Italien Sternenglühen

Machtkämpfe, Inkompetenz, schlechte Leistung: Die Partei Cinque Stelle verliert deutlich bei den Kommunalwahlen. Der Mythos der frischen Kraft ist dahin. Auch Beppo Grillo, ihr Anführer, trägt Schuld daran.

Von Oliver Meiler

Nur ein Flop? Oder doch schon eine Supernova? Italiens Cinque Stelle verlieren nach langer Zeit wieder einmal eine Wahl, und schon spekuliert das Land über die angebliche Dämmerung der erfolgreichsten Protestbewegung Europas. Das ist verlockend und mindestens ebenso voreilig. Gemeindewahlen lassen sich auch in Italien nur bedingt für nationale Prognosen hernehmen. Außerdem standen lediglich 1004 Bürgermeister zur Wahl, etwa ein Achtel der Posten.

Dennoch ist es bemerkenswert, wie schlecht die Fünf Sterne in der ersten Runde abgeschnitten haben - quer durchs Land, im Norden wie im Süden, auch in früheren Hochburgen. In bedeutenden Städten verpassten die Kandidaten aus der Partei Beppe Grillos allesamt die Stichwahl. Manche brachten es nicht einmal auf zehn Prozent der Stimmen. Vor einem Jahr hatten die Cinque Stelle noch in Rom und Turin gewonnen. Die Siege schmeckten damals nach Eroberung, als wären künftige Triumphe unvermeidbar.

Die Niederlage kommt trotzdem nicht unerwartet. Ihr Keim liegt in Rom, in der Person Virginia Raggis. Deren Sieg bei der Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt war ein Fluch für die Partei. Die Fünf Sterne sollten in Rom beweisen, dass sie einer so komplexen Stadt Herr werden können: mit originellen Ideen, gutem Personal und moralischer Standhaftigkeit. Wäre das einigermaßen gelungen, würde man ihnen einmal das ganze Land anvertrauen können. Ein Jahr ist seitdem vergangen. Unter der Lupe der Medien mag Raggis Debakel noch größer erscheinen, als es ist. Aber es bleibt eben das: ein Desaster.

Die Partei Cinque Stelle verliert, sie ist eben doch nicht anders

Der Bonus des Neuen und Unverbrauchten ist weg, und mit ihm die sympathische Unschuld der Anfänge. Mittlerweile streitet man sich bei den Cinque Stelle so wüst und laut wie bei anderen Parteien auch. Manchmal geht es um ideologische Dinge, was in einer so heterogenen Bewegung durchaus normal ist. Öfter noch geht es um persönliche Animositäten. Grillo moderiert zunehmend selbstherrlich. Wer ihm nicht gefällt, fällt raus. In Genua, seiner Heimatstadt, verhinderte er die Kandidatin, die bei der Urwahl seiner Partei gewonnen hatte, und setzte seinen bevorzugten Kandidaten durch. Das passt nicht zur schönen, schier heiligen Maxime der Bewegung: "Uno vale uno", jeder zählt gleich viel wie der andere. Grillos Mann, von oben verordnet, verlor klar.

Wahrscheinlich schadete der Partei auch, dass die Spitze jüngst mit Matteo Renzi und Silvio Berlusconi einen Pakt über ein neues Wahlrecht schloss. Er hielt zwar nur einige Tage. Doch die Absicht zählte, dieses unziemliche Gekungel mit dem politischen Establishment. Die Puristen im Movimento Cinque Stelle verzichten lieber auf die Macht, als dass sie Allianzen eingehen. So steht nun neben Grillo auch Luigi Di Maio in der Kritik, das institutionelle und glatt rasierte Gesicht der Partei. Der junge Star der Fünf Sterne hatte den Deal ausgehandelt, es drängt ihn an die Macht. Die aber ist nicht mehr so leicht zu greifen.