Internet-Tracking Hartnäckiger als Cookies

Die Tracking-Technologie "Canvas-Fingerprinting" macht Internetnutzer zu gläsernen Menschen.

(Foto: iStockphoto)

Ein Gemälde als Fingerabdruck: Mit "Digital Canvassing" hat ein Unternehmen eine Tracking-Technik entwickelt, mit der Firmen das Online-Verhalten jedes Nutzers ausspähen können. Schützen kann man sich davor kaum, sagen Forscher.

Von Johannes Boie

Was unternimmt man nicht alles, um seine Privatsphäre im Netz zu schützen. Wenn schon die Technik von Geheimdiensten und Regierungen unbesiegbar zu sein scheint, so würden sich viele Nutzer wenigstens gerne vor Werbeunternehmen und Adresshändlern in Sicherheit bringen.

Viele Nutzer verweigern deshalb die Annahme von sogenannten Cookies. Das sind jene kleinen Dateien, die beim Besuch einer Webseite auf dem Computer abgelegt werden und die Werbeunternehmen dabei helfen, den Nutzer an anderer Stelle und zu anderer Zeit im Netz wieder zu identifizieren. Andere Nutzer löschen diese Cookies regelmäßig, wie es Datenschützer empfehlen. Dies lässt sich relativ einfach mit ein, zwei Mausklicks im eigenen Browser erledigen.

Doch auch das Cookie-Löschen ist nutzlos, wenn eine neue Technik zum Einsatz kommt, die Wissenschaftler der amerikanischen Princeton-Universität und der belgischen Katholischen Universität Leuven jetzt auf schon fünf Prozent der 100 000 beliebtesten Webseiten gefunden haben.

Wie das Speichern eines Cookies dient das "Canvas Fingerprinting" dazu, die Spur eines Nutzers quer durchs Netz zu verfolgen. Betroffen sind Nachrichtenseiten, Regierungswebseiten und Erotikportale - also alle Sorten von Internetseiten. Die Technik kann vom durchschnittlichen Nutzer nicht bemerkt und kaum verhindert werden (PDF-Version der Studie). Das Abschalten der Java-Script-Funktion hilft, dann funktionieren viele Seiten aber nicht mehr richtig.

Für die Verbreitung der umstrittenen Technik ist vor allem die Firma AddThis verantwortlich, die Facebook- und Twitter-Buttons auf 13 Millionen Internetseiten zur Verfügung stellt. Zwischen den beliebten Knöpfen hat sie zumindest auf einem Teil der Internetseiten die Canvas-Fingerprinting-Technik versteckt.

Auf Anfrage bestätigte auch Ligatus, Tochterfirma des deutschen Verlags Gruner + Jahr, die sich um Werbung im Internet kümmert, mit der Technik experimentiert zu haben. Die Testphase sei mittlerweile beendet.

Canvas Fingerprinting zeichnet das Nutzerverhalten exakt nach

Canvas Fingerprinting fordert Browser wie zum Beispiel den Internet Explorer oder Firefox auf, ein Bild zu zeichnen. Der Nutzer bekommt das Werk nicht zu sehen, es wird lediglich vom Rechner blitzschnell erstellt und ausgewertet. Weil jeder Browser diese Aufgabe unterschiedlich erledigt, entsteht ein einzigartiges Bild. Daher der Name: ein Gemälde ("Canvas") als Fingerabdruck.

Dieses Bild kann auch als Code aus Zahlen und Buchstaben dargestellt werden. Anhand dieses Codes identifizieren Firmen, die Canvas Fingerprinting verwenden, jeden Browser, sobald er eine Internetseite aufruft - und oft auch den Benutzer hinter dem Browser.

Allerdings ist die Technik nach Recherchen der Nachrichtenseite ProPublica noch fehleranfällig. Vor allem auf Tablets und Mobiltelefonen funktioniert sie nicht immer zuverlässig. Sie wird aber ständig verbessert. Einerseits, weil sich die gesammelten Daten der Surfer gut verkaufen lassen, andererseits, weil Firmen wie Ligatus Nutzer auf so vielen Webseiten wie möglich identifizieren möchten, um sie mit maßgeschneiderten Anzeigen zu bombardieren.