Symbolismus wird Chinas Politik nicht verändern, wohl aber gezielte Stiche gegen die Führung.
In der Beziehung zu einem Staat gibt es, anders als in der Beziehung zwischen Menschen, nur wenige Gefühle, dafür umso mehr Interessen. In der Beziehung zu China ist das Interesse der westlichen Welt inzwischen komplex und dennoch simpel: China ist ein großer Markt, eine bedeutende politische Macht und ein Riesenreich mit gewaltigen Unfreiheiten und inneren Problemen.
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Weltweit gab es Proteste gegen die chinesische Regierung - hier in der Schweiz. (© Foto: AP)
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Das Interesse ist, die Wirtschaftskraft zu nutzen, die Macht zu zähmen und die inneren Verhältnisse zu beeinflussen, auf dass sie immer kompatibler werden mit den eigenen Werten und Interessen. Wer nun also einen Boykott der Olympischen Spiele fordert, der muss prüfen, ob er damit diese Interessen befördert, oder ob er lediglich zulässt, dass sich Emotionen entladen und am Ende alles verpufft.
Boykotte wirken unterschiedlich, je nachdem, gegen wen sie angewandt werden. Wer das afrikanische Zimbabwe boykottiert und dessen Diktator Robert Mugabe, der wird erfolgreicher sein als wenn er das geopolitisch bedeutendere Land Iran isoliert. Und wer China boykottiert, der muss einen Wust von widerläufigen Interessen ausbalancieren und in Kauf nehmen, dass seine Wut wirkungslos abprallt. Das ist die frustrierende, aber realistische Analyse für den Umgang mit der UN-Vetomacht China. Größe macht stark und unangreifbar.
Größe beschert aber auch Verantwortung, und Chinas Führung ist erpicht darauf, als verantwortungsbewusste Großmacht das Konzert der Völker mitzudirigieren. Dieses chinesische Interesse ist ebenso simpel zu erklären: Das Land braucht seine Exportmärkte, und es braucht noch viel mehr die Hilfe der technologisierten Welt, um seine inneren Probleme zu bewältigen. China ist noch lange nicht in einer Situation, wo es die diplomatische Zweibahnstraße verlassen kann. Im Gegenteil: Das Geschäft von Geben und Nehmen beginnt erst.
Generalboykott der Spiele bringt nichts
Was all das für Olympia und die Krise um Tibet bedeutet? Ein Generalboykott der Spiele bringt nichts, genauso wenig wie der Boykott in Moskau oder Los Angeles bleibende Wirkung hinterlassen hat. Aber die Spiele haben nun endlich ihr politisches Thema, und je wütender ein Regionalfunktionär in Tibet über den Kampf auf Leben und Tod faselt, desto eher tritt seine Prophezeiung ein: Chinas Führung hat ein dauerhaftes Problem, und es liegt nur an den Regierungen des Westens, dieses Problem nicht verschwinden zu lassen.
Dazu muss kein Sportler den Spielen fernbleiben. Es reicht, wenn der Dalai Lama eine neue Reise durch die Kanzlerämter dieser Welt antreten kann. Es reicht, wenn die Führung in Peking bei jedem Besuch öffentlich nach den Defiziten gefragt wird.
Es wäre gebenenfalls auch angemessen, den die Spiele begleitenden Polit-Zinnober - Eröffnungsfeiern, Ehrenloge, Präsidenten auf roten Teppichen - abzusagen. China werden diese Nadelstiche nicht behagen. Aber politische Akupunktur ist wirksamer als die Therapie mit der Keule.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 20./21.3.2008/mati)
Youtube-Hit aus USA
Boykottaufrufe hin und her...keiner wird am schluss die Olympischen Spiele boykottieren, es geht schliesslich um das viele Geld. Und wenn es um viel geld, keiner der Politiker kuemmert sich doch um eine gerechte welt...Abgesehen davon, frage ich mich, ob eines der IOC-Mitglieder ueberhaupt nicht korupt ist...
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Frostige Ostern im SZ-Forum (trotzdem allen ein frohes Osterfest), warme und offene Ostern hingegen beim anderen Forum, das jeder inzwischen kennen sollte (siehe GB)
"Mir fällt da spontan die Regierung von Israel ein, die bei erhobenen Massaker-Vorwürfen jede Untersuchung verweigert und auch mal eben der UNO den Zutritt verweigert! Aber das gehört sicher nicht zum Thema!"
Falls Sie erwartet haben, dass ich Israels Politik verteidigen würde, haben Sie sich getäuscht. Die chinesische Politik macht das aber in keinem Fall besser.
Wie weltfremd Sie sind? Natuerlich ist Brandstiftung nicht tolerierbar.
Aber wenn Ihnen das Recht auf Meinungsaeusserung und tatsaechliches Leben ihre eigenen Kultur und Sprache im eigenen Land verwehrt wird [Lhasa's tibetische Schriftsteller schreiben alle zumeist chinesisch dieser Tage] und sie jahrelange Haft mit grosszuegigen Dosen an Folter ohne medizinische Hilfe riskieren, wenn sie "zivilisiert" um eine offene Diskussion bitten sollten, dann entlaedt sich so eine hoffnungslose Situation auf solch unzivilisierte Weise.
Die Demonstrationen sind nur Ausdruck einer absolut verfehlten Tibetpolitik seitens der Chinesen. Der Druck auf die tibetischen Appartschiks in Tibet solche Demonstrationen zu unterbinden und gleichzeitig KP konform jede schwachsinnige Politik von ortsfremden Kadern ausgedacht abzusegnen ist so enorm, das keiner sich traut die tatsaechlichen Umstaende anzusprechen.
Erhoehter Druck sollte die Tibeter komplett einschuechtern vor der Olympiade, das ging nach hinten los. Die Olympische Fackel hat leider den Bakhor in Brand gesetzt. Das duerfte das Ende der Karriere des derzeitigen TAR Parteifuehrers Zhang Qingli sein, der seit 2 1/2 Jahren eisern versucht Tibet zu etntibetisieren.
Und jetzt gerade werden 50 Jahre Propaganda vom "harmonischen Zusammenleben" der " friedlich befreiten" Tibeter und Chinesen in China geopfert mit der Verteufelung der Tibeter. Aber auch das koennte schnell nach hinten losgehen. Ein paar Chinesen werden fragen, wie kann es sein das die gluecklichen Tibeter nur unzufrieden sind?
Ich vermisse bei den im Artikel vorgetragenen Argumenten ein empatisches Verständnis für die Situation der Tibeter. Große Bewegungen können doch nur durch starke Emotionen der Menschen entstehen. Eben diese Bewegungen in allen Teilen der Welt sind aber die Voraussetzung für eine erfolgreiche Unterstützung der Tibeter.
Ein - mit Verlaub - kleinkariertes Analysieren der für und wieder eines Boykotts unterstützt diesen Prozess keineswegs!
"Nennen Sie mir eine regierung dieser Welt, die Brandstiftung etc. zuläßt."
Nennen Sie mir eine andere demokratische Regierung, die bei Ausschreitungen sämtliche ausländische Journalistend es Landes verweist.
Da fallen mir eben maximal Länder wie Weißrussland ein. Und das zeigt das Problem Chinas - zentrale Menschenrechte werden nicht gewährt.
Paging