Flüchtlinge in Sachsen Tillich nennt Provokateure von Bautzen und Clausnitz "Verbrecher"

Brennendes Flüchtlingsheim in Bautzen: Nach fremdenfeindlichen Vorfällen zeigt sich Sachsens Politik entsetzt.

(Foto: dpa)
  • Nach fremdenfeindlichen Vorfällen in Bautzen und Clausnitz geißelt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Attacken.
  • "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher", sagte der CDU-Politiker.

Landespolitiker zeigen sich angesichts von Attacken sächsischer Bürger auf Asylsuchende entsetzt. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) verurteilte die versuchte Blockade einer Asylunterkunft in Clausnitz und offenkundige Schadenfreude über den Brand einer Flüchtlingsunterkunft in Bautzen als "widerlich und abscheulich".

"Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher", sagte Tillich den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Das besudelt das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben, und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens", sagte der Ministerpräsident weiter. Er versprach konsequente Ermittlungen und, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

In der Nacht zu Sonntag hatte in Bautzen eine für Flüchtlinge vorgesehene Unterkunft gebrannt. Dabei handelte es sich um ein Gebäude, das zuletzt als Hotel genutzt wurde. Die Löscharbeiten wurden der Polizei zufolge von schadenfreudigen Kommentaren Schaulustiger sowie Applaus und fremdenfeindlichen Äußerungen begleitet. Einzelne sollen zudem versucht haben, die Arbeit der Feuerwehr zu behindern.

Feuer in Bautzen: Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Eine geplante Asylunterkunft in Bautzen brennt lichterloh - und Schaulustige jubeln. Jetzt haben die Ermittler erste Erkenntnisse. mehr ...

Entsetzen auch über Vorfälle in Clausnitz

Bereits am Donnerstag hatte es im mittelsächsischen Clausnitz fremdenfeindliche Ausschreitungen gegeben. Dort hatten etwa 100 Menschen versucht, den Einzug von Flüchtlingen in eine neue Unterkunft zu blockieren. Vor dem Flüchtlingsbus skandierten sie "Wir sind das Volk", den bekannten Slogan bei den Demonstrationen gegen das SED-Regime 1989.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) nannte es "zutiefst beschämend, wie hier mit Menschen umgegangen wird". Ulbig erklärte, anstatt sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, werde mit plumpen Parolen der Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern blockiert. "Das kann ich nur verurteilen", erklärte der Innenminister.

Als beschämend bezeichnete den Vorfall auch der Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Henning Homann. "Das Einschüchtern von Kindern, Frauen und Männern ist absolut inakzeptabel", sagte der SPD-Politiker. Zugleich verwies er darauf, dass offenbar Neonazis ein Video der Blockade auf Facebook veröffentlicht hatten. "Wer auf solch eine Tat auch noch stolz ist, dem fehlt es an Moral und Anstand", sagte Homann.

Polizei gibt Flüchtlingen Mitschuld an Mob-Stimmung

Die Asylsuchenden sollen in Clausnitz mit Gesten aus dem Bus heraus Demonstranten provoziert haben. Der Polizeipräsident verteidigt seine Kollegen. Von Antonie Rietzschel mehr ...