Kämpfe im Kongo Konflikt im toten Winkel

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt die Öffentlichkeit die Kämpfe im Nahen Osten. Was sich seit April in der Demokratischen Republik Kongo abspielt, bekommt dagegen kaum jemand mit. Was sind die Hintergründe dieses Konflikts, der Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben hat? Wer kämpft gegen wen? Und wer versucht zu schlichten?

Die wichtigsten Fragen und Antworten von Charlotte Theile und Felicitas Kock

Ein M-23-Kämpfer auf dem Weg in die Stadt Sake, 26 Kilometer westlich der bereits eingenommenen Stadt Goma.

(Foto: AFP)

Am 20. November 2012 hat die kongolesische Rebellengruppe M 23 die Stadt Goma übernommen. Eine Million Menschen leben in der Stadt im Osten Kongos, an der Grenze zu Ruanda.

Hunderttausende sind auf der Flucht vor der Rebellengruppe M 23 und vor der kongolesischen Armee. Eine Spirale aus Mord, Vergewaltigung, Zerstörung und Anarchie treibt sie seit fast acht Monaten durch das Land, viele von ihnen fliehen zum zweiten, dritten, vierten Mal. Aber sind es 250.000, 800.000 oder eine Million Flüchtlinge, die seit Beginn des Konflikts ihr Zuhause verlassen mussten?

So genau scheint das keiner zu wissen. Obwohl die UN eine fast 20.000 Mann starke "Peacekeeping" Truppe im Kongo stationiert hat, kann von Frieden keine Rede sein. Zu viele Akteure, zu viele Interessen konkurrieren miteinander. Die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft droht, den Konflikt eskalieren zu lassen. Hintergründe, Akteure und Geschichte: Ein Überblick.

[] Worum geht es in dem Konflikt?

Der "Ostkongo-Konflikt 2012" begann im April mit dem Aufstand der M-23-Rebellen. M 23 steht für den 23. März 2009. An diesem Tag hatten die Rebellen ein Abkommen mit der Regierung geschlossen, das ihnen die Aufnahme in die nationale Armee garantierte. Eine Ankündigung von Präsident Joseph Kabila, ihre Rechte einschränken zu wollen, führte im Frühjar 2012 zum Bruch.

In Kämpfen mit der kongolesischen Armee konnten die M-23-Rebellen immer mehr Städte an der Grenze zu Uganda und Ruanda übernehmen. Im Juli 2012 gelang es ihnen Berichten zufolge, bei Gefechten um die Stadt Bunagana 600 kongolesische Soldaten nach Uganda zu vertreiben. Kurz darauf wurden weitere Städte in der Gegend eingenommen - viele der Einwohner flüchteten in die Stadt Goma.

Im November 2012 wurden die Kämpfe in der Nähe von Goma intensiver, am 20. des Monats übernahmen die Rebellen schließlich die Stadt. Nach Informationen der UN haben M-23-Kämpfer dabei "Zivilisten verletzt, Entführungen von Frauen und Kindern fortgesetzt, Eigentum zerstört und Journalisten sowie Gegner ihres Vormarsches eingeschüchtert".

Die 1400 in Goma stationierten Soldaten der UN hatten die M-23-Kämpfer einfach passieren lassen. In einer Meldung der UN heißt es, es gebe weiterhin Patrouillen der Blauhelmsoldaten.