Von Varinia Bernau

Deutsche Expertise im chinesischen Plattenbau: Wie der Entwicklungshelfer Xu Zhiyong Anwohner bei der Wohnungssanierung und Behörden beim Klimaschutz berät.

Sie sind winzig, 200 Mal kleiner noch als ein Punkt in der Tageszeitung. Dennoch haben sie für riesigen Wirbel gesorgt: Die Staub- und Schmutzpartikel im Himmel über Peking. Kurz vor den Olympischen Spielen tauchten Bilder von der Smogglocke über der Stadt auf - und die chinesischen Behörden sahen sich gezwungen zu handeln: Für die Dauer der Spiele haben sie knapp ein Drittel der 3,3 Millionen Autos der Stadt von den Straßen verbannt. Mehr als hundert Fabriken und Baustellen wurden im Kampf gegen die dicke Luft zumindest für den Zeitraum der Spiele geschlossen.

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Smogglocke über Peking, am fünften Tag der Olympischen Spiele (© Foto: AFP)

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Doch die Aerosole, die mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern durch die Luft schweben, machen nicht nur den Olympioniken das Leben schwer. Die Feinstaubbelastung in Peking, warnte Greenpeace kürzlich, wird auch weiterhin deutlich über dem Wert liegen, den die Weltgesundheitsorganisation für bedenklich hält. Sie werde, so die Umweltschützer, eine der größten Herausforderungen für die chinesischen Behörden bleiben. Die Volksrepublik ist zudem weltweit der zweitgrößte Emittent von klimaschädigenden Gasen.

5 Millionen Euro aus dem Topf deutscher Entwicklungshilfe

Ein Mann, der sich für gute Luft einsetzt, ist Xu Zhiyong. Bei seinem Kampf fürs Klima, sagt er, stehe er erst am Anfang. "Das wird lange dauern - und es wird teuer." Seit zweieinhalb Jahren leitet Xu eine dreiköpfige Projektgruppe der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), die im Auftrag der Bundesregierung die Chinesen bei Gebäudesanierungen berät. Kerngedanke der deutschen Entwicklungshilfe: Klimaschutz durch Wärmeschutz.

Fünf Millionen Euro aus dem Topf des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fließen in das Projekt - für Beratungen und Begleitstudien, Ausstellungen und Konferenzen, um Sanierungsverfahren speziell für China zu entwickeln und zu erproben.

Laut Ministerium gibt es in China 16 Milliarden Quadratmeter Wohnraum - eine Fläche so groß wie Thüringen. Jährlich kommen 1,8 bis zwei Milliarden Quadratmeter dazu. Mit einem Anteil von 23 Prozent an den nationalen Treibhaus-Emissionen trage der Gebäudesektor, so heißt es in einem Papier des Ministeriums, beträchtlich zur Klimaerwärmung bei. Andere Experten schätzen den Anteil sogar auf 30 Prozent.

Wer Gebäude also gut isoliert, so die Rechnung von Xu Zhiyong und seinen Kollegen, der muss weniger heizen - und pustet damit auch weniger Schadstoffe in die Luft. Die Chinesen heizen vor allem mit Kohle, durch die Sanierung ihrer Wohnung könnten sie den Kohleverbrauch halbieren, so Xu. Eine Einschätzung, die Fachleute teilen: Da die Ausgangslage bei den Gebäuden in China schlecht sei, lasse sich der Energieverbrauch durch Wärmeschutzmaßnahmen wie Dämmung oder dem Einbau von hochwertigen Isolierglasfenstern nebst Rollläden deutlich drosseln.

Drei Wohngebäude in der Küstenstadt Tangshan, etwa 200 Kilometer östlich von Peking, wurden im Rahmen des seit zweieinhalb Jahren laufenden Projekts bereits modernisiert. Die Stadt wurde 1976 von einem Erdbeben fast vollständig zerstört. Anschließend, erzählt Xu, seien dort einfache, ungedämmte Plattenbauten hochgezogen worden. Acht bis neun Grad Celsius, wärmer seien die dortigen Wohnungen im Winter nicht zu bekommen. Mit der Sanierung habe man die Raumtemperatur auf 22 Grad erhöhen können - und gleichzeitig den Energieverbrauch gesenkt.

In vier anderen Städten sind ähnliche Sanierungen angelaufen - Xu weiß um die Strahlkraft eines Pilotprojekts: Mit seinen Kollegen ist er von Wohnung zu Wohnung gegangen, hat mit den Bewohnern gesprochen, ihnen von dem Komfort und den niedrigen Energiekosten berichtet. "Aber die Menschen glauben nicht, was nur auf einem Papier steht. In den Modellwohnungen können sie die neuen Fenster anfassen - und die Bewohner nach Erfahrungen befragen."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie viel Tonnen weniger Kohlenstoffdioxid in der Luft landen könnten, wenn die Sanierung im große Stile betrieben wird - und warum sich auch Widerstand gegen das Projekt regt.

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