Blog für Kanzlerkandidaten Peerblog.de macht Steinbrück Ärger

Mit einem großzügig finanzierten Blog wollen anonyme Unternehmer Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Wahlkampf helfen. Doch schon kurz nachdem es online geht, macht "peerblog.de" dem SPD-Mann vor allem eines: Probleme.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Unabhängig will Karl-Heinz Steinkühler sein. Und doch hat der ehemalige Focus-Redakteur und heutige Inhaber der Agentur "steinkuehler-com.de" netterweise nachgefragt. Beim SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, ob er dessen Namen verwenden darf. Für "peerblog.de".

Steinbrück hat zugestimmt. Seit Samstag ist die Seite, die ein Unterstützer-Blog nach amerikanischem Vorbild sein will, online. "Grundlegender und länger" als ein kurzfristiger Plakate-Wahlkampf sei das, so die Versprechung. Für den Kandidaten werbend, aber nicht in dessen Auftrag. "Peer Steinbrück hat zugehört und analysiert. Er hat sein OK gegeben, dass wir seinen Namen für diesen Blog nutzen können. Abseits seiner Partei." Agentur-Chef Steinkühler präzisiert auf SZ.de-Nachfrage, es gebe "auf keiner Ebene eine Zusammenarbeit mit dem Willy-Brandt-Haus - keine Information, keine Fotos, kein Geld".

Für das Geld sorgen andere - und deshalb macht das Peerblog dem Kandidaten Steinbrück bereits mächtig Ärger: Der Spiegel berichtet, das Blog werde von fünf Unternehmern fürstlich unterstützt. Angeblich sollen sich darunter der "Gründer einer Münchener Internetfirma und ein Hamburger Kaufmann" befinden. Alle zusammen hätten einen sechsstelligen Betrag locker gemacht, um das Projekt zu finanzieren.

Wer sind die "Unternehmerpersönlichkeiten"?

Im Blog wird das so umschrieben: "Dieser Blog wird finanziert von herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland, die Peer Steinbrück, seine politische Kompetenz und seine Persönlichkeit schätzen." Ausdrücklich wollen sie offenbar die Person Steinbrück unterstützen, nicht aber die Partei SPD, der Steinbrück ja angehört. Vorbild seien auch hier die USA: "Dort spenden Unternehmer Millionen für ihre Kandidaten, weniger für die Parteien."

Solche Unterstützer-Blogs sind in den USA üblich. Auch in Deutschland gibt es politische Blogger, die mit ihren politischen Überzeugungen nicht hinterm Berg halten. Doch ein politisches PR-Blog, finanziell von unbekannten Geldgebern in Watte gepackt und von einer Agentur rundum betreut, ist hierzulande noch eher die Ausnahme.

Fehlende Transparenz sorgt im Netz traditionell für Misstrauen. Auf Twitter wird schon fleißig über peerblog.de gelästert:

Solange die "herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten" sich nicht offenbaren, bleibt von der Häme auch an Steinbrück etwas hängen. Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer sagte auf Nachfrage, dass der Blog "natürlich mit Wissen des Kandidaten eingerichtet" worden sei. Steinbrück kenne auch eine Reihe der Unterstützer. Namen nannte Donnermeyer jedoch nicht. Auch Karl-Heinz Steinkühler will auf Nachfrage keine Angaben zu den Unternehmern machen. Fragen dazu "kann ich leider nicht beantworten", teilt er SZ.de auf Nachfrage schriftlich mit. "Sie unterliegen dem Geschäftsgeheimnis zwischen Agentur und Auftraggebern." Das sei "in allen meinen Kundenbeziehungen so".

Die Motivation der Geldgeber scheint noch einigermaßen nachvollziehbar zu sein. Sie lässt sich auf die Kurzformel bringen: Steinbrück soll Kanzler werden. Die Motivation von Steinkühler bleibt da weniger durchschaubar. Der Agentur-Chef ist bereits in die Kritik geraten, weil er angeblich unter dem Pseudonym "Theobald Tiger" Enthüllungsgeschichten über die christlich-liberale Rüttgers-Regierung in Nordrhein-Westfalen auf dem SPD-nahen Blog "Wir in NRW" veröffentlicht haben soll. Seine Agentur soll nach dem Sturz von Rüttgers Dankeschön-Aufträge von der neuen rot-grünen Landesregierung bekommen haben.

"Nicht begriffen, wie es geht"

Auch im Fall peerblog.de arbeitet Steinkühler offenbar nicht ehrenamtlich. Die Geldgeber bezeichnet er auf Nachfrage von SZ.de als seine Kunden. Die Autoren dort bejubeln also Steinbrück und machen sich über Kanzlerin Angela Merkel im Namen der unbekannten Geldgeber lustig. Ob sie dabei auch ihre persönliche Meinung wiedergeben, steht somit in Zweifel. An manchen Stellen liest sich das Blog zudem, als wolle sich Steinkühler mit seiner Agentur bei politischen Akteuren um Aufträge bewerben.

Da analysiert er die schlechte Performance der deutschen Politik im Internet. Die habe bisher "nicht begriffen, wie es geht. Zwar nutzen nahezu zwei Drittel aller Bundestagsabgeordneten eine Facebook-Seite, ein Viertel der Bundesminister twittert gar täglich, aber die politischen Gestalter unter der Berliner Reichstagskuppel vernachlässigen die direkte Online-Kommunikation mit den Bürgern."

Ob es Steinkühler besser macht? Auf der Facebook-Seite des Blogs lassen sich erste kritische Bürger zu der intransparenten Finanzierung des Blogs aus. "Stimmt es, dass der Blog von fünf Unternehmen privat bezahlt wird und Herr Steinbrück keinen Cent dazugibt? Und was bekommen die fünf dafür?", fragt ein Nutzer. Ein anderer urteilt: "Einfach nur peinlich." Antworten haben beide dort bisher nicht erhalten.