Dresden Was passiert in Dresden?

Die letztjährige Konferenz fand im österreichischen Telfs statt. Dieses Jahr treffen sich die Experten und Entscheider nicht ganz so abgeschieden wie sonst üblich, nämlich im Luxushotel Taschenbergpalais in der Dresdner Altstadt.

Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Die Stadt hat ein Versammlungsverbot rund um den Tagungsort verhängt. Für Drohnen und andere Flugobjekte wurde eine Sperrzone eingerichtet. Die Mischung der Demonstranten steht der illustren Gästeliste in nichts nach: Die "Rote Fahne/Antifaschistische Aktion", die rechtsextreme NPD, AfD, Pegida und zahlreiche Parteien, Gruppen und Einzelpersonen haben knapp zwei Dutzend Protestkundgebungen gegen die Dresdner Konferenz angekündigt.

Nach Angaben der Bilderberg-Veranstalter stehen Themen wie internationale Sicherheit, Arbeitsmarktpolitik, Finanz- und Handelsfragen oder der Umweltschutz im Fokus der Diskussion. Und sehr viel detaillierter werden die Informationen auch nach Veröffentlichung der Tagesordnungspunkte nicht. Zumindest für die Außenwelt.

Warum die ganzen Verschwörungstheorien?

Die Geheimhaltung in Kombination mit einem Aufgebot an mächtigen Teilnehmern befeuert Gerüchte über die Bilderberg-Konferenz. Nicht unbedingt verwunderlich, denn die ganze Aufmachung und Struktur des Treffens wirkt so, als stamme sie aus der Feder von "Illuminati"-Autor Dan Brown.

"Je weniger über bestimmte Ereignisse kommuniziert wird oder Informationen darüber vorliegen, desto mehr neigen die Menschen dazu, anzunehmen, dass es da um irgendetwas Geheimes geht, was sie nicht wissen sollen", sagt Eva Kimminich der Deutschen Presse-Agentur. Die 59-jährige Professorin lehrt Kulturwissenschaften an der Universität Potsdam und beschäftigt sich mit dem Entstehen von Verschwörungstheorien, die derzeit Konjunktur haben.

"Den Bilderbergern wird unterstellt, dass sie die Weltherrschaft antreten wollen. Und das geht natürlich gegen ein völkisch-nationales Bild, das gerade die rechten Gruppierungen vertreten, die ja auch der US-Regierung vorwerfen, die Weltregierung übernehmen zu wollen", sagt Kimminich.

Was Teilnehmer der Konferenz zu den Vorwürfen sagen

"Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern", sagt Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberger. Dass es sich bei den Konferenzteilnehmern um eine Machtelite handelt, sei nicht relevant. "Es ist kein Parlament, keine operative Organisation." Schließlich würden auch keine Entscheidungen getroffen. "Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?"

Einer, der schon mal dabei war und aus seiner Partei dafür auch Schelte bezog, ist Jürgen Trittin. 2012 war er Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. "Von der Diskussionskultur ist das eigentlich mit jeder Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Konrad-Adenauer-Stiftung oder der Münchner Sicherheitskonferenz zu vergleichen", sagt er. Und in der Verschwiegenheitsklausel kann der Alt-Grüne durchaus auch Positives erkennen. "Denn es macht Sinn, gelegentlich mal in einem solchen Rahmen zu reden."

Auch bei anderen internationalen Konferenzen gebe es solche Gespräche. "Es wird dort genauso viel oder eher weniger Weltpolitik gemacht als bei der Münchner Sicherheitskonferenz oder beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos und mit Sicherheit weniger Weltpolitik gemacht als beim G-20-Treffen der Staats- und Regierungschefs", sagt Trittin. Die Mythenbildung könne mit der Entstehung der Konferenz zusammenhängen. "Bilderberg hat seine Tradition schon aus der Zeit des Kalten Krieges." Die Konferenz-Lenker hätten auch viel selbst dazu beigetragen, "weil sie lange Zeit doch noch viel abgeschlossener als heute miteinander getagt haben".

Abgesehen davon: Auch die Mächtigen aus Europa und Nordamerika sind sich oft genug uneins. Und das ganz öffentlich. Dass sich mehr als hundert Machtmenschen an drei Tagen im Jahr darauf einigen, wie man die ganze Welt regiert? Unwahrscheinlich.

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur

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