In wenigen Tagen beginnt die IBA Sachsen-Anhalt. Die Ausstellung eröffnet Szenarien zur Zukunft eines schrumpfenden Landes - getreu dem Motto "Weniger ist Zukunft".
Die Landschaften werden blühen, wenn am kommenden Wochenende in Magdeburg und Dessau die Internationale Bauaustellung eröffnet wird. Sie ist - zum ersten Mal - einem ganzen Bundesland gewidmet und obendrein einem Thema, das zwar intellektuell herausfordernd, aber ästhetisch wenig ergiebig scheint: dem Stadtumbau unter dem Motto "Weniger ist Zukunft".
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Metallskulptur "Bitterfelder Bogen": Neben 18 weiteren sachsen-anhaltischen Städten beteiligt sich Bitterfeld-Wolfen an der Internationalen Bauausstellung 2010. (© Foto: dpa)
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2002 hatte Sachsen-Anhalt, das damals wohl als Bundesland mit dem schlechtesten Image galt, 43 Städte begeistern können, eigene Konzepte des Schrumpfungsmanagements zu entwickeln.
Nun, im Jahr der Präsentation, sind noch 19 Städte mit dabei. Auf große Bauvorhaben, auf Leuchttürme wurde bewusst verzichtet. Das Bauhaus in Dessau wird eine Überblicksausstellung zeigen, Denkmalfrühstück und Schrumpfoper sollen Besucher anlocken, sich zwischen Aschersleben und Weißenfels umzusehen.
Aber es gibt ja schon jetzt keine stichhaltige Ausrede mehr, Sachsen-Anhalt nicht zu kennen: die Uta von Naumburg, die Reformer von Wittenberg wie die Pietisten von Halle oder die seit 1700 unentwegt Modernen aus Dessau. Wenn alles gut läuft, könnte der entscheidende Ertrag der Internationalen Bauausstellung dieses Jahres in einer Diskussion bestehen, die immer wieder angemahnt wurde, und dennoch nicht recht in Schwung gekommen ist. Wie wollen wir in einer Gesellschaft mit zunehmender Ungleichheit leben? Wie justieren wir das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit unter diesen Bedingungen neu?
Für die IBA 2010 hat der Geograph Jürgen Aring kritisiert, dass "die vorhandenen Ansätze auf Anpassungen in einem ansonsten stabilen Gesellschaftsvertrag setzen". Dass es schrumpfende Regionen gibt, hat sich herumgesprochen. Es betrifft vor allem den Osten und den Norden der Republik, 2020 wird jeder zweite Landkreis in Deutschland mit sinkenden Einwohnerzahlen konfrontiert sein. Das Leitbild der "gleichwertigen Lebensverhältnisse" blieb bisher zwar nicht unangetastet, ist aber dennoch weitgehend in Kraft.
Als der Bundespräsident, Horst Köhler, zu Beginn seiner ersten Amtszeit das illusorische und teure Versprechen gleichwertiger Verhältnisse teuer und illusorisch nannte, wurde er so scharf attackiert, dass ihm die Lust an dergleichen Deutlichkeit verging. Eine Kompromissformel hat sich inzwischen eingebürgert: Es gehe ja nicht um Gleichheit, sondern um Gleichwertigkeit.
Sehr zu Recht wendet Aring, der in Kassel Stadt- und Regionalplanung lehrt, dagegen ein, dass niemand genau sagen könne, "wie viel räumliche Ungleichheit die Idee der Gleichwertigkeit verträgt". Ein Maß aber der gewollten oder doch zulässigen Unterschiede braucht es, wenn die Rede von der Gleichwertigkeit mehr sein soll als eine Beruhigungsfloskel.
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