Katholische Kirche "Der Papst rief auf meinem Handy an"

Heiner Wilmer wird voraussichtlich im September in sein neues Amt eingeführt.

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Der Generalobere der Herz-Jesu-Priester, Heiner Wilmer, wird Bischof in Hildesheim.

Der Ordenspriester Heiner Wilmer wird neuer katholischer Bischof von Hildesheim. Das gaben der Vatikan und das Bistum Hildesheim am Freitag zeitgleich bekannt. Der 56-Jährige soll voraussichtlich im September im Mariendom zum Bischof geweiht und in sein Amt eingeführt werden. Der in Rom arbeitende Pater, der über seine Wahl vollkommen überrascht war, hatte zunächst an den Papst geschrieben und um Bedenkzeit gebeten, wie das Bistum mitteilte. Daraufhin habe der Papst prompt reagiert. "Er rief mich noch am selben Mittwoch, nur wenige Stunden später, auf meinem Handy an." Der Papst habe Verständnis für seine Bedenken geäußert und ihn zur Übernahme des Bischofsamtes ermuntert. Am späten Abend habe Wilmer dann in Hildesheim angerufen und zugesagt.

"Wir haben ihn gewollt", sagte Diözesanadministrator Nikolaus Schwedtfeger, der das Bistum übergangsweise bis zur Einführung des neuen Bischofs leitet. Dass Wilmer nach Hildesheim komme, mache ihn von ganzem Herzen froh und dankbar. Der bisherige Generalobere der Kongregation der Herz-Jesu-Priester wechselt aus Rom in die niedersächsische Bischofsstadt und wird damit Nachfolger von Norbert Trelle, der elf Jahre lang an der Spitze der Diözese gestanden hatte. Der erste Besuch Wilmers in Hildesheim ist für Anfang Mai geplant.

Er wurde am 9. April 1961 in Schapen im Emsland geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Nach seinem Abitur 1980 am Leoninum in Handrup, einem Gymnasium in Trägerschaft der Herz-Jesu-Priester, trat er ins Noviziat des Ordens in Freiburg ein. Von 1981 bis 1986 studierte er Theologie in Freiburg sowie Romanistik in Paris. 1987 weihte ihn der Freiburger Erzbischof Oskar Saier zum Priester. Im Anschluss ging er nach Rom an die Päpstliche Universität Gregoriana, um dort Französische Philosophie zu studieren. Nach der Promotion in Theologie und einem weiteren Studium (Geschichte auf Lehramt) ging Wilmer 1997 für ein Jahr in die USA, um an einer Jesuiten-Highschool in der New Yorker Bronx Deutsch und Geschichte zu unterrichten.

Wilmer wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester, seit 2015 steht er als Generaloberer in Rom an der Spitze des Ordens, der sich unter anderem in der Bildung und Erziehung engagiert. 2013 veröffentlichte er das Buch "Gott ist nicht nett" über seinen Glauben und seine Lebensentscheidung, Priester zu werden. Im Bistum warten zahlreiche Herausforderungen auf den neuen Bischof. Unter anderem wird er nach mehreren Missbrauchsvorwürfen die Glaubwürdigkeit der dortigen Kirche wiederherstellen müssen. Das Bistum zählt 610 000 Katholiken und reicht vom Harz bis an die Nordsee.