Krieg in Syrien Chemiewaffen-Inspekteure ermitteln in Duma

Am 7. April soll über Duma, einer Stadt nahe Damaskus, Giftgas abgeworfen worden sein.

(Foto: dpa)
  • Chemiewaffen-Inspekteure haben vor Ort im syrischen Duma Ermittlungen aufgenommen.
  • Bei einem Angriff am 7. April soll dort Giftgas eingesetzt worden sein - nach Auffassung des Westens durch die syrische Armee. Dutzende Menschen sollen ums Leben gekommen sein.
  • Der Einsatz der OPCW-Experten hatte sich zuletzt immer wieder verzögert - obwohl Russland eine Sicherheitsgarantie gegeben hatte.

Chemiewaffen-Experten der OPCW konnten in Duma erste Proben nehmen, die auf Spuren von Giftgas untersucht werden sollen. In der Stadt in Westsyrien hat die syrische Armee am 7. April nach westlicher Auffassung Giftgas abgeworfen. Die Proben werden nach Angaben der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) nun nach Rijswijk in den Niederlanden gebracht und dann in Partnerlaboren untersucht.

Die Experten der OPCW warteten seit Tagen auf ihren Einsatz, der zuletzt nach Schüssen auf UN-Mitarbeiter verschoben worden war. Der Westen vermutet die Verantwortung für die Verzögerung bei der syrischen Regierung und ihrer Schutzmacht Russland.

Westliche Diplomaten gehen davon aus, dass inzwischen alle Beweise am Ort des Angriffs beseitigt wurden, sodass die OPCW-Mission nur schwerlich gesicherte Erkenntnisse bringen dürfte. Die Inspekteure sollen auch Zeugen, Ärzte und Opfer befragen.

Bei dem Angriff auf Duma wurden nach Angaben örtlicher Helfer mindestens 40 Menschen getötet. Kurz darauf willigten die Rebellen in einen Abzug aus der Stadt ein. In der Nacht zum 14. April bombardierten die USA, Frankreich und Großbritannien mehrere Standorte der syrischen Chemiewaffenproduktion, um die syrische Führung am weiteren Einsatz dieser Waffen zu hindern. Syrien und sein Verbündeter Russland warfen dem Westen daraufhin Bruch des Völkerrechts vor.

"Wir erwarten von den Inspektoren eine unparteiische Untersuchung aller Umstände, was in Duma passiert ist und die schnelle Abgabe eines objektiven Berichts", hieß es aus Moskau. Zugleich forderte die Regierung westliche Staaten auf, Schritte zu unterlassen, die die Wahrheitsfindung unterbinden könnten. Die Inspektoren sollen vor Ort nach Belegen für einen vom Westen vermuteten Einsatz von Chemiewaffen suchen; der Urheber soll dabei aber nicht ermittelt werden. Ein entsprechendes Mandat hatte Russland im UN-Sicherheitsrat blockiert.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat vor dem Abflug zum Treffen mit seinen G7-Kollegen im kanadischen Toronto an Russland appelliert, bei einer Lösung der Syrien-Krise zu helfen. "Wir brauchen konstruktive Beiträge von Russland, um zu einer friedlichen Lösung zu kommen", sagte er. Russland ist nicht Mitglied der G7 und nimmt an dem Treffen nicht teil.

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