Kirche: Missbrauch in Oberharmersbach Vertuscht? "Report Mainz" greift Bischof Zollitsch an

Bloß keinen Skandal - das scheint die Haltung des heutigen Freiburger Erzbischofs Zollitsch in einem alten Missbrauchsfall gewesen zu sein.

Missbrauch, immer wieder Missbrauch in der Kirche: Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch soll einem Medienbericht zufolge versucht haben, einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen.

Das ARD-Fernsehmagazin Report Mainz zitiert in seiner Montags-Ausgabe aus einem Brief, in dem Zollitsch 1995 in seiner Funktion als Personalreferent verfügt habe, dass die betroffene Gemeinde im badischen Oberharmersbach über wesentliche Details des Missbrauchsskandals nicht informiert werden sollte.

"Eine solche Aufklärung hätte zudem (...) nur noch den Sinn eines Racheaktes gegenüber einem alten und kranken Mann. (...) Eine solche nachträgliche Rache nützte niemandem und würde einen Menschen ohne Not in den Ruin oder gar Tod treiben", schrieb Zollitsch dem Bericht zufolge.

Zollitsch wusste demnach bereits 1992 detailliert von mindestens einem Missbrauchsfall in Oberharmersbach. Ein heute noch aktiver Pfarrer der Erzdiözese hatte den damaligen Personalreferenten Zollitsch persönlich über den Fall seines Neffen informiert. Dieser war Ministrant in Oberharmersbach und war von Pfarrer Franz B. missbraucht worden. Die sexuellen Übergriffe hatte er auf vier Seiten detailliert protokolliert. Der Gemeindepfarrer hatte in Oberharmersbach mehr als 20 Jahre lang Kinder und Jugendliche missbraucht.

Nach der Aussage des Ministranten kam es zum persönlichen Gespräch zwischen Zollitsch, dem Opfer und dem Onkel des Opfers. "Ich denke, es wurde vertuscht, schlicht und einfach. Man wollte den Skandal verhindern auf dem Rücken der Schwächsten", sagte der noch aktive Pfarrer gegenüber Report Mainz.

Das Erzbistum Freiburg betonte am Sonntag in einer Mitteilung, niemand habe in Oberharmersbach etwas vertuschen wollen. "Die damals Verantwortlichen haben versucht, den Schaden zu begrenzen und sexuellen Missbrauch zu verhindern", hieß es in der Mitteilung.

Zuvor hatte Zollitsch, der amtierende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen in Oberharmersbach eingeräumt. Es sei falsch gewesen, die Staatsanwaltschaft nicht einzuschalten, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wir waren davon überzeugt, dass wir mit einer Anzeige große Unruhe in die Gemeinde Oberharmersbach tragen würden."

Aus heutiger Sicht sei man zweifelsohne, so Zollitsch, von falschen Überlegungen ausgegangen. "Heute wissen wir es besser. Wir haben dazugelernt."