China wollte sich als Land der friedlichen Olympischen Spiele präsentieren. Doch die Bilder der Gewalt aus Lhasa haben diesen Plan durchkreuzt.
Chinas Polit-Dramaturgie hatte eine andere Botschaft an die Welt vorgesehen: Nach dem Ende des Volkskongresses sollte sich die Aufmerksamkeit auf Xi Jinpin richten, den neuen Vizepräsidenten des Landes, ein wichtiges Gesicht aus der nächsten Führungsgeneration. Xi ist mit der Aufsicht für die Olympischen Spiele beauftragt, die für China alles andere als nur einen sportlichen Wettbewerb darstellen.
Eine Aufnahme aus einem staatlichen TV-Sender: Chinesische Sicherheitskräfte zerren einen tibetischen Jungen über eine Straße in Lhasa (© Foto: AFP)
Anzeige
"Eine Welt, ein Traum", heißt das Motto der Spiele, und das Organisationskomitee hat eine kleine Philosophie um das chinesische Wörtchen "tongyi" konstruiert, was so viel wie "eins" oder "Einheit" bedeutet. Tongyi unterstreiche, dass "die gesamte Menschheit auf der selben Welt wohne und nach den selben Träumen und Idealen strebe", wie es die Olympia-Organisatoren formulieren.
Allerdings: Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen dem chinesischen Politikmarketing und der Realität. In immer kürzeren Abständen wird China daran erinnert, dass es einen neuen Status genießt in der Welt, seitdem das Land mit Wachstumsraten von mehr als acht Prozent den sanften Pfad zur global agierenden Großmacht eingeschlagen hat.
Peking spürt internationalen Druck
"Offenbar ist die Führung noch nicht so weit, dass sie sich als volles Mitglieder der internationalen Gemeinschaft einbringen will - und wir sind darüber erstaunt", sagt James Mann vom Center for Strategic and International Studies in Washington, einer der besten China-Kenner der westlichen Welt. "Sie wollen einfach nicht erkennen, dass irgendjemand außerhalb des Landes betroffen ist."
Außerhalb der chinesischen Grenzen aber nimmt keiner mehr Rücksicht auf diese Befindlichkeit. James Mann sah die Vorboten diesen unsanften Erweckungserlebnisses bereits im vergangenen Jahr kommen, als sich weltweit ein Sturm der Entrüstung über die schlechten Sicherheitsstandards bei chinesischem Spielzeug erhob. "Das war eine neue Erfahrung, dass es internationale Standards gibt, dass wir Erwartungen an sie haben", sagt er.
Von den Spielzeugen bis Tibet, von der Energiepolitik bis Darfur - China spürt den Druck der internationalen Gemeinschaft, und verstrickt sich immer wieder in einem klassischen Widerspruch: Der außenpolitische Anspruch steht im Gegensatz zur inneren Unfreiheit. Die Einheits-Rhetorik für die Spiele passt nicht zu den Bildern, die in einem Wettlauf um die Informationshoheit aus Lhasa in die Welt gelangten.
Dabei kann sich Peking durchaus großer Rücksichtnahme etwa von Washington erfreuen. Die neue Macht macht auch ein Stück weit unangreifbar. China ist als ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat umschmeichelt, sein Veto zum Beispiel gegen eine neue Iran-Resolution muss verhindert werden - und sei es, indem der Westen schlicht ignoriert, dass Peking gute Geschäfte auf den Öl- und Gasfeldern Irans macht. Gerade haben die USA China von der Liste der zehn größten Unrechtsregime genommen. Pekings stillschweigende Unterstützung für den Sudan oder Zimbabwe wird nur hinter verschlossenen Türen thematisiert.
Die Kritik sucht sich dann allerdings andere Kanäle: US-Regisseur Steven Spielberg, der an der Inszenierung der Sommerspiele mitwirken sollte, geriet wegen der Tibet-Politik derart unter Beschuss Hollywoods, dass er sein Engagement kündigte. Begründung: China unterstütze den Völkermord in Darfur.
Der Aufstand in Tibet wird die internationale Aufmerksamkeit wach halten. In zwei Wochen wird in Taiwan gewählt, und selbst wenn der große Showdown über die Unabhängigkeit der Insel vor den Spielen nicht stattfindet - das Thema wird nicht verschwinden. Auch der Aufstand in Tibet, so meint James Mann, wird eine Episode bleiben. China hatte über Jahrhunderte mit starker Hand das Reich zentral zusammengehalten - auch diesmal gebe es keine Indizien, dass die Einheit ernsthaft bedroht sei.
Der Aufstand erinnere aber daran, "dass das gegenwärtige System ein Garant für Instabilität" sei. "Im Interesse für Stabilität und wirtschaftliches Wachstum sollten die Regierungen des Westens China klar machen, dass es sein Ein-Parteien-System reformieren muss." Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Chinas Turbo-Kapitalismus ungebremst weiter wachsen wird - das politische System aber starr bleibt.
- Gewalt in chinesischer Provinz Ausländische NGOs müssen das Land verlassen 16.03.2008
- Unruhen in Tibet China blockiert YouTube wegen Tibet-Videos 16.03.2008
- Gewalt in Tibet China ruft zum "Volkskrieg" auf 16.03.2008
- Gewalt in Tibet Diskussion um Boykott von Olympia 17.03.2008
- Gewalt in Tibet Dalai Lama wirft China "Völkermord" in Tibet vor 16.03.2008
(SZ vom 17. März 2008)
Zum 30. Todestag von Romy Schneider
Die Frage, ob in einem Unrechtsregime, wie es China nach wie vor in sehr weiten Teilen ist (anders übrigens als es etwa in Ihrem heutigen Dresden der Fall ist), sich entladender Zorn "berechtigt" ist, geht in´s philosophische.
Gegenfrage: Gehen Sie davon aus, daß Chinas Diktatoren grundlegende Menschenrechte einhalten, da man sie freundlich darum bittet?
Die Frage ist natürlich rhetorisch - China WURDE darum gebeten, auch mehr als einmal, und schert sich nicht darum.
Jeder, der Augen im Kopf hat sieht das Ausmaß, in dem sich eine faschistoide Gesinnung in Chinas Politik ihren Weg bahnt.
Ich werde mich mit Ihnen nicht auf eine Debatte auf dem Niveau einlassen, ob "ja" "ja" ist oder "nein" "nein" usw..
Mir ist klar, daß es immer wieder Personen geben wird, die alles zu verdrehen trachten, und sei es einer der wohl vielen tausend Agenten, die China weltweit am Start hat, und die sich sicherlich nicht die Blöße geben werden, mit so etwas wie einer persönlichen Meinung erwischt zu werden. A.Hauss: Kennen Sie "Gleichschaltung", wissen Sie, was das ist? Vielleicht finden Sie sie ja sogar gut.
Menschen können Druck ausüben, und versuchen, Kritiker mundtot zu machen. Aber diese Personen werden es nie schaffen, aus einem Unrecht ein Recht zu machen.
Denn jeder Einzelne auf diesem Planeten hat das Zeug dazu, zwischen beidem zu unterscheiden, wird das, früher oder später, auch tun.
Ihr tolles China (das Sie in Punkto Rechtsstaat ja mit Deutschland vergleichen) nicht vor Jahrzehnten, sondern im Jahre 2006 (September):
Unbewaffnete Tibeter, die die Grenze nach Indien erreichen wollen, werden durch Schüsse von hinten durch chinesische Soldaten ermordet.
http://de.youtube.com/watch?v=BkMcj4vQtRU
Es gibt in China wunderbare Menschen, und das Land hat eine reiche Geschichte.
Doch gegenwärtig wird dieses Land von einer barbarischen Regierung vertreten, die sich nicht an hohen, sondern an sehr primitiven "Idealen" zu orientieren scheint.
.. Sie halten sich fein bdeckt in der Frage, ob es sich um " berechtigten Volkszorn" handele. Es schwingt dennoch mit. Denn auch Ihre unterscheidung zwischen China hier und chinesische Menschen dort träht nicht. Die Ziselierung wird von den Verbrechern offenbar nicht getragen. Zudem ist das China, das Kulturgüter zerstörte, ein China von vor 40 jahren - und es wurden wahrlich nicht nur lamaistische Tempel zerstört. In ganz China gingen in der "Kulturrevolition" unschätzbare Werte zu Bruch. Samt menschen drumrum.
Die zeiten sind aber Jahrzehnte vorbei. Wenn heute mal ein Kloster von einem Straßenneubau berührt sein sollte, ist das nichts anderes als ein Problem, was wir mit jedem denkmalgeschützten haus oder einem Brückenbau in Dresden auch haben.
Wer derzeit zerstört, ist weder "China" noch die harmlosen Händler. Sondern verbrecher. Ferngesteuert von einem Menschen, der "Gottkönig" sein soll, von einem SS-Mann erzogen und der CIA gesponsort und von Merkel wertgeschätzt wird
Volksaufstand der Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft, der blutig niedergeschlagen wird. Tausende Tibeter kommen ums Leben und der Dalai Lama flieht nach Indien. Es folgen ihm seitdem Hunderttausende ins Exil. Nach der Niederschlagung des Aufstandes, setzt Peking die "demokratischen Reformen" in ganz Tibet durch, in deren Verlauf bis zum Beginn der Kulturrevolution 1966 über 90% der Klöster, Tempel und Kulturdenkmäler zerstört wurden. Fakten.
China mit mehr als einer Milliarde potentieller Kunden. Da rührt sich natürlich auch die Wirtschaft, die entsprechend Einfluss nimmt, damit ihre Interessen keinesfalls gefährdet werden. "Menschenrechte" oder "Tibet" bei Gesprächen zwischen westlichen und chinesischen Politikern? Wohl kaum.
China hat nie einen "wirksamen Gebietstitel" über Tibet erworben. Tibet wurde überfallen.
*Weder in Deutschland, noch in einem anderen Land der Welt spielt die Tibet-Frage im politischen Alltag eine bedeutende Rolle. Kein Staat hat den Dalai Lama bislang als politisches Oberhaupt der Regierung Tibets im Exil empfangen. Wenn sich Staats- und Regierungschefs mit dem Dalai Lama treffen, werden die Gespräche entweder als privat deklariert, oder er wird als religiöses Oberhaupt empfangen. Darüber hinaus unterstützt kein Staat das Recht des tibetischen Volkes auf politische Selbstbestimmung, das auch die Option der Unabhängigkeit beinhaltet*.
Ein vergessenes Volk. So wird die Welt immer "ärmer".
Für mich ist, was Sie schreiben schlichtweg Schwarz-Weiss-Malerei.
Selbst ein einfacher Gootesdienst verlangt Organisation und Geld (für das Haus, in dem er stattfindet, Heizung, Infomaterial, Gesangbücher etc.).
Die Kirchen unterhielten früher wie heute zudem zahlreiche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Armenspeisung etc.. Wußten Sie, daß wer hier in Deutschland "zu lange krank ist", von seiner Krankenkasse "gefeuert" werden kann?
-In vielen Fällen übernimmt dann die Kirche (z.B. Innere Mission).
Wie sollen Ihrer Meinung nach Geistliche ihren Job tun ohne Geld?
Tagsüber arbeiten gehen in der Fabrik, abends nebenher "statt Fernsehen" noch a bisserl was für die Gemeinde tun? Grotesk.
Ich sage nicht, daß es nicht Misstritte und Verfehlungen auch bei Glaubensvertretern geben kann, gegeben hat, und gibt.
Doch dies stellt das Prinzip sinnvoller Organisation nicht in Frage, sondern es bestätigt und bestärkt es vielmehr!
Paging