Kinderflüchtlinge an der US-Grenze zu Mexiko Marsch der Minderjährigen

Erschöpft: Kinder, die die Grenze zu den USA überschritten haben, schlafen in einer Zelle der Grenzbehörden.

(Foto: Eric Gay/AP)

"Wir können nicht jedem Kind in der Welt helfen, das Probleme hat": 57 000 minderjährige Flüchtlinge sind innerhalb eines Dreivierteljahrs über die Grenze in die USA gekommen - alleine. Die Behörden sind überfordert. Und die Politiker können sich kurz vor der Sommerpause nicht auf Hilfsmaßnahmen einigen.

Von David Hesse, Washington

Der Mann aus dem Norden möchte helfen. Deval Patrick, Gouverneur des Neuenglandstaates Massachusetts, hat dieser Tage angeboten, bis zu eintausend Flüchtlingskinder aus den überfüllten Auffang-Zentren an der Grenze zu Mexiko aufzunehmen. Sein Glaube verlange von ihm, Kindern in Not beizustehen, sagte er mit tränenerstickter Stimme. Die USA dürften ihnen nicht "wie 1939" wieder den Rücken zudrehen.

Doch der Gouverneur hat den Altruismus seiner Wähler überschätzt. Die Einwohner des Örtchens Bourne am Eingang der berühmten Halbinsel Cape Cod, wo Patrick die Kinder auf einem Militärstützpunkt unterbringen wollte, wehren sich erbost gegen die Minderjährigen aus Zentralamerika. Schon sah sich der Gouverneur zu einer Klarstellung veranlasst: Die jungen Migranten kämen nur vorübergehend, dürften keine örtlichen Schulen besuchen und die Kaserne nicht verlassen. Zudem sei noch nicht entschieden, ob der Bund das Angebot überhaupt annehmen werde.

Überall in den USA hat das Drama der Kinderflüchtlinge hitzige Debatten ausgelöst. Kirchen und Menschenrechtsverbände wollen helfen; Lokalpolitiker und Bürgerwehren weigern sich hingegen, Ausländerkinder in ihren Gemeinden aufzunehmen. "Wir können nicht jedem Kind in der Welt helfen, das Probleme hat", poltert der Gouverneur von Iowa, Terry Branstad. Derweil räumt der Erzbischof von Chicago, Francis George, in seiner Diözese Räume frei für minderjährigen ohne Papiere.

57 000 Kinder kamen seit Oktober über die Grenze. Aber wohin mit ihnen?

57 000 unbegleitete Kinder sind seit Oktober illegal aus Zentralamerika in die USA eingereist und vom Grenzschutz aufgegriffen worden, weitere 20 000 Kinder wurden mit ihren Eltern festgesetzt. Die große Zahl überfordert die auf erwachsene Migranten eingestellten Behörden heillos; es fehlt an Betreuungspersonal, Übersetzern und Immigrationsrichtern.

Um die angespannte Lage zu entschärfen und die Kinder wenigstens bis zu ihrer angestrebten Rücksendung in die Heimatländer angemessen versorgen zu können, bräuchte es außerplanmäßige Hilfen. US-Präsident Barack Obama hat bereits vor Wochen 3,7 Milliarden Dollar beantragt. Doch das Parlament in Washington wird seinem Ruf als Ort der kalten Parteinteressen und der Entscheidungsunfähigkeit einmal mehr gerecht. Demokraten und Republikaner können sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.

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Die Demokraten haben einen Vorstoß lanciert, nach dem 2,7 Milliarden Dollar aufgewendet werden sollen, darunter 300 Millionen für den Kampf gegen Menschenhändler und eine Abschreckungskampagne in Zentralamerika. Dort hält sich das fatale Gerücht, dass allein reisende Kinder ein Bleiberecht in den USA erhielten.

Den Republikanern ist das zu teuer: "Es ist finanzieller Wahnsinn, Milliarden von Dollar für fremde Kinder auszugeben. Wir verfügen nicht über dieses Geld, müssen es uns leihen u nd können es nicht zurückzahlen," sagte etwa der Abgeordnete Morris Brooks aus Alabama. Er würde die Kinder am liebsten auf regulären Linienflügen nach Hause schicken, was Amerika nur ein paar Millionen kosten würde.