Kirche "Machtmissbrauch" in katholischem Internat

Ein Bericht legt offen, wie die Schüler in einem Internat in Bad Münstereifel über Jahre drangsaliert wurden.

Von Matthias Drobinski

An der katholischen Internatsschule Collegium Josephinum in Bad Münstereifel hat es bis in die Siebzigerjahre hinein ein "System des Machtmissbrauchs" gegeben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Untersuchungsbericht, der die sexuelle, physische und psychische Gewalt an dem 1997 aufgegebenen Jungenkonvikt untersucht hat. Das Projekt war 2015 auf die Initiative von Betroffenen zustande gekommen. Mehr als 100 von ihnen haben von ihren Erfahrungen berichtet. So gab es sexuelle Übergriffe, zudem Stock- und Faustschläge, Tritte und Ohrfeigen sowie Demütigungen. Eine Kontrolle durch die Trägerin der Schule, das Erzbistum Köln, fand nicht statt. "Der Höhepunkt der Misshandlungen war zwischen 1961 und 1970", sagte die Pädagogik-Professorin Claudia Bundschuh, die das Projekt geleitet hat, bei der Vorstellung des Berichts. Der Betroffenen-Vertreter Werner Becker sagte, ein Priester habe sich damals "sehr sicher sein" können, "dass seine Taten nicht schnell nach außen dringen". Auch seine Eltern hätten ihm nicht geglaubt, deshalb habe er Jahrzehnte geschwiegen, so der heutige Zahnmedizin-Professor.

Insgesamt gibt es zwölf Beschuldigte, darunter sechs Priester, vier leben noch. Strafrechtlich sind die Taten verjährt. Gegen zwei Priester hat das Erzbistum Köln jedoch kirchenrechtliche Schritte eingeleitet. Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, der Bericht erfülle ihn mit Scham und "großer Trauer". Man müsse selbstkritisch prüfen, was diese Verbrechen begünstigt habe.