Deutschland wartet vergeblich auf den harmonischen Dreiklang. Nach einem Jahr schwarz-gelber Koalition ist klar: Diese Mischung aus Dilettantismus, offenem Streit und Klientelpolitik ist kein Anfängerfehler, sondern zentrales Merkmal der Regierung.
An diesem Donnerstag wird die christlich-liberale Regierung zwölf Monate im Amt sein. In Berlin finden deshalb gleich mehrere Pressekonferenzen und Präsentationen mit ebenso hübschen wie heiteren Titeln statt: "Ein Jahr unter neuer Führung - eine Erfolgsbilanz" lautet eine der Überschriften, "Deutschland auf Erfolgskurs" eine andere.
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Ein Jahr schwarz-gelbe Koalition: Guido Westerwelle (FDP), Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) bekommen den harmonischen Dreiklang einfach nicht hin. (© dapd)
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Um sicher zu gehen, dass die frohe Botschaft auch tatsächlich flächendeckend verbreitet wird, wandten sich einige besonders eifrige Kabinettsmitglied auch direkt an Zeitungsredaktionen oder Fernsehsender: Finanzminister Wolfgang Schäuble ließ auf diesem Wege wissen, dass er sich kaum an eine Regierung erinnern könne, die in so kurzer Zeit so viel Gutes bewirkt habe wie die amtierende Koalition. Und Vizekanzler Guido Westerwelle verkündete, der Republik gehe es - Schwarz-Gelb sei Dank - heute besser als vor einem Jahr.
Viele Hoteliers und auch der ein oder andere Chemie-Boss werden da mit dem Kopf genickt haben. Manch anderem jedoch dürfte das Lachen im Halse stecken geblieben sein ob dieses eigentümlichen schwarz-gelben Humors. Nach Amtsantritt der neuen Koalition hatte das Gros der Bürger deren Wirken noch mit ungläubigem Staunen begleitet.
Mittlerweile aber hat sich der Verdacht erhärtet, dass die Mischung aus Dilettantismus, offenem Streit und Klientelpolitik, die Union und FDP beinahe täglich zur Schau stellen, womöglich weniger ein Startproblem als das zentrale Charakteristikum dieser Regierung darstellen könnte.
Wie anders lässt sich die Haushaltsentscheidung interpretieren, die die Spitzen der Koalition am Sonntagabend getroffen haben? Der seit Monaten angekündigte Abbau von Ökosteuersubventionen für energieintensive Firmen wird demnach weitgehend gestoppt - dafür steigt die Tabaksteuer. Man könnte meinen, das sei ein kluger Beschluss, denn die angeblich bevorstehenden Massenentlassungen in den betroffenen Betrieben werden nun nicht stattfinden, und zugleich trifft es mit den Rauchern ja nicht die Falschen.
Lässt man aber die immer gleichen Drohgebärden der Wirtschaftsverbände und die scheinheiligen Gesundheitsargumente der Tabaksteueranheber einmal außen vor, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus: CDU, CSU und FDP, die Parteien des Subventionsabbaus und der einfachen, niedrigen und gerechten Steuertarife, zementieren die allgemeine Subventionitis im Lande und erhöhen die Verbrauchssteuern. Es ist das Gegenteil dessen, was sie in den letzten Jahrzehnten in unzählige Wahlprogramme hineingeschrieben haben.
Und doch, man hätte es kommen sehen können: Denn das Geschenk an Gießereien, Aluminiumwerke und Chemiekonzerne erinnert fatal an die Steuersenkung für Hoteliers von Anfang 2010, als Union und FDP schon einmal einer einzelnen Branche auf Kosten der Allgemeinheit Privilegien zuschusterten.
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Protest gegen dritte Startbahn
trägt sicherlich sehr zum schlechten Ansehen der Koalition bei. Er hat noch nicht begriffen, dass er auf der Regierungsbank und nicht in der Opposition sitzt.
Fehler hat die Regierung sicherlich auch zu Hauf gemacht. Unüberlegte Äusserungen, Weiterfortschreibung von Hartz IV., die missglückte Bankenrettung ( denn geändert hat sich nur, dass sog. Boni noch höher geworden sind), missratene "Gesundheitsreform", die ihren Namen nicht verdient uvm.
Allerdings manches wäre besser, wenn die CSU die Regierung verlässt und auf den Oppostionsbänken Platz nimmt.
der Pressekonferenzen und Präsentationen totaler Unfug sind, ist das sich Verlassen auf die unverdiente Mehrheit ein fataler Trugschluß.
Diese Mehrheit ist von gestern und hat sich längst aufgelöst und das nicht in Wohlgefallen sondern in immer größeren Unmut.
Das was da an Titeln angeboten wird, verdient seinen richtigen Namen: Es sind ganz einfach die üblichen Durchhalteparolen für die Passagiere eines untergehenden
Schiffes. Die Kapelle spielt noch, aber die "Titanic"sinkt.
Es gab da diese Werbung für das Land der Ideen, das wohl Deutschland heißt. Es gibt sie auch, diese Ideen. Sie kommen dummerweise auch in der Politik vor und haben dort ein gutes Leben. Während nämlich in der Wirtschaft die guten Ideen oft davon bedroht sind daß man sie kaputtnörgelt überleben in der Politik gerade die dümmsten Ideen und obwohl darüber genörgelt wird, werden sie auch noch umgesetzt. Solange Poitiker so etwas auch noch als Erfolge verkaufen können, läuft etwas falsch in der Demokratie.
"Die Regierenden haben für Kritik taube Ohren und verlassen sich auf die unverdiente Mehrheit"
Moment mal, das ist jetzt aber nur teilweise richtig. Vieles, dass diese schwarz-gelben Nieten gemacht haben, entspricht exakt dem, was sie vorher gesagt haben (Stichwort Atomausstieg-Ausstieg + Hoteliers-Steuerprivileg). Das meiste weitere musste jedem normal denkenden Menschen eigentlich klar sein (Steuererhöhungen, Sozialkürzungen, Gesundheit wird teurer).
Na klar haben die vor der Wahl frech gelogen! Insofern auch unverdient... Andererseits, ein Wahlvolk, dass sich SO dumm anstellt und auf solche schon damals offensichtlich falschen Versprechen reinfällt, von Leuten die schon letztes Mal gelogen haben (2 Prozentpunkte Mehrwertsteuer, nicht 3! Gell Frau Merkel?) das hat es auch nicht anders verdient...
Mir tun nur die leid, die vorher schon vor genau dieser Regierung und den zu erwartenden Grausamkeiten gewarnt haben. Vorher als Spinner abgetan, und heute?
..Hulverscheidt bringt es auf den Punkt. Klientelismus und Dilettantismus sind prägend für diese Chaos-Koalition.
Ist ja alles total richtig, vor allem die Bemerkung, daß es nicht schlecht läuft TROTZ dieser Regierung und NICHT WEGEN. Aber solange in Umfragen die CDU immer noch 31 bis 34 Prozent bekommt und solange die Leute immer noch Frau Merkel in Umfragen für gut halten, hat das deutsche Volk leider keine bessere Regierung verdient.
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