Iran: Oppositionsführer Mussawi Die revolutionäre Seite Mussawis

Für Iran wünscht sich Mussawi inzwischen eine starke Privatwirtschaft, denn mit staatlichen Investitionen lasse sich der Arbeitslosigkeit nicht beikommen. Die islamische Sittenpolizei, die die Iraner beschnüffelt und drangsaliert, möchte er abschaffen.

In seiner Haltung zur Stellung der Frau ist Mussawi indessen mehr als ein Reformer: ein Revolutionär. Gleich einem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten zeigte er sich mit seiner Frau Sahra Rahnaward stets Hand in Hand. Kein Politiker des nachrevolutionären Iran hat je etwas Ähnliches gewagt.

Die großen Widersacher

Seit der Schah und Kaiserin Farah 1979 das Land verließen, blieben die Frauen der Männer aus der hohen Hierarchie weitgehend unsichtbar. Sahra Rahnaward hatte indessen als Rektorin der Al-Sahra-Universität - bis Ahmadinedschad sie im Jahre 2006 absetzte - einen Status beruflicher Unabhängigkeit erreicht, den Mussawi allen Iranerinnen öffnen will. Die beiden haben drei Kinder.

Mussawi ist 1941 in Chameneh in der Provinz Ost-Aserbaidschan geboren, dem Ort, von dem die Familie des geistlichen Führers Ali Chamenei ihren Namen ableitet. Die beiden großen Widersacher sind weitläufig miteinander verwandt. Mussawi spricht Persisch, aserbaidschanisches Türkisch, Englisch und Arabisch.

An der Universität Teheran studierte er Architektur sowie Stadtplanung und wird deshalb von seinen Landsleuten, die auf Titel Wert legen, "Mohandes" (Ingenieur) genannt, von Freunden einfach "Mir Hussein". Ahmadinedschad wiederum legt Wert darauf, dass er Doktor ist.

Als der Posten des Premierministers 1989 abgeschafft wurde, verschwand Mussawi aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Nicht jedoch aus der Politik. Er war Berater der beiden Präsidenten Rafsandschani und Chatami. Ferner gehört er dem Schlichtungsrat an, der unter dem Vorsitz Rafsandschanis Konflikte zwischen den hohen Organen des Staates auszugleichen sucht.

Wenn etwa Parlament, Verfassungsgericht und geistlicher Führer sich über ein Gesetz nicht einigen können, wird der Schlichtungsrat tätig. In dieser wichtigen, aber obskuren Rolle hatte die jüngere Hälfte der Iraner Mussawi nie wahrgenommen, bevor er sich zur Kandidatur meldete.

Trocken und korrekt

Noch bei seinen ersten Auftritten wirkte er trocken, korrekt und ohne jedes Charisma. Die Mittel elektronischer Kommunikation, die seine Helfer geschickt nutzten, verwandelten ihn binnen Wochen zum Star der Politik.

In seinen stillen Jahren wurde Mussawi Präsident der im Jahre 1998 gegründeten Islamischen Kunst-Akademie Irans. Er hat sich als Architekt Anerkennung erworben und malt gern, wenn er Zeit hat. Als Kunst-Betrachter liebt er vor allem abstrakte Bilder.

Auch seine Frau, die vor der Revolution keinen Tschador, sondern verwestlichte Kleidung und das Haar offen trug, betätigt sich als Künstlerin. Sie macht Skulpturen aus Holz, Metall und Glas. Und gemeinsam arbeiten sie nun an einem neuen Iran.