Gewalt in Zentralafrika Deutschland unterstützt Frankreichs Militäreinsatz

Ein französischer Soldat während einer Patrouille in Bangui

Logistische Hilfe für Frankreich: Die Bundesregierung ist bereit, die französische Armee beim Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik zu unterstützen. Der Bundestag müsste dem möglicherweise nicht einmal zustimmen.

Deutschland ist bereit, den französischen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik mit einem Transportflugzeug zu unterstützen. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums Freitag in Berlin. "Auch Deutschland erwägt, Frankreich logistisch zu unterstützen. Dazu sind wir mit den französischen Partnern im Gespräch", hieß es. "Denkbar wäre logistische Hilfe durch strategischen Lufttransport, das heißt, französische Truppen von Frankreich in ein Nachbarland der Zentralafrikanischen Republik zu fliegen."

Dafür soll nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A310 zur Verfügung gestellt werden, das von Eindhoven aus operieren würde. Es hat Platz für rund 200 Personen. Kabinett oder Bundestag müssten einem solchen Einsatz nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht zustimmen.

Frankreich hatte nach der Billigung durch den UN-Sicherheitsrat einen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik begonnen. Der Einsatz, der die Gewalt von Milizen gegen die Zivilbevölkerung beenden soll, habe mit Patrouillen in der Hauptstadt Bangui begonnen, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dem Radiosender RFI. Augenzeugen in dem Krisenland bestätigten die Operation.

Erst am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat einer Ausweitung des Militäreinsatzes in der Krisenregion zugestimmt. Die 15 Mitglieder des Gremiums sprachen sich in New York dafür aus, dass französische Truppen Einsatzkräfte der Afrikanischen Union in dem Land unterstützen sollen. Die Resolution zielt auf den Schutz der Bevölkerung und die Wiederherstellung der Stabilität in dem Land. Zuvor waren bereits etwa 650 Soldaten im Land. Das am Donnerstag verabschiedete UN-Mandat umfasst insgesamt 1200 französische Soldaten.

Die Europäische Union stellt für die multilaterale Militärmission zusätzlich 50 Millionen Euro zur Verfügung. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, dies sei "eine konkrete Art und Weise, auf die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft und der Afrikaner einzugehen". Zugleich lobte er das französische Engagement: Paris übernehme eine große Verantwortung, "die wir als Europäer alle unterstützen sollten".

Heftige Kämpfe nach Putsch

Zuvor hatte es in der Hauptstadt Bangui heftige Kämpfe gegeben. In mehreren Stadtvierteln waren Schüsse und Detonationen zu hören. Ein hochrangiger Offizier der Truppen der Afrikanischen Union in Zentralafrika (MISCA) sagte, es handele sich um Auseinandersetzungen zwischen Kämpfern des früheren muslimischen Rebellenbündnisses Séléka, die inzwischen teilweise in die offiziellen Sicherheitskräfte eingegliedert wurden, und regierungsfeindlichen Milizen.

Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von fast 80 Toten. Mehr als 50 Leichen waren in einer Moschee aufgereiht. Sie wiesen Wunden von Stich- und Schusswaffen auf, weitere 25 Tote lagen in umliegenden Straßen. Die BBC berichtete unter Berufung auf UN-Mitarbeiter von 100 Toten.

Das Kinderhilfswerk Unicef warnte, dass bereits 2,3 Millionen Kinder in der Region von dem Konflikt betroffen seien. 80 Prozent aller Grundschulen seien geschlossen und viele Kinder hätten bereits seit Ende 2012 keinen Unterricht mehr besucht. Mindestens 3500 Kinder würden von bewaffneten Gruppen als Soldaten eingesetzt, "aber es könnten sogar bis zu 6000 sein", hieß es in einer Mitteilung. Zudem würden der Organisation immer wieder Fälle von Vergewaltigungen an kleinen Mädchen gemeldet. "Es darf jetzt nicht mehr gezögert werden", sagte Unicef-Direktor Anthony Lake. "Es gibt keine Entschuldigung mehr, wenn wir jetzt dabei versagen, die Kinder und Familien in Zentralafrika zu schützen."

In der Zentralafrikanischen Republik herrschen Chaos und Gewalt, seit das vorwiegend muslimische Rebellenbündnis Séléka im März Staatschef François Bozizé stürzte. Immer wieder kommt es zu Gewalt. Übergangspräsident Michel Djotodia löste Séléka später auf, die Gewalt hält aber an. Die frühere Kolonialmacht Frankreich hatte daher einen Resolutionsentwurf für einen internationalen Militäreinsatz in den UN-Sicherheitsrat eingebracht.