Typische Reflexe: Während in Norwegen eine Nation versucht, eine besonnene Antwort auf die Anschläge zu finden, fordern deutsche Unionspolitiker mehr Überwachung, die SPD bringt ein NPD-Verbot ins Spiel. Und aus Brüssel droht Ärger wegen der Vorratsdatenspeicherung.
Ausgerechnet Norwegen, das sich für seine liberale Gesellschaft rühmt, entfacht die Debatte um eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze in Deutschland: Während man in Oslo noch versucht, eine Antwort auf die Anschläge zu finden, fordern deutsche Unionspolitiker die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung. Und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erneuerte ihre Forderung nach einem NPD-Verbot.
Bild vergrößern
Blumen gegen den Terror: Zu Hunderttausenden sind die Menschen in Norwegen auf die Straße gegangen - um an die Opfer der Anschläge zu erinnern und auch um ihren Durchhaltewillen zu zeigen. (© AFP)
Anzeige
Am Freitag war zunächst im Osloer Regierungsviertel eine Bombe explodiert, kurze Zeit später eröffnete der mutmaßliche Attentäter Anders Behring Breivik das Feuer in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya. Mindestens 76 Menschen starben bei den beiden Anschlägen. Breivik hatte im Vorfeld der Attacken im Internet ein 1500-Seiten starkes Manifest veröffentlicht, in dem er antiislamische Blogger zu Wort kommen lässt - angeblich soll er das Werk auch an deutsche Neonazis, darunter auch einem Ortsverband der NPD geschickt haben.
Die NPD ließ entsprechende Meldungen zwar umgehend dementieren. Auch der Verfassungsschutz konnte bislang keine Verbindungen vom norwegischen Attentäter zu deutschen Rechtsextremisten herstellen - und doch haben die Anschläge zu typischen Reflexen in der Politik geführt.
Zum Beispiel bei Unionspolitikern: Die fordern eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung. Dem erteilt SPD-Generalsekretärin Nahles zwar eine Absage. Sie halte nichts davon, nach den Anschlägen von Norwegen hektisch die Gesetze zu verschärfen, erklärte Nahles. Allerdings forderte sie ein härteres Vorgehen gegen Rechtsextremismus in Deutschland. "Wir müssten mehr Polizeibeamte einstellen, die die rechtsradikale Szene im Internet beobachten können", sagte Nahles der Koblenzer Rhein-Zeitung.
Außerdem forderte Nahles die Innenminister der Länder auf, "die Voraussetzungen für ein NPD-Verbot zu schaffen". Das verhindere zwar keinen Anschlag, trockne aber die finanziellen Ressourcen der Rechten aus. Vor dem Hintergrund der Anschläge auf norwegische Sozialdemokraten müsse sich die SPD auch für ihre Camps in Deutschland stärker mit Sicherheitsfragen beschäftigen.
Unterstützung bezüglich der Vorratsdatenspeicherung kommt für die Union nun aus Brüssel: Auch EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström befürwortet eine Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung. Die Brüsseler Kommission überarbeitet derzeit die geltende EU-Richtlinie für die Datenspeicherung.
"Nicht die Tragödie ausnutzen"
"Auf Vorrat gespeicherte Daten werden zunehmend wichtiger bei der Bekämpfung von Cyber- und Internetkriminalität", heißt es in einem Schreiben der EU-Kommissarin an die FDP-Bundestagsfraktion, aus dem die Neue Osnabrücker Zeitung zitiert. Auch zur Verfolgung "besonders schwerer Verbrechen" würden die Daten eingesetzt, schrieb Malmström. Den FDP-Ansatz eines Einfrierens von Telefon- und Internetverkehrsdate ("Quick Freeze"), in konkreten Verdachtsfällen hält sie für unzureichend.
Ebenso wie SPD-Politikerin Nahles kritisierte die Grünen-Parteivorsitzende Claudia Roth die erneute Rechtfertigung der Vorratsdatenspeicherung: "Die Union sollte die Tragödie nicht ausnutzen, um Effekthascherei für eine alte Forderung zu betreiben", sagte Roth der Frankfurter Rundschau. Solche Vorschläge "erwecken den falschen Eindruck, dass die Vorratsdatenspeicherung diese schreckliche Tat hätte verhindern können". Roth forderte die Bundesregierung zugleich zu einem stärkeren Engagement gegen Rechtsextremismus auf.
Auf Kritik stößt die Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung auch bei den Liberalen: Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP) nannte die Forderungen nach Vorratsdatenspeicherung und einer Datei für auffällige Internetnutzer "unverantwortlichen Populismus". Die Anschläge in Norwegen seien die erschütternde Tat eines offenbar verwirrten Einzelgängers, sagte Martens der Leipziger Volkszeitung. Ob und wie man den mutmaßlichen Attentäter von seinen Schreckenstaten hätte abhalten können, ließe sich derzeit noch nicht einmal ansatzweise beantworten.
Nach Ansicht des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) hilft die Vorratsdatenspeicherung bei Einzeltätern wenig. Man könne Taten wie jetzt in Norwegen auch in Deutschland nie ganz ausschließen, sagte Herrmann im Bayerischen Rundfunk. "Die Vorratsdatenspeicherung ist notwendig und sinnvoll, sie ist aber vor allem dann sinnvoll, wenn wir Netzwerken auf die Spur kommen wollen."
Der Vizechef der Europäischen Christdemokraten im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), forderte als Reaktion auf die Ereignisse in Norwegen eine europäische Offensive gegen politische Extremisten im Internet. "Extremistische Webseiten müssen europaweit gebannt werden", sagte der CSU-Politiker der Rheinischen Post. Bisher gebe es nur entsprechende Verabredungen zwischen den EU-Staaten in Bezug auf islamistische Internetseiten, um eine Anwerbung von Terroristen im Netz zu verhindern, sagte Weber. Die Attentate von Oslo zeigten jedoch, dass künftig auch gegen Terrorgefahren aus der eigenen Gesellschaft schärfer vorgegangen werden müsse.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Anschläge in Norwegen RSS
- Anschläge in Norwegen Die Elite der Destruktion 26.07.2011
- Anschläge in Norwegen Breivik spricht von "weiteren Zellen im Ausland" 26.07.2011
- Anschläge in Norwegen Attentäter Breivik plädiert auf "nicht schuldig" 25.07.2011
- Anschläge in Norwegen Wie virtueller Hass zu echtem Terror wird 26.07.2011
- Anschläge in Norwegen "Das war nicht der letzte Fall" 26.07.2011
- Debatte: Anschläge in Norwegen Stoltenberg fordert mehr Nachdenklichkeit 01.08.2011
- Norwegen: Das Leid der Helfer "Als würde ich in ein Loch fallen" 03.08.2011
(sueddeutsche.de/dpa/dapd/hai)
Wer hätte gedacht , das sowas dort passiert. Ich selbst, kann es nicht verstehen, wo es doch bei uns viele Leute gibt, die in das gelobte Land auswanderten. Meiner Ansicht nach kann es nur an dem psychisch kranken Mann gelegen haben.
Aber grosse Schuld haben diese Killerspiele. Denn es war schon immer so. Jeder Mensch ist das "Produkt" seiner Umgebung. Das ist und war ein einsamer Mensch, ist meine Meinung. Hier hat die "Gemeinschaft" versagt. Ausserdem sollten sich die "Gelehrten und Regierenden" einmal selbst hinter fragen. Wie können sie jetzt diesen Mann vor Gericht stellen? Da müssten sie auch alle NATO-Soldaten doch wegen derselben Verbrechen anklagen? Oder ist das nicht dasselbe, wenn man Bomben oder Granaten auf völlig fremde Leute abwirft? Wo ist da der Unterschied? Ist ihr Land etwa von Lybiern bzw. Gaddafi oder Bin Laden angegriffen worden? Wer ist denn schon ein amerikanischer Präsident? Nicht das Gleiche wie "Hitler" und seine Gehilfen es waren. Warum wird diesen Personen oder Gehilfen nicht der Prozess in Den Haag gemacht? Das sind doch die grössten Übeltäter, meiner Meinung nach. Auch die Kirchen beteiligen sich daran. Denn ein wirklich gläubiger Mensch wäre zu solchen Taten nicht fähig. Ein K.K.Kämpfer kann kein Christ sein. Das kann nur ein teuflischer.
gestern angekündigt, heute schon Thema. Die Killerspiele, war sowas von klar, das musste auch kommen.
Daß ungefähr 10 Mio Menschen in Europa täglich Killerspiele spielen und nicht Amok laufen ist uninteressant.
Verbieten wir doch Milch, ich bin sicher der durchgeknallte Norweger hat auch schon mal Milch getrunken, da muß es doch einen Zusammenhang geben.
es ist wirklich der ddr -isierung zu schulden:
das eigene staatssystem "ex-demokratie" wird dadurch legitimiert, dass man das wirklich demokratische system norwegen als "liberal" tituliert- und damit ausserhalb der demokratie stellt- bzw. nun die" verdiente auswirkung" ihres systems am einen leib spüren zu müssen. alles wird propaganda, auf unserem weg zur totalitären eu-diktatur amerikanischer diktion. wir sind die wirklichen verlierer, während das norwegische volk an stärke gewinnen wird. weil es weiss, eine demokratie funktioniert nur durch das bilden einer starken gemeinschaft- und nicht durch das "fernhalten" des volkes und die befriedigung von künstlich erzeugtem sicherheitsbedürfnis. das konnte die mauer besser.
Man bringt nach diesem schrecklichen Attentat ein Verbot der NPD wieder auf den Plan. Nur was bringt es ? Nicht viel meine ich,warum gibt es die NPD ueberhaupt noch das sollte die Frage sein. Selbst wenn ein Verbot dieser Partei ausgesprochen wird was dann ? Die gruenden eine neue Partei und die anderen Parteien sind dann beruhigt und froh,selten so gelacht. Aber zurueck wer sich die Politik im allgemeinen und im besonderen in der Kommunalpolitik ansieht der stellt fest, dass gerade die Parteien die nach einem Verbot rufen,die jenigen sind, die durch Kommunale Fehlplanungen und Geldverschwendung immer wieder auffallen. Die beste Medizin gegen solche Parteuien wie NPD und andere ist eine saubere Politik und Klarheit in den Entscheidungen,dann haben diese Leute kaum die Chancse ueber die 5% Huerde zu kommen. Nur davon sind wir so weit entfernt wie die Reise zum Mond.
Immer wenn etwas passiert ist kommen die selbsternannten Sicherheitsexperten aus ihren Löchern gekrochen und führen sich auf wie Kinder im Spielzeugladen: Mag das ham, und das, und das auch noch!
Zwar kann man mit nichts von dem das Problem lösen, aber man bleibt wenigstens im Gespräch. Und wenn es kracht, kann man der allgemeinen Aufmerksamkeit sicher sein. Das scheint mir der gleiche Geist zu sein, der auch die Täter treibt.
Paging