Israel Nach 70 Jahren 70 Stunden Party

Die Israelis beginnen die Feiern zur Gründung ihres Staates 1948. Die Palästinenser erinnern indes an ihre Vertreibung.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Es wird gefeiert, aber auch der Toten gedacht: eine Soldatin vor den Gräbern der für Israel Gefallenen auf dem Herzlberg in Jerusalem.

(Foto: Menahem Kahana/afp)

Das ganze Land ist übersät mit israelischen Fahnen. Seit Monaten wurden die Feiern zum 70. Jahrestag der Staatsgründung vorbereitet, am Rothschild Boulevard 16 im Zentrum von Tel Aviv drängten sich in den vergangenen Tagen Menschenmassen. Dabei hängt in diesem Museum nicht das Original, sondern nur eine Kopie der Unabhängigkeitserklärung. 35 Männer und zwei Frauen, unter ihnen Golda Meir, haben ihre Unterschrift darunter gesetzt und damit die Gründung des Staates Israel besiegelt. Das Völkerbundmandat der Briten endete somit.

David Ben Gurion verlas die Erklärung, in der die es über die Ziele des Staates unter anderem heißt: "Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten." Nach 32 Minuten war der Akt in dem schmucklosen Bau, dem ehemaligen Wohnhaus des ersten Tel Aviver Bürgermeisters Meir Dizengoff, vorbei.

In den Geschichtsbüchern steht 14. Mai 1948 als Datum für die Staatsgründung

Dafür wurde in den Stunden danach gefeiert. Eine Wiederholung soll es in diesen Tagen geben mit einem Programm, das dem 70. Jahrestag Rechnung trägt. Die Feierlichkeiten erstrecken sich über 70 Stunden, unter anderem mit einer 70 Kilometer langen Strandparty quer durchs Land, Straßenfesten, Feuerwerken und Lichtshows. Am Mittwochabend erschallte an vielen Orten in ganz Israel das Lied "Hallelujah", mit dem das Land 1979 den Eurovision Song Contest gewonnen hatte.

In den Geschichtsbüchern ist der 14. Mai 1948 als Datum für die Staatsgründung Israels eingetragen. Die Israelis feiern aber nach dem jüdischen Kalender, weshalb die Aktivitäten schon am Abend des 18. April begannen. Davor war das Gedenken an die seit 1948 gefallenen 23 646 Soldaten und die 3134 Terroropfer. Bereits am Tag nach seiner Gründung wurde der junge Staat angegriffen. Der UN-Teilungsplan von 1947 sah vor, dass Palästina zu 56 Prozent der jüdischen und zu 43 Prozent der arabischen Bevölkerung zugesprochen wird. Die arabischen Staaten lehnten den Vorschlag ab. Neben der generellen Ablehnung eines jüdischen Staates geschah dies mit der Begründung, der Plan verletze die Rechte der arabischen Mehrheitsbevölkerung. Kurz nach der Ausrufung des Staates eröffneten am 15. Mai 1948 fünf arabische Staaten einen Krieg gegen Israel. Im Zuge der Staatsgründung Israels wurden rund 700 000 Palästinenser vertrieben oder mussten fliehen. Ein "Recht auf Rückkehr" fordern nun Palästinenser im Gazastreifen ein, die seit drei Wochen an der Grenze demonstrieren und ihre Proteste bis zum 15. Mai fortsetzen wollen. In Israel leben derzeit laut des Statistikbüros 8,8 Millionen Menschen, davon sind 75 Prozent Juden und 21 Prozent Muslime. Rund 8000 Menschen, darunter rund hundert Palästinenser, nahmen an einer "alternativen" Gedenkfeier in Tel Aviv teil. Rechtsextreme stören die Veranstaltung, bei der Autor David Grossmann, dessen Sohn Uri im Libanonkrieg gefallen war, eine Lösung für den Konflikt mit den Palästinensern forderte.