G-8-Gipfel in L'Aquila Klimaschutz in weiter Ferne

Die mächtigsten Staats- und Regierungschefs haben endlich ein gemeinsames Bekenntnis zum Klimaschutz formuliert. Das ist ein Durchbruch. Doch klammheimlich haben sich die Industrieländer von ihren konkreten Zielen verabschiedet.

Ein Kommentar von Cerstin Gammelin, L'Aquila

Die mächtigsten Staats- und Regierungschefs haben endlich ein gemeinsames Bekenntnis zum Klimaschutz formuliert. Das mag banal klingen, denn schließlich einigten sie sich lediglich darauf, einer Empfehlung zu folgen, die von unabhängigen Wissenschaftlern im Auftrag der UN erarbeitet worden war.

Mit ihren Berechnungen hatten die Wissenschaftler herausgefunden, dass es auf dem Planeten zu verheerenden Fluten, Dürren und Stürmen kommen wird, sollte die Temperatur der Erde bis 2100 um mehr als zwei Grad steigen. Sie empfehlen, alles zu tun, um dies zu verhindern.

Genau dies versprechen nun Inder, Chinesen, Brasilianer, Südafrikaner, Japaner, Russen, Kanadier, Europäer und US-Amerikaner - und zwar erstmals gemeinsam. Es ist deshalb legitim, von einem Durchbruch bei den seit Jahren vor sich hindümpelnden internationalen Klimaverhandlungen zu sprechen. Bisher sperrten sich nicht nur Schwellen- und Entwicklungsländer dagegen. Auch die USA erkannten erst in der vergangenen Woche die UN-Empfehlung an.

In L'Aquila sind die mächtigen Staaten dieser Welt tatsächlich ihrem Ziel einen Schritt nähergekommen, am Ende dieses Jahres in Kopenhagen einen neuen Völkervertrag zum Klimaschutz zu unterzeichnen.

Anders als das bisher gültige Kyoto-Protokoll muss dieses Abkommen allerdings für alle Staaten verbindlich und drastisch festschreiben, wie die klimaschädlichen Emissionen reduziert werden sollen, um die Erderwärmung wirklich zu stoppen. Aber genau daran fehlt es mehr denn je.

Und das ist die schlechte Nachricht aus dem italienischen Tagungsort der G8. Klammheimlich haben sich die Industrieländer von ihren mittelfristigen Zielen verabschiedet - die ebenfalls auf einer Empfehlung der UN-Wissenschaftler basierten. Die reichen Länder, so regten die Forscher an, sollten bis 2020 ihre klimaschädlichen Emissionen um 25 bis 40 Prozent senken.

Die Staaten der Europäischen Union hatten sich bisher als weltweit einzige Industrieländer verpflichtet, dieser Empfehlung zu folgen. Doch nun pocht auch die Union nicht mehr auf diese Ziele. Stattdessen folgt sie dem amerikanischen Vorschlag, sich erst 2050 zur konkreten Umsetzung des Zwei-Grad-Bekenntnisses zu verpflichten. Bis dahin sind es mehr als 40 Jahre.

Das Konkrete zu verschieben, ist in mehrfacher Hinsicht ein fatales Signal. Es nimmt den Druck von den eigenen Industrien, die Produktion effizienter und vor allem grüner zu gestalten. Die Entwicklungs- und Schwellenländer werden weiterhin die schwache Führungsrolle der Industriestaaten bemängeln.

Sie werden wohl kaum ihre eigene Industrie zum Klimaschutz verpflichten, solange es die reichen Länder nicht tun. Auch haben die Reichen ihr Versprechen, die ärmeren Ländern finanziell beim Klimaschutz zu unterstützen, wieder einmal nicht mit konkreten Zahlen unterlegt. Ein Bekenntnis allein reicht aber nicht zum Umsteuern.

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