Gespannte Beziehungen zwischen Iran und dem Westen Berlin holt Botschafter zurück - London weist iranische Diplomaten aus

Der Westen erhöht den Druck auf Iran: Großbritannien verweist iranische Diplomaten des Landes und reagiert damit auf den Angriff auf seine Botschaft in Teheran. Deutschland ruft seinen Abgesandten nach Berlin zurück. Weitere Reaktionen sollen folgen. Doch Iran begegnet Sanktionen bislang nicht mit Einsicht, sondern mit Härte. Wieso die sich gerade gegen die Briten richtet und wie es jetzt weitergeht:

Wichtige Fragen und Antworten. Von Michael König

Die Queen wird auf den Kopf gestellt und über den Zaun der britischen Botschaft in Teheran gereicht. Iranische Studenten halten das Porträt der Königin wie eine Trophäe in Foto- und Fernsehkameras, sie verbrennen die britische Flagge. Scheiben gehen zu Bruch, die Mitarbeiter fliehen durch den Hinterausgang. Die Erstürmung der britischen Botschaft in der iranischen Hauptstadt am Dienstag löst internationale Empörung aus. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Teheran und dem Westen werden auf eine neue Probe gestellt. Wichtige Fragen und Antworten zu den Hintergründen der Tat.

Wogegen richtet sich der iranische Protest?

Iranischen Medien zufolge ging der Erstürmung der Botschaft eine Demonstration zum Gedenken an den Atomwissenschaftler Majid Shahriari voraus. Die iranische Regierung macht für seinen Tod vor einem Jahr den Westen verantwortlich. Israelische, britische und amerikanische Geheimdienste hätten ihn ermordet, heißt es in staatlichen Medien. Viele der Studenten, die für den Sturm auf die Botschaft am Dienstag verantwortlich gemacht werden, hätten Fotos von Shahriari dabei gehabt, berichtet etwa die iranische Nachrichtenagentur Fars.

Der englischsprachige staatliche Fernsehsender Press TV, der nur im Ausland zu empfangen ist, berichtet dagegen von einer Protestaktion von Studenten verschiedener Universitäten, die eine härte Gangart Irans gegen Großbritannien eingefordert hätten. "Iranische Studenten reißen britische Fahne herunter", titelt der iranische Sender auf seiner Website.

Tatsächlich war die Aktion wohl dramatischer. Fotos ausländischer Journalisten zeigen, wie eine aufgebrachte Menge in der Botschaft Fensterscheiben zerstört, Dokumente und Souvenirs entwendet (neben dem Porträt der Queen offenbar auch ein Pulp-Fiction-Filmplakat) sowie britische und amerikanische Flaggen verbrennt. Medienberichten zufolge dauerte die Besatzung zwei Stunden. Die Mitarbeiter der Botschaft seien geflohen.

Auch eine Wohnanlage britischer und anderer ausländischer Diplomaten im Norden Teherans ist am Dienstag Ziel eines Angriffs geworden. Dort befindet sich unter anderem die Deutsche Botschaftsschule. Diese wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes "in Mitleidenschaft gezogen". Am Abend sollen die Demonstranten ein zweites Mal in die britische Botschaft eingedrungen sein und Dokumente verbrannt haben.

Unabhängigen Beobachtern zufolge steht der Gewaltausbruch vor allem in Verbindung zu den Sanktionen des Westens gegen das Regime in Teheran. Nachdem die Atomenergiebehörde IAEA Anfang November festgestellt hatte, dass Iran zumindest bis 2010 an einer Atombombe gearbeitet hat, rufen viele Nationen nach einem härteren Vorgehen gegen die Islamische Republik. Die britische Regierung hat am 21. November Iran jeglichen Zugang zum Finanzplatz London abgeschnitten, um Teheran die finanziellen Mittel für das Atomprogramm zu entziehen. Iran reagierte mit der Herabstufung der diplomatischen Beziehungen zu London.

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