Konflikt im Gaza-Streifen Israel fliegt Vergeltungsangriff

Die Waffenruhe im Gaza-Streifen hält nicht an: Nach einem Beschuss durch palästinensische Raketen und Granaten hat Israel seine Drohung wahr gemacht - und wieder Luftangriffe auf Ziele im Gaza-Streifen geflogen.

Israel und die radikal-islamische Hamas haben die Waffenruhe im Gaza-Konflikt erneut verletzt. Nur Stunden nach dem Beschuss Südisraels mit palästinensischen Raketen griff Israel am Sonntagabend eine unbesetzte Polizeistation und Tunnelanlagen an der Grenze zu Ägypten an.

Palästinenser stehen an der Grenze zu Ägypten auf Erdhaufen, die beim Bau von Tunneln aufgeworfen wurden. Solche Tunnelanlagen hat Israel erneut bombardiert.

(Foto: Foto: AP)

Die von der Hamas geleitete Polizeistation im Gaza-Streifen stand Medienberichten zufolge zum Zeitpunkt des Angriffs leer, es wurde niemand verletzt. Die Polizeistation wurde komplett zerstört. Die israelischen Behörden sollen die Anwohner vor der Angriffserie über ihre Mobiltelefone gewarnt und sie aufgefordert haben, sich in Sicherheit zu bringen. Israel beschuldigt die Palästinenser, durch Tunnel Waffen in den Gaza-Streifen einzuschmuggeln.

Die Lage im Gaza-Streifen ist zwei Wochen nach Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas weiter extrem angespannt. Militante Palästinenser im Gaza-Streifen hatten den Raketenbeschuss israelischer Ortschaften auch am Sonntag fortgesetzt.

Ein Militärsprecher bestätigte, es seien insgesamt fünf Kassam-Raketen und acht Mörsergranaten abgefeuert worden. Zwei Soldaten und ein Zivilist seien verletzt worden. Bereits am Samstag war eine aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Grad-Rakete nahe der Küstenstadt Aschkelon eingeschlagen.

Der scheidende Ministerpräsident Ehud Olmert hatte zuvor gewarnt, ein Beschuss der Einwohner im Süden des Landes werde eine harte und überproportionale Reaktion Israels nach sich ziehen. Olmert sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem: "Wenn die Bürger im Süden Israels beschossen werden, wird die israelische Reaktion hart sein."

Ringen um dauerhaften Waffenstillstand

Man werde "nicht zu den alten Spielregeln zurückkehren, die die Terrororganisationen uns aufzwingen wollten". Er habe Verteidigungsminister Ehud Barak angewiesen, die Armee für eine Reaktion vorzubereiten.

Nur wenige Stunden nach der Drohung verletzten erstmals seit Beginn des brüchigen Waffenstillstands vor zwei Wochen aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Granaten im Süden des Landes mehrere Israelis. Zuvor waren bereits mindestens zwei Raketen im Süden Israels eingeschlagen, hierbei gab es jedoch keine Verletzten.

Zu dem Angriff bekannte sich eine Gruppierung der Al-Aksa-Brigaden. Die Brigaden gehören zu der mit der Hamas rivalisierenden Fatah von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Ein Sprecher der Hamas-Regierung im Gaza-Streifen verurteilte die Erklärung Olmerts als aggressiv. Gleichzeitig jedoch forderte er alle Palästinenser auf, sich an den Waffenstillstand zu halten.

Unterdessen stimmte die Hamas im Ringen um eine dauerhafte Waffenruhe mit Israel angeblich einem ägyptischen Vorschlag zu. Das berichtete der arabische Sender Al-Arabija am Sonntag. Der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach von einem "Durchbruch".

Abbas will nach Angaben palästinensischer und ägyptischer Nachrichtenagenturen an diesem Montag mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo zusammentreffen. Eine geplante Reise nach Tschechien habe er deswegen bereits verschoben. Einzelheiten zum ägyptischen Friedensplan wurden zunächst nicht genannt.

Seit Ausrufung einer Waffenruhe nach der blutigen israelischen Offensive im Gaza-Streifen vor zwei Wochen war es mehrmals zu vereinzelten Angriffen auf Israel gekommen. Ziel des dreiwöchigen Militäreinsatzes, bei dem etwa 1300 Palästinenser getötet wurden, war eine Unterbindung des Raketenbeschusses.