Die 850.000 Kinder in Gaza sind Gewalt gewohnt, aber der aktuelle Konflikt bringt eine neue Dimension des Schreckens. Zehn Schritte, damit die Kinder eine Zukunft haben.
Schon vor dem israelischen Angriff am 27. Dezember war die humanitäre Situation in Gaza durch die 18-monatige Isolation, erneuten palästinensischen Raketenbeschuss und israelische Angriffe kritisch. Es herrschte Mangel an Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. 75 Prozent der 1,5 Millionen Einwohner Gazas waren auf Lebensmittelhilfe der Vereinten Nationen angewiesen.
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Spielen zwischen ihren zerstörten Häusern: Alltag für viele Kinder im Gaza-Streifen. (© Foto: AP)
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Auch wenn es noch Zeit braucht, das Ausmaß des menschlichen Leids und des humanitären Bedarfs einzuschätzen, haben die drei Wochen dauernden massiven israelischen Angriffe in Gaza verheerende humanitäre Folgen. 1314 Menschen, davon 412 Kinder, sind nach palästinensischen Angaben getötet worden; 5300 Menschen, davon 1855 Kinder, wurden verwundet. Mehr als 50 UN-Einrichtungen, vor allem Schulen, wurden beschädigt.
Nach 22 Kriegstagen beginnen Menschen, die geflüchtet waren, in ihre Häuser zurückzukehren. Viele aber haben gar kein Zuhause mehr. Beobachter vor Ort schätzen, dass rund 15 Prozent der Gebäude in Gaza zerstört worden sind.
Allein die Kosten für humanitäre Hilfe werden gegenwärtig auf mehrere hundert Millionen US-Dollar geschätzt, während der vollständige Wiederaufbau wohl in die Milliarden gehen wird. Doch es ist nicht unsere einzige Aufgabe, humanitäre Hilfe zu leisten und beim Wiederaufbau des Gazastreifens mitzuarbeiten. Es geht auch darum, der dortigen Bevölkerung eine würdige Existenz zu sichern und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben, die positiv und realistisch ist. Das ist notwendig, um Extremismus und Gewalt in ihre Schranken zu weisen.
Wie in allen Konflikten gehören Kinder und Jugendliche zu den Verwundbarsten. In Gaza sind 56 Prozent der Bevölkerung Kinder. Das bedeutet, dass 850.000 Kinder dringend eine Zukunftsperspektive benötigen. Obwohl sie Gewalt und eine schlimme humanitäre Situation gewohnt sind, hat der aktuelle Konflikt neue Schrecken in ihr Leben gebracht. Manche haben Familienmitglieder und ihr Zuhause verloren und viele leiden unter den traumatischen Erlebnissen.
Wir haben zehn entscheidende Schritte entworfen, damit die Kinder in Gaza eine Zukunft haben:
1. Der dringende humanitäre Bedarf muss gedeckt werden. Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff, Wasser und sanitäre Einrichtungen müssen genauso wie Unterkünfte für die Obdachlosen bereitgestellt werden. Häuser müssen wieder aufgebaut werden. Die UN sind jetzt dabei, die Schäden und den Hilfsbedarf einzuschätzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an, dass die Vereinten Nationen mit einem Hilfsaufruf 613 Millionen Dollar einsammeln wollen.
2. Blindgänger müssen beseitigt und die Infrastruktur wieder aufgebaut werden. Munition, die beim Einschlag nicht explodierte, kann noch lange nach dem Ende der Feindseligkeiten verstümmeln und töten. Der Mangel an Baumaterial hat das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) gezwungen, seit Juni 2007 Bauprojekte in Höhe von 93 Millionen US-Dollar auszusetzen.
3. Es muss jede Anstrengung unternommen werden, um Kindern das Gefühl von Normalität zu geben. Programme mit einem Schwerpunkt auf psychosozialer Unterstützung - ein Gebiet, auf dem UNRWA, andere Akteure der UN, Schweden und mehrere nichtstaatliche Organisationen bereits aktiv sind - erfordern besondere Aufmerksamkeit und Mittel.
4. Die Kinder müssen so bald wie möglich wieder zur Schule gehen. Die Schulen in Gaza, von denen die Hälfte von UNRWA betrieben wird, bilden normalerweise 440.000 Kinder aus. Sie schaffen auch eine wichtige Routine, soziale Aktivitäten und eine Möglichkeit für Kinder, dem ansonsten belastenden Umfeld zu entkommen. Schon jetzt wurde der Unterricht in mehr als 200 UNRWA-Schulen für etwa 200.000 Kinder wieder aufgenommen.
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In der Tat dürfte es eine der wichtigsten Aufgaben sein, den Kindern in Palästina eine Zukunft zu geben. Denn wer keine Zukunft hat, wird zur leichten Beute von Fanatikern, die ihre Opfer zu Selbstmordattentätern machen.
Dass in Israel diesen Zusammenhang viele nicht erkennen oder erkennen wollen lässt einen verzweifeln.
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... wenn dieser kritische Artikel längere Zeit auffindbar gewesen wäre.
Na, wer hat denn da zensiert und den Artikel ins Nirwana verbannt?
Seit dem 5. November ist der Gazastreifen komplett abgeriegelt. Selbst Lebensmittel, Medizin, Benzin, Ersatzteile für Generatoren und Wasserpumpen, Papier, Telefone und Schuhe werden nicht mehr oder nur in minimalen Mengen in den Gazastreifen gelassen. Mehrfach muss die UNRWA, von deren Lebensmittelunterstützung die Hälfte der Menschen in Gaza abhängig ist, die Verteilung von Lebensmitteln einstellen. Das World Food Program, die zweite internationale Organisation, die Lebensmittelhilfe leistet, berichtet, dass die israelischen Grenzbehörden im November nur noch 6 % der von ihm benötigten Warenlieferungen in den Gaza-Streifen gelassen hätten. Nicht nur das: Die Israelis verlangen auch noch Lagergebühren für die Lieferungen, die an den Grenzübergängen festgehalten werden. Das World Food Programm muss allein im November 215 000 $ zahlen. 30 der 47 Bäckereien müssen schließen, weil sie kein Heizöl mehr haben. Der Mangel an Heizöl zur Betreibung von Generatoren und an Futter hat die Betreiber von Legebatterien dazu gezwungen 70 Prozent der Hühner zu schlachten. Nach Angaben der FAO wird es im April überhaupt keine Hühner mehr in Gaza geben. Auch die Krankenhäuser können eine durchgehende Stromversorgung nicht mehr garantieren. Dadurch fallen lebensrettende Inkubatoren oder Beatmungsgeräte teilweise oder ganz aus. Auch die Abwasser- und Trinkwasserversorgung ist von den Stromausfällen betroffen. Die Wasserbehörde stellt im November einen Antrag auf den Import von 200 t Chlor zur Desinfektion des Trinkwassers. Aber nur 18 t werden genehmigt, wodurch sich die Seuchengefahr erhöht.
Im übrigen bin ich positiv überrascht, das die SZ einen solch guten, der Wahrheit entsprechenden Artikel schreibt. Das Leid der Palästinenser wurde oft genug, ganz besonders während des jüngsten Gaza-Krieges teils völlig ausgeblendet.
Dies ist ein Schritt in die richtige menschliche Richtung.