Katholische Kirche in der Kritik Kölner Kardinal beklagt "Häme und Aggression"

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner, hier bei einer Predigt: In einem Brief schreibt er an alle Priester, Diakone und Laien im Kirchendienst.

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Die katholische Kirche hat es nicht leicht. Ein Sturm der Entrüstung ist über sie hereingebrochen nach den Vorfällen in zwei katholischen Kliniken und bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Kardinal Meisner beklagt in einem Brief Katholikenphobie.

Von Matthias Drobinski

Bevor die Stadt und der Erdkreis in den Karneval taumelten, hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner noch ein ernstes Wort zu sagen. "In den vergangenen Wochen hat die Kirche in Köln in der öffentlichen Wahrnehmung einen Sturm erlebt, wie ich ihn in meinen Jahren als Bischof selten erlebt habe", schrieb er an alle Priester, Diakone und Laien im Kirchendienst. Anlass seien das Ende der Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle gewesen und die Vorfälle in zwei katholischen Kliniken in Köln, die eine mutmaßlich vergewaltigte Frau abgewiesen hatten.

Der Kardinal bedauerte den Vertrauensverlust, der für die Kirche entstanden sei. Dann klagte er über "die Häme und die Aggression, mit der Teile der Öffentlichkeit uns begegnen". Die "Entschiedenheit der katholischen Position zu Lebensschutz, zu Ehe und Familie" polarisierten "in der Gesellschaft immer stärker". "Französische Wissenschaftler", schrieb der Kardinal weiter, "betrachten dieses Phänomen inzwischen als ,Katholikenphobie' und weisen darauf hin, dass keine Religion oder Konfession so gezielt öffentlich angegriffen wird wie die katholische Kirche".

Gibt es also Katholikenhass in Deutschland? Müssen die Kirchenmitarbeiter "tapfer ungerechtfertigte Vorwürfe ertragen", wie Kardinal Meisner formuliert? Es dauerte nicht lange, bis der Brief beim Kölner Stadtanzeiger gelandet war und das Thema in der Öffentlichkeit - zumal erst vor Wochenfrist Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation und gewesene Bischof von Regensburg, gar von einer "künstlich erzeugten Wut" gegen Katholiken berichtete, "die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert."

"Ja, es gibt eine aggressive Stimmung gegen die katholische Kirche"

Als Meisner nach dem Klinik-Skandal erklärte, unter bestimmten Umständen sei die "Pille danach" zur Verhütung einer Vergewaltigungs-Schwangerschaft moralisch vertretbar, erntete er Respekt - nun regnet es wieder Kritik. Den Bischöfen täte "sichtbare und spürbare Demut" gut, statt die "rhetorische Keule" zu schwingen, sagte Patrick Meinhardt, Sprecher der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion. Der Sozialwissenschaftler und Theologe Michael N. Ebertz befand: "Moralische Arroganz und Überheblichkeit in der Kirche fallen jetzt nur auf sie selbst zurück". Auch Volker Kauder, Chef der Unionsfraktion im Bundestag, hält Begriffe wie "Pogromstimmung" und "Katholikenphobie" für übertrieben.

Kauder sagte aber auch in der Welt, die Kirchen in Deutschland hätten "zum Teil einen schweren Stand" - und er ist nicht der einzige, der durchaus Verständnis für die Klagen zeigt. Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) befand, das "aggressive Potential" gegen Religion sei gewachsen. Der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz wirft gar den Medien eine Kampagne gegen die katholische Kirche vor - da sei "viel Häme und Heuchelei im Spiel". Dabei müsste gerade die katholische Kirche Mut zu unzeitgemäßen Positionen haben.

Das dürfte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ähnlich sehen - ja, es gebe "eine aggressive Stimmung gegen die katholische Kirche", sagte er der Westdeutschen Allgemeinen. Das habe sie sich aber "zum Teil selbst zuzuschreiben". Die Frühjahrsversammlung der Bischöfe in der kommenden Woche verspricht spannend zu werden.