Offene Kritik an der französischen Abschiebepraxis: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung fordert die EU-Kommission Frankreich auf, seine Gesetze zügig europäischem Recht anzupassen.
Die Europäische Kommission kritisiert unerwartet offen die französische Abschiebepraxis und fordert rechtliche Nachbesserungen. Das geht aus der internen Analyse "Die Situation der Roma in Frankreich und Europa" von Justizkommissarin Viviane Reding hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Anzeige
Der Analyse zufolge weicht die französische Gesetzgebung, die den Abschiebungen zugrunde liegt, in einigen Punkten deutlich von geltendem EU-Recht ab. Die EU-Kommission erwarte, dass die Regierung in Paris zügig ihre Gesetze anpasse, sagte ein hoher Beamter der Süddeutschen Zeitung.
Reding stellte das Papier am Mittwochabend auf der ersten Sitzung der Kommission nach der Sommerpause vor. "Die Kommission erwartet von der französischen Regierung detaillierte Informationen darüber, ob und in welchem Umfang die praktizierten Maßnahmen mit der in ganz Europa geltenden Freizügigkeit vereinbar sind", schreibt Reding. Sie benötige "vollständige Aufklärung" darüber, inwieweit die Roma tatsächlich freiwillig das Land verlassen würden, wie die Regierung in Paris erkläre. "Die Zahlung eine Pauschale reicht nicht aus, um zu sagen, dass die Ausreise nicht unter geltendes EU-Recht fällt."
Die Regierung in Paris zahlt Roma, die abgeschoben werden, sogenannte "Rückkehrhilfen" und deklariert das dann als freiwillige Ausreise. Jeder Erwachsene bekommt 300 Euro, jedes Kind 100 Euro.
Die Kritik ist vor allem so brisant, weil sie einen Tag nach dem als "Aufklärungsbesuch" deklarierten Treffen des französischen Einwanderungsministers Eric Besson und des Europa-Staatssekretärs Pierre Lellouche mit den zuständigen EU-Kommissaren kommt. Trotz des mehrstündigen Gesprächs, an dem auch drei rumänische Minister teilnahmen, zweifeln die Brüsseler Beamten weiter daran, dass die von der französischen Regierung praktizierte Abschiebung von Roma mit EU-Recht vereinbar ist.
Reding unterstreicht in ihrem Papier, dass auch Roma in vollem Umfang das Recht haben, in jedes Mitgliedsland ihrer Wahl zurückzukehren. "Es gibt für EU-Bürger grundsätzlich keine Sperren", schreibt die Kommissarin. Nur solche Bürger, die nachweislich gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstießen, könnten mit einem Einreiseverbot belegt werden.
Die von der französischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen seien nur dann mit EU-Grundrechten sowie den Rechten auf Diskriminierungsfreiheit und Freizügigkeit vereinbar, wenn jede einzelne Ausweisung individuell geprüft und schriftlich festgehalten werde. Zudem müsse jeder Person ein Monat Zeit gegeben werden, das Land zu verlassen.
Bereits für Ende dieser Woche hat die EU-Kommission französische Regierungsvertreter erneut zu einem Treffen eingeladen. Die Kommission stehe bereit, um zwischen Auswanderungs- und Einwanderungsländern zu vermitteln, heißt es in dem Papier.
Reding räumt ein, dass der Roma-Konflikt nicht nur Frankreich betreffe. Auch andere Ländern praktizierten fragwürdige Abschiebungen. Sie kritisierte, dass das von der EU bereitgestellte Geld zu Integration der Roma von einigen Ländern kaum genutzt werde. Während Ungarn und Rumänien die Mittel abriefen, um Schulbesuche und Ausbildung zu finanzieren, beanspruchten Bulgarien und Tschechien nur einen Teil. Die Justizkommissarin regte an, zügig eine Task-Force zu gründen, um die Integration der Roma zu begleiten.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Debatte über Roma in Frankreich Szenen der Verbitterung 02.09.2010
- Frankreich schiebt Roma ab Die Flieger starten weiter 26.08.2010
- Roma in Europa Ein Volk mit vielen Facetten 02.09.2010
- Frankreich will Rückkehr der Roma verhindern Heute hier, morgen dort 20.08.2010
- Rumänien: Abgeschobene Roma angekommen 20.08.2010
- Frankreich: Roma-Abschiebung Das schwächste Glied 19.08.2010
(SZ vom 02.09.2010/wolf)
ICE-Strecke
Völlig klar, dass Deutschland für den Beitritt gestimmt hat, das taten aber auch die meisten EU-Länder, und die EU muss sich ganz genau an ihre Richtlinien halten - sie wird nämlich auch vom Europäischen Gerichtshof überwacht.
Und mal ganz abgesehen davon: Bulgarien und Rumänien sind Mitglieder der EU, und das wird sich auch nicht ändern. Also ist es doch müßig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie nicht hätten beitreten dürfen - es stehen noch andere Länder in der "Warteschleife", Mitglied zu werden, die gewiss auch nicht zu den reichen Ländern gehören, falls es solche überhaupt noch gibt!
sehr lange entscheidungsprozesse, die sind eben auch sehr teuer und natürlich waren es nicht Schröder und Fischer alleine, aber wenn Sie sich einmal erinnern, wie sie seinerzeit die Werbetrommelgerührt haben und wieviel Gegener es Anfangs gab, dürften gute Worte alleine nicht reichen, oder glauben Sie wirklich das man sich rein an die Richtlinien hält, dann möchte ich nicht wissen was Sie sonst noch glauben.
Denn Nehmen ist eben seeliger denn Geben, amen.
"die Entscheidungswege, die sie da aufzählen sind doch nur für die dummen Bürger,"
Lesen Sie doch in den EU-Richtlinien nach, wie EU-Erweiterungen in die Wege geleitet werden! Und würden Sie die EU-Bürokratie kennen, dann wüssten Sie, dass es sich dabei um sehr lange Entscheidungsverfahren handeln, auf die kein EU-Mitglied allein Einfluss nehmen kann.
www.EU.com !!!
die Entscheidungswege, die sie da aufzählen sind doch nur für die dummen Bürger, wer wirklich entscheidet, das hat man doch seit den 90er Jahren gesehen, die Korrumpel aus der Wirtschaft, mit ihren gekauften Politikern, eben Gaz-Gerd und Siemens Fischer. Die haben dann mit mir unerfindlichen Mitteln (...) schon für dike nötigen undemokratischen weil auch unsozialen Mehrheiten gesorgt. Danach wurden in den Führenetagen ein paar Flaschenentkorkt und alles war Friede Freude Eierkuchen.
Wie lange brauchen die Menschen, um wieder in Frankreich zu landen? Wenige Tage und das Spiel beginnt von vorne. Dieses Mal ohne Ausreisegeld. Dabei hat Frankreich wirklich Einrichtungen, die Sinti und Roma vor Ort vertreten, Ansiedlungen anbahnen sollen und Landfahrern legale Plätze (in Gemeinden ab 5000 E.) anbieten. Das Problem sind die Illegalen. Davon gibt es Zehntausende in Europa. Gerade im Sommer rollen Roma aus den Benelux-Ländern, Skandinavien, aus dem Süden durch die Lande. Die meisten in Europa sind jedoch sesshaft (!), gerade in Deutschland. Weit mehr belastend jedoch die Travellers, Tinkers, Pavees, irische, brit., belgische, niederl. Landfahrer, die dubiose Geschäfte machen, Minderwertiges verkaufen und über Luxusequipments, nicht nur im KFZ-Bereich verfügen. Diese Handwerker fallen teilweise zu Hunderten ein. Sie bezahlen zwar die städtische Zeche, aber nicht immer die private, entziehen sich Kontrollen, praktizieren Trickverkäufe etc. pp. Im Prinzip mehrere Hundertschaften Betrüger, die genauso spurlos von der Oberfläche verschwinden, wie sie auftauchen. Vor einigen Wochen in Saarbrücken und Kaiserslautern sind mal gute 1000 (eigene Angaben: 3000) angerollt. Auch von Paris rausgeworfen, aber da EU-Staatsbürger (!) eben nur mal an die Grenze gebracht. Sehen aus wie amerik. GIs, eine angelsächsische Urlaubsgesellschaft ...
Mehr bei http://viereggtext.blogspot.com/2010/08/brandaktuell-paris-wirft-3000-iren-raus.html
Paging