufsoberschule. Meine Frau ist derzeit überwiegend Hausfrau, kümmert sich um unseren Sohn und arbeitet freiberuflich wenige Stunden in der Woche als wissenschaftliche Lektorin - sie hat auch vor der Geburt des Kindes nicht mehr gearbeitet. Wir planen, dass meine Frau bis zum 2. oder 3. Lebensjahr unseres Kindes daheim bleibt, solange ist ihre Stellensuche auf Eis gelegt.

Wir bevorzugen dieses Modell, bei dem der Kleine so lange zu Hause betreut wird, denken aber nicht, dass dies für alle Eltern das einzig richtige ist. Trotzdem werden wir immer wieder angefeindet - meist von Menschen, die nicht einmal genau wissen, wie unsere Situation ist und warum wir uns dafür entschieden haben. Das finde ich schon sehr derb. So hat mir eine Kollegin vorgeworfen, ich würde den Beruf meiner Frau missachten. Meiner Frau wurde vorgeworfen, sie nutze mich aus.

Dass wir uns einmal in so einer traditionellen Rollenaufteilung wiederfinden, hätte keiner von uns beiden gedacht. Aber man entscheidet ja nicht völlig frei. Wenn meine Frau einen Job gehabt hätte, in dem sie genau so viel verdient hätte wie ich jetzt, hätte auch ich zu Hause bleiben können oder Teilzeit arbeiten.

Es ist grundsätzlich möglich, als Lehrer Elternzeit zu nehmen. Doch da meine Frau ja Hausfrau ist, ist es für mich finanziell einfach nicht drin. Wir werden sicher Betreuungsgeld beantragen. Auch hier stört mich das öffentliche Bild, das verbreitet wird - von Eltern, die das Betreuungsgeld am Schnapsregal durchbringen. Der Betrag dient ja allenfalls dazu, den Lohnausfall durch den nicht arbeitenden Elternteil ein klein wenig auszugleichen. Ich denke, jedes Lebensmodell muss gelebt werden können - auch, dass Väter und Mütter ihre kleinen Kinder selbst erzielen.

Matthias Wühle, 42 Jahre, Pressereferent, aus Wiesbaden, Vater einer Tochter (3 Jahre) und eines Sohnes (9 Monate)

Meine Frau und ich arbeiten beide Vollzeit, ich in der Presseabteilung eines Finanzdienstleisters, meine Frau als Chemikantin - bis Februar ist sie allerdings noch in Elternzeit. Ansonsten sind wir so organisiert, dass ich die Kinder in die Kita bringe (wir haben das Glück, dass sie beide in der gleichen Einrichtung sind). Meine Frau, die von 6 bis 14 Uhr arbeitet, holt die Kinder ab.

Was ich mir von der Politik wünsche? Ganz klar: Einen Rechtsanspruch auf bezahlbare, qualifizierte Ganztagsbetreuung. Leider gibt es in Deutschland darauf keine Garantie und alles hängt mehr oder weniger von Zufällen ab. Als unsere Tochter geboren wurde, haben wir sie gleich nach ihrer Geburt in 40 Kinderkrippen angemeldet - als Ergebnis kam eine einzige Zusage. Doch das größte Problem steht uns noch bevor: Die Grundschule. Sie liegt eigentlich fußläufig von unserem Haus. Aber Hortbetreuung gibt es dort nur für 20 Prozent der Grundschulkinder. Der Rest steht um 11:30 Uhr auf der Straße.

Ich als Vater möchte nicht weniger arbeiten. Mal abgesehen vom finanziellen Verlust steht man in seinem Arbeitsumfeld dann doch schlechter da, gerade in einem kleineren Unternehmen. Ich möchte aber auch nicht, dass meine Frau weniger arbeitet, nur um mittags ein Kind aus der Schule abzuholen. Ich möchte meine Kinder einfach in guten pädagogischen Händen wissen. Denn was Kinder in dem Alter brauchen, ist kreative Beschäftigung mit Gleichaltrigen. Das können Eltern gar nicht bieten. Meine Einstellung mag vielleicht auch daran liegen, dass ich in der DDR groß geworden bin. Meine Eltern waren beide berufstätig, zum Teil bis in die Abendstunden. Ich war oft der letzte im Späthort - das war zwar manchmal nervig, aber auch normal.

Mein zweiter Wunsch: Weniger bürokratische Starre. Nach der Geburt meiner Tochter Mitte September 2010 habe ich zwei Monate Elternzeit genommen. Ich hatte mich mit meinem damaligen Arbeitgeber abgestimmt, die beiden vollen Monate Oktober und November zu nehmen. Das zuständige Amt wollte die Elternzeit aber auf keinen Fall am ersten des Monats beginnen lassen, sondern es musste der Geburtstag des Kindes zu Grunde gelegt werden - mit der Folge, dass ich auf Teile des mir theoretisch zustehenden Elterngeldes verzichten musste. Bei der Geburt meines Sohnes zwei Jahre später habe ich angesichts der bürokratischen Ärgernisse auf die Elternzeit lieber verzichtet und stattdessen drei Wochen Jahresurlaub genommen.