Die Abweichler in der hessischen SPD haben Andrea Ypsilantis Pläne lange Zeit nicht nur mitgetragen, sondern zum Teil aktiv mitgestaltet. Eine Chronologie des Debakels.
Hessen steht vor einer Neuwahl; den Ausschlag haben die SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger, Jürgen Walter, Silke Tesch und Carmen Everts mit ihrer Entscheidung gegeben, Landeschefin Andrea Ypsilanti die Stimme zu verweigern. In der ARD-Sendung "Beckmann" begründeten sie am Montag nochmals ihren Entschluss: Ihnen sei es darum gegangen, eine Regierung unter Beteiligung der Linken zu verhindern. Doch am Versuch der Regierungsbildung waren zumindest zwei von ihnen, Walter und Everts, zeitweise aktiv beteiligt.
Von Anfang an Misstrauen: Jürgen Walter und Andrea Ypsilanti. (© Foto: ddp)
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Samstag, 14. Juni: Der SPD-Bezirk Hessen-Süd kommt in Neu-Isenburg zum Parteitag zusammen. Walter verteidigt seinen jüngsten Vorstoß für eine große Koalition: Seine Bereitschaft, mit der Linken zusammenzuarbeiten, sei in den vergangenen Monaten "jedenfalls nicht größer geworden". Auch Everts redet: Sie habe noch immer "große Probleme" mit der Linken, müsse Walter aber widersprechen. In einer großen Koalition sei "ein Politikwechsel sicherlich nicht möglich". Nach der Sommerpause müsse man "unaufgeregt" versuchen, sich auf ,,den Weg zu begeben": "Wir wollen alle eine sozialdemokratisch geführte Landesregierung unter Andrea Ypsilanti."
Montag, 14. Juli: In der SPD-Landesgeschäftsstelle treffen sich Gerrit Richter und Norbert Schmitt. Richter ist Sprecher der hessischen Netzwerker; Schmitt, Generalsekretär der Landes-SPD, zählt zu den Parteilinken um Ypsilanti. Richter hat den Anstoß zu dem Treffen gegeben; beide sind der Meinung, dass es so nicht weitergehen könne, dass es einen zweiten Anlauf Richtung Rot-Grün-Rot geben müsse. Dafür sollen beide Parteiflügel zusammenfinden. Das Misstrauen sitzt tief, seit Ypsilanti sich Anfang Dezember 2006 in Rotenburg im Kampf um die Spitzenkandidatur gegen Walter durchsetzte. Richter und Schmitt kommen überein, dass Walter und Ypsilanti sich an einen Tisch setzen müssen.
Montag, 28. Juli: In der "Bauernschänke" in Eschborn setzen sich Vertreter beider Parteiflügel zusammen. Für die Parteilinke kommen Schmitt und Gernot Grumbach, Chef des Bezirks Hessen-Süd. Die andere Seite wird vertreten durch Richter, die Bundestagsabgeordnete Nina Hauer, die Landtagsabgeordnete Nancy Faeser und Carmen Everts. Sie arbeiten die Verletzungen seit Rotenburg auf, die Atmosphäre ist gelöster als je in den eineinhalb Jahren zuvor. Es geht dann um den Plan, den für 13. September geplanten Parteitag hinter die bayerische Landtagswahl am 28. September zu schieben. Beim Parteitag sollen Koalitionsverhandlungen mit den Grünen beschlossen werden, deshalb fürchtet auch die Bundes-SPD das Signal vor der Bayernwahl. Es geht außerdem um die Rolle des Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer, eine der tragenden Säulen in Ypsilantis Wahlkampf. Er soll Wirtschafts- und Umweltminister werden; Schmitt und Grumbach betonen, dass sie an ihm festhalten wollen. Die Netzwerker schlagen Walter als Wirtschaftsminister vor, doch es geht auch erstmals um die Überlegung, ihn zum Infrastrukturminister zu machen. Die Sache bleibt offen, aber bereits jetzt ist klar, dass die Personalfragen schwierig werden. Die Partei, so plant es die Runde, soll bald auf Regionalkonferenzen über Rot-Grün-Rot diskutieren; zudem soll es einen Katalog von Kriterien geben, welche die Linke vor einer Zusammenarbeit erfüllen muss. Walter und Ypsilanti sollen sie gemeinsam vorstellen. Grumbach gibt zu bedenken, dass es nach einem Scheitern Neuwahlen gebe. Der Prozess, darin sind sich alle einig, soll "ergebnisoffen" sein.
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Und falls Sie überzeugte Wähler sind, haben sie bei der nächsten Hessen-Wahl (wie zukünftig wohl auch bei anderen Wahlen), ein Problem. Wen sollen Sie wählen?
SPD? Frau Ypsilanti hat sich endgültig disqualifiziert. Ihre Politik ist wirtschaftsfeindlich und blauäugig. Vorher glaubte der o. a. Wähler, dass eine zu arbeitsplatzfeindliche, verschwenderische und weltfremde Politik wegen der Ablehnung einer Zusammenarbeit mit DIE LINKE und wegen Leuten wie Walter verhindert wird. Stattdessen hoffte er auf einen Wechsel, eine gerechtere Landespolitik, da beides längst überfällig war. Leider ist es nun anders. Die Zusammenarbeit mit der Linken war von vornerein eine Schnapsidee -man beging Wortbruch und begab sich in die Abhängigkeit eines sehr unzuverlässigen Partners.
Leider hatten Walter und die zwei anderen nicht den Mumm, von vornerein "NEIN" zu sagen. Und jetzt werden alle konservativ/fortschrittlich denkenden Leute in der SPD zugunsten einer rückwärtsgewandten linken Politik ausgegrenzt. Wer private E-Mails im Internet veröffentlicht und sich mit der Zusammenarbeit der LINKEN über den klaren Willen seiner Wähler hinwegsetzt, hat jedes Vertrauen verspielt.
FDP? Mit ihrer Nibelungentreue zum gescheiterten Ministerpräsident Koch und ihrer Verweigerung zur in Hessen möglichen Ampelkoalition, nein danke!
CDU? Ausgeschlossen. Siehe andere Leserkommentare
DIE LINKE? Aus Protest? Nein, die Linke kann zwar Probleme aufzählen, ist aber nicht an Lösungen interessiert. Spätestens wenn O. Lafontaine den Daumen runterhält, ist jede Koalition/Tolerierung beendet.
DIE GRÜNEN? Ökologisches Engagement sehr gut, restliche Politik genauso weltfremd wie die von Frau Ypsilanti. Einzig positiv ist, das diese Partei skandalfrei gelbieben ist.
Schade, das Leute, die glauben, dass das jetzige System ungerecht ist (Hartz IV, Managergehälter, Bürokratie, horrende Lohnnebenkosten, Abschaffung der Erbschaftssteuer), zur Schaffung von Arbeitsplätze aber auch mehr Freiheit der Bürger und Veränderung/Fortschritt gehören, zudem der riesige Schuldenberg abgebaut werden muss, auch wenn das finanzielle Einschnitte und Verzicht bedeutet, die an das Prinzip FÖRDERN und FORDERN glauben (was Hartz IV leider nicht erfüllt), keine Partei mehr finden, die ihre Interessen halbwegs vertritt.
Viele Kommentatoren argumentieren einfach entgegen der Verfassung. Dort steht, die Abgeordneten sind "Vertreter des Volkes", und deshalb nicht Vertreter einer Partei. Dort steht, sie sind "an keine Weisung gebunden". Das heißt, sie sind an keine Parteitagsbeschlüsse gebunden. Dass man nur bei Gewissenskonfikten frei abstimmen darf, steht übrigens nicht in der Verfassung. Das ist eine Erfindung der Parteien, um Abgeordneten ihr verfassungsgemäßes Recht zu beschneiden.
Wenn diese vier meinten, dass ein Linksbündnis für das Volk schlecht sei, dann ist es nicht nur ihr Recht, sondern ihre Pflicht, dagegen zu stimmen.
Die Reaktionen der Linksaußen erinnern teilweise an Hexenverbrennungen, bei denen die Kirche meinte, sie habe immer recht. In diesem Fall hat eben die Partei immer recht.
Der eigentlich verfassungswidrige Fraktionszwang ist auch einer der Gründe für Parteien- und Politikverdrossenheit. Wenn beispielsweise ein Abgeordneter immer eine gut begründete Meinung vertritt, und in der Abstimmung entgegen dieser Meinung mit der Fraktion abstimmt, dann verliert der Bürger das Vertrauen in diese Abgeordnete. Bei der gut begründeten Meinung ging es um das Beste für das Volk. Bei der Abstimmung unter Fraktionszwang ging es nur um die Macht.
Gott sei Dank wurde die brutalstmögliche Wahlbetrügerin Yps. zum Schluß von 4 Aufrechten aus den eigenen Reihen noch gestoppt. Wäre sehr fatal , wenn sie für diesen Betrug noch mit dem MP- Posten belohnt geworden wäre. Es ist anders gekommen, Gerechtigkeit siegt doch noch, und das ist gut so.
Nur wieder fehlen wesentliche Aussagen:
1. Die Probeabstimmungen waren geheim.
Also kein Problem für jemanden sich dagegen zu stellen,wenn er den Mut nicht gehabt hätte sich offen zu äußern.Bedeutet hätte das, sofortiger Abbruch.
2. Es existieren mehrere emails und Gesprächsprotokolle in welchen die beiden Frauen sich ausdrücklich dagegen verwahrten, das sie gegen das Vorhaben rot/rot/grün stimmen würden.
3. Walter versucht hat noch einen weiteren SPD Kollegen mit ins Boot zu holen um eine eigene Fraktion zu gründen. In Hessen benötigt man 5 Abgeordnete um den Fraktionsstatus zu bekommen.
Wenn ich diese drei Sachverhalte in den Artikel einbaue hätte die Gesamtaussage ein sehr schlechtes Licht auf die vier geworfen.
Aber wie schon bereits gesagt, es ist gelaufen. Wir befinden uns im Wahlkampf.
Und da gilt:
Koch ist nicht gut für unser Land!
Denn: Wer täuscht, trickst, lügt und blind auf Ausländer rumschlägt,kann nicht gut für ein Land der Bundesrepublik sein.
Jetzt erst recht:
Für mehr Bildung, damit endlich unsere Wirtschaft die notwendigen Fachkräfte bekommt.
Wir wollen keinen weiteren wirtschaftliche Abstieg.
Für eine Umwelt, die unser Leben lebenswert erhält.
Für den Ausstieg aus der Atomkraft, weil wir nicht abwarten wollen bis wir eine strahlende Zukunft haben.
and so on
Recht so, Tante Polly. Wir sollten uns intensiv mit dem Oberlügner Koch beschäftigen, der eigentlich ordentlich vom Wähler abgestraft wurde. Man muss allerdings auch feststellen, dass Koch so eine Art Immunität besitzt. Keiner mag sich mit ihm näher auseinandersetzen.
Verständlich, wer mag auch in so einer ekeligen Historie herumstöbern. Aber unmittelbar vor der Hessenwahl sollten wir noch einmal die Gummihandschuhe überziehen und deutlich machen, wer sich da zur Wiederwahl stellt! Vielleicht ist es jetzt noch ein bisschen
zu früh?! Der deutsche Wähler leidet immer leicht an Gedächtnisschwund.
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