Flüchtlingsdrama Tod vor Samos

Mit diesem Boot sollen die Flüchtlinge nach Samos gestartet sein.

(Foto: Michael Svarnias/AP)

Nahe der Ägäis-Insel ertrinken mindestens 25 Menschen, als ihr Boot nach der Abfahrt in der Türkei kentert. Zehn konnten gerettet werden.

Bei einem neuen Bootsunglück vor den griechischen Inseln in der Ägäis sind mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen, darunter zehn Kinder. Zehn Flüchtlinge seien gerettet worden, nachdem das Boot auf dem Weg von der türkischen Küste zur Insel Samos gekentert sei, teilte die griechische Küstenwache am Donnerstag mit. Mindesten elf Menschen werden noch vermisst. Schiffe der Küstenwache und der EU-Grenzschutzagentur Frontex suchten nach ihnen.

Bei den zehn getöteten Kindern handelt es sich den Angaben zufolge um fünf Jungen und fünf Mädchen. Die geretteten Flüchtlinge standen alle unter Schock und wurden auf Samos ins Krankenhaus gebracht. Trotz Winterwetter begeben sich jede Woche Tausende Menschen auf die gefährliche Überfahrt in Richtung Europäische Union. Die EU-Kommission warf in einem Bericht am Mittwoch der griechischen Regierung vor, ihrer Pflicht zum Schutz der EU-Außengrenzen nicht nachgekommen zu sein. Nach Angaben der UN-Migrationsorganisation Iom kamen seit Beginn des Jahres mehr als 45 000 Flüchtlinge nach Griechenland, 200 Menschen verloren auf dem Weg ihr Leben oder gelten als vermisst. Das sind weit mehr Tote als im Januar vergangenen Jahres, als 77 Menschen im Mittelmeer umkamen.

Bei dem jüngsten Unglück sollen bis zu 45 Menschen an Bord des Unglücksbootes gewesen sein, das nahe der türkischen Küste gekentert sein soll. "Ein Mann, der bis ans Ufer schwimmen konnte, sprach von 40 bis 45 Menschen an Bord", sagte ein Mitarbeiter der Küstenwache. "Wir haben zehn gerettet, elf werden noch vermisst." Das Boot war offenbar schon am Mittwochabend untergegangen.

Ebenfalls am Mittwoch kamen sieben Flüchtlinge beim Untergang ihres Bootes vor der Insel Kos um, unter den Toten sind auch zwei Kinder. Am Freitag vergangener Woche starben 45 Flüchtlinge als ihr Boot bei der Insel Kalimnos unterging. Insgesamt sind im vergangenen Jahr mehr als 600 000 Menschen von der Türkei nach Griechenland gekommen, um von dort nach West- und Nordeuropa zu gelangen.

Die Bundespolizei See soll die griechische Küstenwache auf Samos unterstützen. Der dreimonatige Einsatz im Rahmen von Frontex werde am 1. März beginnen, teilte die Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt mit.