Von Thorsten Denkler, Berlin

Wie Bundespräsident Horst Köhler es geschafft hat, eine junge Tradition in drei Anläufen in Grund und Boden zu reden.

Vielleicht war das alles nur ein großes Missverständnis zwischen Horst Köhler und dem Rest der Welt. Zumindest was die Anforderung angeht, dass die Waffe des Bundespräsidenten das Wort sei. Seine Herausfordererin Gesine Schwan hat in diesem Zusammenhang von "kultureller Macht" gesprochen - bei Köhler jedoch handelt es sich wohl eher um ein kulturelles Mächtchen.

Horst Köhler - Bilder seines Lebens. (© Foto: AP)

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An diesem Dienstag muss er wieder ran - "Berliner Rede". Diesmal spricht er in der Elisabethkirche über Wirtschaft. Mit Ökonomie, vor allem mit Finanzwirtschaft, kennt er sich aus. Er war Beamter im Finanzministerium, Sparkassenpräsident und Direktor des Internationalen Währungsfonds. Die Nachrichtenagenturen fabulierten in ihren Ankündigungen bereits, das Wort des Bundespräsidenten habe hier Gewicht. Gemach: Die Erfahrungen mit seinen vergangenen Reden haben gezeigt, dass man die Erwartungen besser weit genug hinunterschraubt.

Seit Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1997 die Tradition der "Berliner Rede" begründete, hat jedes Staatsoberhaupt einmal im Jahr die Gelegenheit, Grundsätzliches zur Lage in Deutschland zu sagen. Herzog hat es mit dem vieldebattierten "Ruck" versucht und es bei diesem Rede-Ruck belassen. Erst Johannes Rau machte aus der "Berliner Rede" eine Tradition des Bundespräsidenten; fünf Berliner Reden hat er gehalten. Und immer ging es um Versöhnung, das Lebensthema von Rau.

Was das Lebensthema von Horst Köhler ist, wird sich vermutlich auch nach seiner Hauptstadtrede 2009 nicht offenbaren. So richtig weiß auch nach bald fünf präsidialen Jahren immer noch keiner, was dieser Präsident eigentlich will.

Schon die Orte, die sich Köhler für seine Reden ausgesucht hat, erscheinen in der Nachschau beliebig. Passend war gerade noch, dass er an einer Neuköllner Hauptschule über Bildung sprach. Mehr als eine Zustandsbeschreibung des maroden Bildungssystem vermochte Köhler aber auch dort nicht zu liefern. Ideen, wie es besser werden könnte, hatte er nicht zu bieten.

Das zieht sich durch alle späteren Reden: Köhler versucht, so konkret wie möglich ein Thema zu fassen. Dann vergisst er, dass es nicht seine Aufgabe als Bundespräsident ist, Regierungserklärungen abzugeben. Und wenn er sich dann erinnert, dann endet er meist mit unverbindlichen Sonntagsredenforderungen wie "Bildung für alle", der Überschrift seiner ersten Berliner Rede.

Seine zweite Rede hielt er im "Radialsystem IV", in einem zu einer Veranstaltungshalle umgebauten ehemaligen Pumpwerk. Interessanter Ort, aber mit der Rede hatte er nichts zu tun. Hier war sein Thema die Globalisierung - kurz gesagt. Köhler überschrieb, leicht esoterisch, sein rhetorisches Werk mit: "Das Streben der Menschheit nach Glück verändert die Welt."

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