Landtagswahl Rot-Grün triumphiert in Niedersachsen

Wer zuletzt jubelt, jubelt am besten: SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil (Mitte) mit Anhängern.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Mit nur einem Sitz Vorsprung gewinnt Rot-Grün die Landtagswahl in Niedersachsen. Trotz des Sensations-Ergebnisses der FDP reicht es für Schwarz-Gelb nicht zum Machterhalt. Denn der Erfolg der Liberalen geht zulasten von CDU-Ministerpräsident McAllister. Piraten und Linke scheitern.

In Niedersachsen kann künftig aller Voraussicht nach eine rot-grüne Koalition regieren. Die Auszählung ergab am späten Sonntagabend am Ende eines spannenden Wahlabends (hier zum Nachlesen) eine hauchdünne Mehrheit von einer Stimme im Landtag. SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil zeigte sich entschlossen, mit den Grünen zusammen ein solches Bündnis zu einzugehen. "Bei dem Stand der Dinge habe ich das auch vor", sagte er in der ARD. SPD und Grüne kommen nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 69 Mandate, CDU und FDP können zusammen 68 Abgeordnete in den Landtag schicken. Stundenlang hatte es zuvor nach einem Patt der beiden Lager ausgesehen. Ministerpräsident David McAllister (CDU) hatte am frühen Abend erklärt, Regierungschef bleiben zu wollen. Die CDU sei stärkste Fraktion und "deshalb haben auch wir den Auftrag, eine Regierung zu bilden". Sozialdemokraten und Grüne sehen das Ergebnis in Hannover als gutes Zeichen für einen Machtwechsel im Bund im Herbst.

Die seit zehn Jahren in Niedersachsen regierende schwarz-gelbe Koalition zog trotz überraschend guter Zahlen der FDP den Kürzeren. Die Sieger verdanken ihren Erfolg vor allem den Grünen, die ihr Ergebnis von 2008 deutlich steigern konnten. Die Grünen vereinen 13,7 Prozent der Stimmen auf sich, sie gewinnen 5,7 Prozentpunkte hinzu. Für die SPD stimmten 32,6 Prozent; sie legt um 2,3 Prozentpunkte zu. Die CDU kam auf lediglich 36,0 Prozent. Bei der Wahl im Jahr 2008 hatte sie noch 42,5 Prozent erzielt. Die FDP wiederum legte um 1,7 Punkte zu und kam letztlich auf 9,9 Prozent.

Wahlforscher sprachen von einem "Last-Minute-Transfer im schwarz-gelben Lager": 80 Prozent der aktuellen FDP-Wähler seien eigentlich CDU-Wähler, die aber diesmal nur mit der Erststimme für die Union, mit der Zweitstimme aber für die FDP votierten. Der Erfolg der FDP sei "der Erfolg von Philipp Rösler", sagte Generalsekretär Patrick Döring. Der Verbleib von Rösler an der Parteispitze sei damit gesichert. Rösler selbst betonte: "Das Rennen hat jetzt erst angefangen. Die Freien Demokraten werden jetzt loslegen." CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sprach von einem starken Wahlkampf seiner Partei. Er räumte ein, dass es ein "Stimmen-Splitting" zugunsten der FDP gegeben habe.

Die Piraten verfehlten den Einzug ins Parlament deutlich. Auch die Linke lag unter der Fünf-Prozent-Hürde, für sie stimmten lediglich 3,1 Prozent der Wähler.