In Saudi-Arabien verurteilter Blogger "Auf wundersame Weise 50 Peitschenhiebe überlebt"

- An Amnesty International activist holds a picture of Saudi blogger Raif Badawi during a protest against his flogging punishment on January 29, 2015 in front of Saudi Arabia's embassy to Germany in Berlin. The 30-year-old Saudi has been sentenced to 1,000 lashes for insulting Islam and is serving a 10-year jail term - a case which has drawn widespread international criticism. AFP PHOTO / TOBIAS SCHWARZ

(Foto: AFP)
  • Der saudische Blogger Raif Badawi hat sich erstmals nach seiner Verhaftung öffentlich geäußert.
  • In einem Brief, der in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel veröffentlicht wird, schreibt Badawi, er habe die ersten 50 Peitschenhiebe "auf wundersame Weise überlebt".
  • Ein Buch Badawis kommt am 1. April in den Buchhandel. Darin sind auch die Blogeinträge zu lesen, wegen der Badawi veruteilt wurde. Er setzt sich für eine säkulare saudische Gesellschaft ein.
Von Christoph Meyer

Badawi äußert sich in Brief zur Prügelstrafe

Der saudische Blogger Raif Badawi hat sich erstmals seit seiner Verhaftung im Jahr 2012 zu Wort gemeldet. Dem Magazin Spiegel zufolge konnte er einen Brief aus dem Gefängnis schreiben, der in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift abgedruckt wird.

Darin schreibt der zu 1000 Peitschenhieben verurteilte Blogger, er habe die ersten 50 Hiebe auf "wundersame Weise überlebt".

Badawi schreibt weiter, er sei von einer Menschenmenge umgeben gewesen, die unablässig "Allahu Akbar" - "Gott ist am größten" gerufen habe. "All dies grausame Leid ist mir nur widerfahren, weil ich meine Meinung ausgedrückt habe", schrieb Badawi demnach.

Vollzug vorübergehend ausgesetzt

Die öffentliche Ausführung der Prügelstrafe wurde am 9. Januar vollzogen. Menschenrechtsorganisationen und westliche Regierungen protestierten scharf gegen die grausame Strafe. Ursprünglich sollte Badawi jede Woche 50 weitere Hiebe erhalten. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands wurde der Vollzug vorerst ausgesetzt.

Seine Frau Ensaf Haidar, die im kanadischen Exil lebt und von dort für die Freilassung ihres Mannes kämpft, sagte dem Spiegel: "Es geht ihm schlecht. Er leidet unter Bluthochdruck, vor allem aber ist er psychisch stark belastet."

Buch soll am 1. April erscheinen

Der Brief Badawis wird auch in dem Buch "1000 Peitschenhiebe" zu lesen sein, das der Ullstein Verlag zum 1. April in den Buchhandel bringt. Darin werden auch die Blog-Beiträge veröffentlicht, für die Badawi verurteilt wurde. Er hatte sich für eine säkulare saudische Gesellschaft ausgesprochen. Das Auswärtige Amt soll von der Veröffentlichung abgeraten haben, Badawi und seine Frau hoffen dem Spiegel zufolge auf Aufmerksamkeit und dadurch den Druck der internationalen Öffentlichkeit.

Zuletzt hatte sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel während eines Besuchs in Saudi-Arabien für den 31-Jährigen Badawi eingesetzt. Die Reaktion der saudischen Regierung machte wenig Hoffnung auf eine baldige Freilassung. Sie verbat sich die "Einmischungen in innere Angelegenheiten".

Unterdessen könnte der Prozess gegen Badawi nochmals neu aufgerollt werden. Dann könnte dem Blogger sogar die Todesstrafe drohen.

SZ Espresso Newsletter

Auch per Mail bestens informiert: Diese und weitere relevante Nachrichten finden Sie - von SZ-Autoren kompakt zusammengefasst - morgens und abends im SZ Espresso-Newsletter. Hier bestellen.