Islamfeindlicher Protest in Leipzig Legida-Demonstration mündet in Gewalt

Anhänger von Legida (unten) und Nolegida - dazwischen die Polizei

(Foto: Hannibal Hanschke/Reuters)
  • Die Demonstration der islamfeindlichen Legida-Bewegung in Leipzig mündete in Gewalt. Anhänger von Legida griffen Gegendemonstranten und Journalisten an.
  • Am Hauptbahnhof musste ein Großaufgebot der Polizei die Gruppen trennen. Die Polizei sprach von Handgemengen und Flaschenwürfen.
  • Nach Brandanschlägen auf die Bahnstrecke Leipzig-Dresden wurde der Leipziger S-Bahnverkehr zeitweise lahmgelegt.
Von Hannah Beitzer, Leipzig, und Oliver Das Gupta

Gewaltausbruch nach Legida-Demonstration

Die Demonstrationen der islamfeindlichen Legida und der Gegendemonstranten von Nolegida in Leipzig endeten mit Gewalt. "Es kam in verschiedenen Ecken zu Gewalt und Handgemengen", sagte ein Polizeisprecher zur Süddeutschen Zeitung. Es seien auch Böller und Flaschen geworfen worden. Man habe nach Ende der eigentlichen Veranstaltungen Probleme, die Lager zu trennen, so der Sprecher.

Der Blog Publikative.org berichtete, Neonazis im Gefolge von Legida seien auf Gegendemonstranten losgegangen. Auch Journalisten wurden offenbar attackiert. Die Kamera eines Fotografen wurde beschädigt.

Eine Gruppe von etwa 50 Anhängern habe auf Presseleute eingeschlagen, die den Demonstrationszug begleiteten, ohne dass die Polizei zunächst eingegriffen habe, berichtete das Online-Portal der Leipziger Volkszeitung.

Zusammenstöße am Hauptbahnhof

Die Polizei bestätigte, dass es am Hauptbahnhof Zusammenstöße von Legida-Anhängern und Gegendemonstranten gegeben hat. "Ein größeres Polizeiaufgebot wurde dorthin geschickt, um die Gruppen zu trennen."

Nach dem Demo-Verbot von Dresden befand sich Leipzig im "Ausnahmezustand" - diese Bezeichnung verwendete Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Behörden erwarteten am Abend bis zu 100 000 Teilnehmer bei den Demonstrationen. Allein Legida wollte bis zu 40 000 Menschen mobilisieren - am Abend zeigte sich allerdings, dass weitaus weniger Menschen zu den Islamfeinden kamen.

Die Leipziger Polizei wollte auf SZ-Anfrage zunächst keine Schätzung abgeben. Ein Agenturreporter zitierte einen Beamten mit den Worten: "Die Zahl 40 000 können wir streichen." Später sprachen die Stadtbehörden von etwa 15 000 Legida-Anhängern. Doch deren Gegner waren in der Überzahl.

Etwa 20 000 Leute von Nolegida empfingen die Anhänger der Islamfeinde mit Rufen wie "Nazis raus" und "Haut ab, haut ab" und wurden am Weiterkommen gehindert mit einem gellenden Pfeifkonzert.

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Brandanschläge auf Zugstrecke und S-Bahn

Die Polizei hatte schon tagsüber Absperrungen in der ganzen Innenstadt errichtet, um Legida und Nolegida voneinander zu trennen. Mehr als 4000 Beamte waren im Einsatz. Die Leipziger Oper, vor der sich Legida versammelte, begrüßte die Demonstranten mit einem Transparent, auf dem stand: "Vielfalt, Toleranz, Offenheit".

Zuvor waren auf die Bahnstrecke Leipzig-Dresden zwei Brandanschläge verübt worden. Die Strecke wurde nach Angaben der Bundespolizei gesperrt, der Fernverkehr umgeleitet. Im Bereich Leipzig-Volkmarsdorf im Osten der Stadt seien im Abstand von etwa einer Stunde Kabelschächte in Brand gesetzt worden.

Später waren an zwei Stationen des Leipziger Citytunnels abermals Kabelschächte beschädigt worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei in Leipzig. Daraufhin sei der S-Bahn-Verkehr zwei Stunden lang zum Erliegen gekommen. Die Vermutung sei naheliegend, dass die Anschläge mit dem Leipziger Legida-Aufmarsch in Verbindung stünden, sagte die Sprecherin.

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