Deutschland Geburtenrückgang bei Akademikerinnen gestoppt

Die These ist Allgemeingut: Frauen mit Hochschulabschluss bekommen wenig Kinder. Doch eine neue Studie gibt es jetzt Hoffnung. Demnach schieben Akademikerinnen ihren Kinderwunsch zwar immer weiter auf, die Zahl der Nachkommen sinkt aber nicht mehr.

Sie galten als das auffälligste Symptom des Demografieproblems in Deutschland: Kinderlose Akademikerinnen, die sich lieber um ihre Karriere als um Nachwuchs kümmern. Doch der Abwärtstrend bei der Geburtenrate ist gestoppt: Akademikerinnen bekommen wieder mehr Kinder, wie eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt.

Akademikerinnen im Westen, die vor zwei Jahrzehnten 34 Jahre alt waren, erwarteten im Schnitt in ihrem Leben 1,49 Kinder. Damit verglichen ist die jüngst errechnete Rate niedrig. Doch weitaus tiefer lag sie mit 1,24 Kindern noch im Jahr 2005. Wird diese Zahl gegen den Wert aus dem vergangenen Jahr gestellt, ist eine klare Entspannung zu erkennen. Diesen Trend gibt es seit einigen Jahren.

Weil er sich auch in den jüngsten Werten zeigte, folgerte Studienautor Martin Bujard, der Geburtenrückgang sei nun gestoppt. Ob die Geburtenrate nachhaltig ansteigt, bleibe aber abzuwarten, ergänzte er.

Der Wert für die 34-Jährigen ist eine künstliche Annahme der Statistiker. Sie gehen dabei davon aus, dass Frauen in diesem Alter ihre akademische Ausbildung in der Regel abgeschlossen haben. Der Wert fasst zusammen, wie viele Kinder die Frauen in diesem Alter schon geboren haben und wie viele sie rechnerisch noch bekommen werden.

In Ostdeutschland ist die Kinderlosigkeit unter anderem wegen des meist besseren Angebots an Ganztagsschulen und Horten schwächer ausgeprägt. Darum werden die Werte für Ost und West in der Statistik getrennt ausgewiesen und ergeben zusammengerechnet wenig Sinn. Im Osten ist die Zahl der Kinder pro Jahr im Vergleich der Jahre 2000 und 2010 mit knapp über 1,5 relativ konstant geblieben. Für das Jahr 2011 ergab sich sogar ein Anstieg auf 1,61 Kinder.

Im Osten waren im vergangenen Jahr nur 21,7 Prozent aller Frauen im Alter von 40 Jahren mit Hochschulausbildung kinderlos, im Westen waren es dagegen 31,5 Prozent. Doch der Anteil der kinderlosen Akademikerinnen im Westen ist seit dem Jahr 2000 zurückgegangen: Damals lag der Wert noch bei 34,5 Prozent.

Ein Phänomen, dem die Forscher besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben, ist die von ihnen so bezeichnete "Recuperation". Dieser Begriff bezeichnet das Aufschieben des Kinderwunsches. Wegen langer Ausbildungszeiten bekommen gerade Frauen mit einem hohen Bildungsabschluss immer später Nachwuchs. Sie schieben die Geburt nach hinten, zum Teil bis hinter das 40. Jahresjahr. Diesen Trend gibt es laut der Studie in allen Industrieländern.

Der Studie zufolge gab es in den Jahren zwischen 2000 und 2010 einen deutlichen Rückgang der Geburten bei den Akademikerinnen unter 34 Jahren, der allerdings von einer Zunahme der Geburten bei den über 34-Jährigen wettgemacht wurde.

Nicht nur zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen sich interessante Trends, auch innerhalb einzelner Berufsgruppen gibt es bemerkenswerte Veränderungen, die die Forscher auf der Basis des vom Statistischen Bundesamt aufgelegten Mikrozensus errechnet haben: So bekamen 2009 Landwirtinnen mit einer Rate von 2,17 die meisten Kinder, während Geschäftsführerinnen mit nur 1,01 Kindern am Ende der Skala standen. Im Vergleich zum Jahr 1973, als die Chefinnen im Durchschnitt noch 1,79 KInder bekamen, ist die Zahl der Kinder dramatisch zurückgegangen. Bei den Bankkauffrauen dagegen ist die Kinderzahl gestiegen, von 1,03 im Jahr 1973 auf 1,24 im Jahr 2009.

Anmerkung: Die Nachrichtenagentur dapd hatte gemeldet, Studienleiter Martin Bujard habe gesagt, dass der "Turnaround" bei den Geburten geschafft sei. Dies war auch in einer früheren Fassung dieser Meldung zu lesen. Diese Aussage hat Bujard aber ausdrücklich nicht getroffen. Richtig ist vielmehr, dass abzuwarten bleibt, ob die Geburtenrate nachhaltig ansteigt, wie es nun auch korrekt in der Meldung heißt.