Italien Glorie unter dem Gully

Rom feiert die Entdeckung des Privathauses von Kaiser Trajan.

Von Oliver Meiler

Rom kann prächtig sein, auch unter seinen Kanaldeckeln. Unlängst fuhr ein Team von Höhlenforschern und Kunsthistorikern mit Kameras und Drohnen zur Piazza del Tempio di Diana, einem Parkplatz auf dem Aventin. Sie hoben den Gullydeckel hoch, auf dem normalerweise Autos stehen, und stiegen hinab in die Tiefe. Es ist nicht überliefert, ob sie aufgeregt waren, doch wahrscheinlich waren sie das. Jetzt wurden ihre Entdeckungen durch ein Video publik, und Rom ist elektrisiert.

Zehn Meter unter dem Parkplatz, zugänglich nur über den schmalen Schacht und nur mit der Bewilligung des Superintendanten für die Kulturgüter der Stadt, befindet sich das Privathaus Kaiser Trajans aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Es sind fünf hohe Räume mit Kreuzgewölben und bunten Fresken von Vögeln und Stillleben, fast vollkommen erhalten. Beinahe so, als wäre Trajan gestern ausgezogen. Ein Teil der Räume wurde vor hundert Jahren schon mal ein wenig restauriert und dann wieder vergessen: Deckel drauf. Jetzt tauchen sie als Sensation wieder auf, in alter Glorie.

Die Römer schwelgen gerne in verflossenem Ruhm. Und es schwingt ein bisschen Wehmut mit, wenn sie die Größe der Antike an den relativen Niederungen der Neuzeit messen, am Chaos ihres Alltags, an der dürftigen Regierung der Stadt. Nun gedenkt Rom Trajans 1900. Todestag. Trajan war ein Star der Antike, an der Macht von 98 bis 117. Und so wird seiner mit spezieller Hingabe gedacht, unter anderem mit einer großen Ausstellung in seinen Märkten, den Mercati di Traiano. Das Plakat zur Ausstellung ist einem Bild von Andy Warhol nachempfunden, in poppigen Farben gehalten. Trajan galt als brillanter und offenbar auch gerechter Herrscher, als großer Bau- und Feldherr. Nie war das Römische Reich ausgedehnter und geeinter als unter ihm. "Er unterwarf seine Eroberungen nicht", sagt Claudio Parisi Presicce, Roms Kulturintendant, "er bezog sie ein." Er baute auch mehr als seine Vorgänger, Nützliches und Dekoratives. Schön soll er auch gewesen sein, groß und stark, mit dichtem Haar. Er sprach dem Wein zu, wie Nero, doch ihm sah man das nach. Reden konnte er auch.

Der Römische Senat erfand für ihn den nicht mehr steigerungsfähigen Titel "Optimus Princeps": der beste Prinz. Und das war auch deshalb erstaunlich, weil er ein Fremder war, der erste Kaiser aus der Provinz. Marcus Ulpius Nerva Traianus kam in Italica zur Welt, einer Stadt im heutigen Andalusien. Seine Herkunft prädestinierte ihn nicht zu höheren Weihen. Doch er arbeitete sich hoch, ging die richtigen Allianzen ein. Plinius der Jüngere, Senator und Zeitzeuge, schrieb über Trajan: "Es gelang ihm, wieder Freude unter die Römer zu bringen." Viel mehr geht nicht.

An all das erinnert man sich nun wieder, ausgerechnet kurz vor den italienischen Parlamentswahlen. Beste Prinzen sind heutzutage nicht in Sicht für die Wähler. Stattdessen feiert der 81-jährige Silvio Berlusconi sein Comeback, dem sogar sein bescheidener Titel "Cavaliere" aberkannt wurde.

Und so richtig eintauchen in die vergangene Glorie können die Italiener auch nicht. Trajans Privatgemächer sind nicht besuchsreif. Es fehlt - wie so oft - am Geld.