Finanzkrise in Griechenland Suizid eines Rentners löst Krawalle in Athen aus

Ein griechischer Rentner sah angesichts seiner Schulden keinen anderen Ausweg - und erschoss sich aus Verzweiflung. In Athen kam es daraufhin zu Ausschreitungen. Mehrere Menschen warfen Brandsätze auf Polizisten und gaben dem Staat die Schuld am Tod des Mannes.

Nach der Selbsttötung eines überschuldeten Rentners in Athen ist es in der griechischen Hauptstadt zu Protesten und Krawallen gekommen. Auf dem zentralen Syntagma-Platz vor dem Parlament versammelten sich am Mittwochabend mehrere Tausend Menschen.

Einige riefen in Sprechchören, es habe sich nicht um einen Freitod, sondern um einen "vom Staat verübten Mord" gehandelt. Etwa ein Dutzend Personen warf Brandsätze auf Polizisten, die ihrerseits Tränengas einsetzten.

Der 77-jährige hatte sich während des morgendlichen Berufsverkehrs selbst umgebracht. Augenzeugen zufolge habe der Mann vor seinem Tod gerufen: "Ich habe Schulden, ich halte das nicht mehr aus!" Der Syntagma-Platz gegenüber dem griechischen Parlament war der Polizei zufolge voller Menschen. Bei der Leiche sei ein handschriftlicher Abschiedsbrief gefunden worden, in dem der Mann seine Selbsttötung mit der Schuldenkrise begründe.

"Es ist tragisch, dass einer unserer Bürger sich das Leben genommen hat", erklärte Regierungschef Lukas Papadimos. "In diesen schwierigen Momenten für unsere Gesellschaft, Regierung und Bürger müssen wir Menschen unterstützen, die in Not sind." Antonis Samaras, der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia, sagte, die Politik müsse mehr tun, um den Griechen zu helfen, "der Verzweiflung zu entkommen".

Noch ist die Identität des Mannes unklar. Griechische Medien aber berichteten, es habe sich bei dem Mann um einen pensionierten Apotheker gehandelt. Er hinterlässt Frau und Tochter. Viele Menschen legten Blumen und handgeschriebene Briefe an der Stelle nieder, an der der Mann starb. Auf einem Brief sei zu lesen: "Genug ist genug!", auf einem anderen: "Wer wird das nächste Opfer sein?"

In dem Abschiedsbrief habe der Mann geschrieben, dass die Regierung es ihm unmöglich mache, von seiner Rente zu leben, nachdem er 35 Jahre für sie eingezahlt habe. "Ich sehe keine andere Lösung als ein würdiges Ende, bevor ich den Müll nach Lebensmitteln zu durchsuchen beginne", soll es Medienberichten zufolge in dem Abschiedsbrief geheißen haben. Die Polizei bestätigte dies nicht.

Wegen der schweren Wirtschaftskrise sind Selbsttötungen in den vergangenen beiden Jahren in Griechenland um 40 Prozent angestiegen. Im Zuge der Wirtschaftskrise hatte die Regierung drastische Sparmaßnahmen verabschiedet. Erst Ende Februar hatte das Parlament weitere Einschnitte in Höhe von 3,2 Milliarden Euro abgesegnet, darunter Kürzungen im Gesundheitssystem. Die Maßnahmen gelten als Voraussetzungen für weitere Milliarden-Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds.