V-Männer gelten in Deutschland als Allzwecklösung bei der Verbrechensbekämpfung. Das ist falsch, denn die "Vertrauenspersonen" sind häufig zwielichtige Typen. Spitzel sind oft Wichtigtuer, die für viel Geld wenig liefern. Entscheidend ist diese Einsicht beim Verbotsverfahren gegen die NPD.
Sie gilt als Wundermittel, aber sie ist es nicht. Bei der Aufklärung der Drogenkriminalität und bei der Beobachtung der rechtsextremen Szene setzen Polizei und Verfassungsschutz auf die V-Person. Die V-Person ist ein Informant, der zur kriminellen oder extremistischen Szene gehört, aber für Geld Informationen liefert.
Bild vergrößern
Die V-Person gehört zur kriminellen oder extremistischen Szene und soll für Geld Informationen liefern - oft schafft das nur mehr Probleme. (© ddp)
Anzeige
Das "V" steht eigentlich für Vertrauen. Aber die "Vertrauensperson" ist in Wahrheit eine Person, der man nicht trauen kann. V-Leute sind allzu oft Wichtigtuer, die für viel Geld das nicht liefern, was man von ihnen erwartet. Die V-Leute in der Neonazi-Szene zeigen das deutlich. Offenbar hat keiner einen Hinweis auf die untergetauchten Neonazi-Mörder geliefert; offenbar hat keiner die Behörden auf die Spur gesetzt. Das V-Leute-Wesen, das ein Unwesen geworden ist, wiegt den Staat im Glauben, alles im Griff zu haben. Aber das stimmt nicht. Es gibt nicht wenige Beispiele dafür, dass V-Leute erst die Gefahren produzieren, die man mit ihnen eigentlich bekämpfen will; V-Leute schaffen häufig mehr Probleme als sie lösen.
Die bekanntesten V-Leute der vergangenen Jahrzehnte waren Ulrich Schmücker und Peter Urbach. Urbach spielte eine bis heute nicht geklärte Rolle bei der Entstehung der Roten Armee Fraktion (RAF), er besorgte die Bombe für einen Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in Berlin. Schmücker wurde im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit ermordet; der nachfolgende Prozess offenbarte eine Abfolge von unglaublichen Fehlleistungen von Verfassungsschutz und Polizei, die wohl nur durch das Desaster bei der Fahndung nach den Neonazi-Mördern übertroffen wird. Wenn (zu viele) V-Leute im Spiel sind, besteht immer die Gefahr, dass der Staat sich gemein macht mit den Methoden, die in dem zu bekämpfenden Milieu praktiziert werden.
Der Staat hat sich mit den V-Leuten geschadet
Der Verfassungsschutz hat den vielen Neonazi-V-Leuten sehr viel Geld bezahlt. Er hat auf diese Weise den Aufbau der NPD in diversen Bundesländern mitfinanziert. Er hat Rockkonzerte der NPD bezuschusst, in denen die Neonazi-Morde besungen wurden. Der Staat war viel zu exzessiv beim Einsatz von V-Leuten. Der Schaden war und ist größer als der Nutzen. Das V-Leute-Unwesen ist ein Karzinom im Organismus des Rechtsstaats geworden.
Man muss die V-Leute in der NPD abschalten. Man muss damit aufhören - unter dem Mantel, ihn zu bekämpfen - Neonazismus zu finanzieren. Wenn ein NPD-Verbot Erfolg haben soll, ist das ohnehin geboten. Die Lauterkeit des rechtsstaatlichen Handelns gebietet das auch. Das V-Leute-Wesen verfremdet den Rechtsstaat. Es ist dies ein unguter V-Effekt. Es ist klüger und erfolgversprechender, verdeckte Ermittler einzusetzen - also Beamte der Polizei und des Verfassungsschutzes, die unter einer Legende arbeiten. Bei der Bekämpfung des Neonazismus muss der klassische Verfassungsschutz eine wichtige Rolle spielen. Es gibt aber einen mindestens so wichtigen weiteren Verfassungsschutz; der heißt Zivilgesellschaft.
- Thema
- Rechter Terror RSS
- Bundestag reagiert auf Mordserie Gesucht: ein Kontrolleur für die Neonazi-Kontrolleure 21.11.2011
- Zwickauer Terrorgruppe Das braune Netzwerk 21.11.2011
- Leben im Untergrund Verstecke mitten in der Gesellschaft 20.11.2011
- Rechter Terror in Deutschland Friedrich spricht von "kläglichem Versagen" der Behörden 19.11.2011
- Unterstützer der Zwickauer Terror-Zelle Netzwerk der alten Kameraden 18.11.2011
- Suche nach Helfern der Terrorzelle NSU Die Spur der Waffen 30.11.2011
- Neue Chance für NPD-Verbot nach Neonazi-Verhaftung "Das Verbotsverfahren kommt" 30.11.2011
(SZ vom 21.11.2011/fran)
Also Herr Prantl, nein, nein, nein. Erinnern Sie sich an Ihre vielzähligen Kommentare zum Guttenberg-"Skandalon", als Sie, Herr Prantl, Herrn Guttenberg vorwarfen, "substantielle, aus anderen Werken ganz oder fast wörtlich übernommene Passagen gar nicht zitiert" zu haben. Und genau darin, so schrieben Sie, liege das Wesen des Plagiats.
Ein Blick auf die Seiten der Wikipedia wirft nun ein trübes Licht auf Sie (Sie erinnern sich an Ihr Wortspiel mit dem Plagiat als Schatten, und dem Licht, uns so):
Wikipedia zu V-Mann: "Weitere bekannte V-Personen waren Ulrich Schmücker und Peter Urbach. (...). Urbach spielte eine bis heute nicht vollständig aufgeklärte Rolle bei der Entstehung der terroristischen Rote Armee Fraktion, außerdem besorgte er eine Bombe für einen Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus durch die Tupamaros West-Berlin 1968. (...) Schmücker wurde in Folge seiner Tätigkeit ermordet "
Prantl zu V-Mann: "Die bekanntesten V-Leute der vergangenen Jahrzehnte waren Ulrich Schmücker und Peter Urbach. Urbach spielte eine bis heute nicht geklärte Rolle bei der Entstehung der Roten Armee Fraktion (RAF), er besorgte die Bombe für einen Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in Berlin. Schmücker wurde im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit ermordet."
:-D
sind weniger die Spitzel, sondern die Politiker die unsere Schlapphüte angeblich kontrollieren.
Leider passt auch der oben gebrauchte Begriff "zwielichtige Typen" nicht nur auf die Spitzel, sondern auch auf die staatlichen Auftraggeber und ihre Chefs aus der Politik.
Wenn man bedenkt, welche Summen diese Nazis kassierten, weiss man nicht, was sie dafür geliefert haben. Sicherheitsrelevante Erkenntnisse jedenfalls ja unzureichend. der Verdacht besteht, dass dass der frühere Thüringer Verfassungsschutzpräsident selber ein Nazi war, jedenfalls soll er ja laut Fakt in Nazipostillen veröffentlicht haben, Ich hoffe, das wird aufgedeckt, ich habe wenig Hoffnung, denn der neue Generalbundesanwalt kommt aus Celle, einer braunen Nische, einer Nazihochburg. Nazis existieren nur mit Unterstützung im "Bürger"tum, die haben sie in Celle, wo Naziideologie gesellschaftsfähig ist, auch wenn man natürlich formal Abstand hält. Ich habe das Vorurteil, der neue Verfassungschutzpräsident gehört zu diesem Milieu, das Verständnis für die Neonazis hat. Ich möchte gerne eines Besseren belehrt werden und sehen, dass er durchgreuft und zum Beispiel auch den ehemaligen Präsidenten des Thüringerverfassungsschutzes und andere "klägliche Versager" als Unterstützer einer terroristischen Vereinigung vor Gericht bringt.
Es muss in der Reaktion werden, dass der Staat in der Lage ist, die alle Menschen in Deutschland vor Naziterror zu schützen. Am Ende dieses Prozesses sollte kein Mensch in Deutschland mehr Angst vor Nazis haben müssen. Die Terrortante z.B. braucht mindestens 30 Jahre hinter Gittern.
Offenbar hat sich die V-Leute-Tätigkeit als Nebenjob zahlreicher NPD-Kader herausgebildet. Das bedeutet, dass der Rechtsstaat nicht nur über die fragwürdige Parteienfinanzierung, sondern auch noch über direkte Alimentierung ihres Personals diese Partei finanziert.
So problematisch auch der Einsatz verdeckter Ermittler (wann wird die erfundene "Legende" zur tatsächlichen Wahrheit?) sein mag, so ist dies die wohl einzig saubere Ermittlungsmethode.
Im übrigen braucht es keine Sonderbehördern "gegen rechts", sondern sauberer Ermittlungen und einer schnellen Verurteilung von feigen Mördern: es geht - wie schon bei RAF - nicht um die hinter den Taten stehende krude Ideologie, der durch solche Behörden nicht entgegengetreten wird, sondern um die aus ihr entspringenden kriminellen Handlungen. Aber leider ist auch hier nur hilfloser Aktionismus zu erkennen.
in dieser Schwarz-Gelben-Bananen-Republik-Deutschland!
Hier tun sich gerade Abgründe auf, die gibt es gar nicht !
Paging