Gewalt in Ägypten Soldat stirbt bei Ausschreitungen in Kairo

Demonstranten versuchten, vor das Verteidigungsministerium zu ziehen und forderten den Chef des regierenden Militärrates zum Rücktritt auf. Mit Steinen griffen sie Soldaten an, die reagierten mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken. Traurige Bilanz: Mehr als 350 Verletze und ein toter Soldat.

Drei Wochen vor der ersten freien Präsidentschaftswahl in Ägypten ist bei erneuten Ausschreitungen in Kairo ein Soldat getötet worden. Mehr als 370 Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, 170 Verdächtige seien festgenommen worden. In Kairo und in Alexandria hatten im Lauf des Tages Tausende gegen die Machtausübung durch das Militär demonstriert. Der Sender al-Arabija berichtete unter Berufung auf Krankenhausmitarbeiter von zwei Todesopfern.

Demonstranten werfen in der Nähe des Verteidigungsministeriums in Kairo mit Steinen auf Soldaten.

(Foto: REUTERS)

Die Demonstranten hatten am Freitag versucht, vor das Verteidigungsministerium zu ziehen und den Chef des regierenden Militärrates, Hussein Tantawi, zum Rücktritt aufgefordert. Sie griffen Soldaten, die das Ministerium absicherten, mit Steinen an. Die Armee ging mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

Das Militär verhängte um die umliegenden Kairoer Stadtteile eine nächtliche Ausgangssperre. Es regiert das Land seit dem Sturz des autokratischen Präsidenten Hosni Mubarak, hat aber einen Übergang zur Demokratie angekündigt. Vielen Ägyptern dauert der Prozess allerdings zu lange.

Aktivisten und Parteimitglieder aus verschiedenen politischen Lagern hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Sie forderten eine rasche Machtübergabe der Militärs an eine zivile Regierung und die Entlassung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri. Auch die Muslimbrüder, die im ägyptischen Parlament die größte Fraktion bilden, beteiligten sich an dem Protest.

Unter den Demonstranten waren auch viele radikal-islamische Salafisten, die den Ausschluss ihres Kandidaten von der Wahl beklagen. Am Mittwoch waren bei einem Angriff auf eine Kundgebung von Islamisten in der Nähe des Verteidigungsministeriums elf Menschen getötet worden.

Auch auf dem zentralen Tahrir-Platz fand am Freitag eine Demonstration gegen das Militär und gegen die von ihm eingesetzte Übergangsregierung statt, die aber friedlich blieb.

Die Ägypter sollen am 23. Mai einen Nachfolger für Mubarak wählen, der inzwischen in Kairo vor Gericht steht. Der Militärrat hatte nach seinem Abgang die Machtbefugnisse des Präsidenten übernommen. Er hat versprochen, sich nach der Präsidentenwahl aus der Politik zurückzuziehen.