Bischof Williamson "Hosen sind nichts für Frauen"

Bischof Williamsons Leugnung des Holocausts mag seine extremste Auslassung sein - seine einzige bizarre Aussage ist es sicherlich nicht.

Von W. Koydl

Konvertiten zeichnen sich durch die Stärke ihrer Überzeugungen aus, als ob sie ständig sich selbst und anderen beweisen müssten, dass ihr Schritt von einer Weltanschauung zur anderen richtig war.

Dieser Grundsatz gilt vielleicht mehr als bei anderen für Briten, welche die anglikanische Staatskirche verlassen und den Weg zum Katholizismus gefunden haben. Es muss nicht unbedingt eine derart prominente Persönlichkeit sein wie der ehemalige Premier Tony Blair, der nach seinem Ausscheiden aus dem Amt katholisch wurde.

Auch Bischof Richard Williamson, dessen antisemitische Äußerungen Auslöser für die weltweite Kritik an Papst Benedikt XVI. waren, hat einst diesen Schritt vollzogen. Geboren in eine anglikanische Familie in London, war er bereits 31 Jahre alt, als er sich - offensichtlich berührt von Erfahrungen als Lehrer in Ghana - zu Rom und dem katholischen Glauben bekannte.

Williamson ging sogar noch einen Schritt weiter. Er studierte für das Priesteramt im konservativsten Seminar, das die Kirche anzubieten hatte: Erz-Traditionalist Marcel Lefebvre begrüßte ihn 1972 als einen seiner ersten Jünger in dem erst im Vorjahr gegründeten Priesterseminar von Econe.

Heute leitet Williamson ein Priesterseminar in Argentinien; starke Überzeugungen hat sich der mittlerweile 69-jährige bewahrt. Sie reichen von Ideen zur Populär-Kultur über Gedanken zur Rolle von Frauen und Männern bis hin zu theologischen Ansichten. Doch in so gut wie allen Fällen steht Williamson weit außerhalb des Hauptstroms etablierter Meinungen - egal, wie weit man diesen Strom fasst.

Für seine Ansicht, dass der Musikfilm "Sound of Music" nichts anderes sei als "seelenzerrüttender Schund", mag er hie und da noch Unterstützung finden. Seine Überzeugung hingegen, dass Frauen nicht studieren und keine Hosen tragen sollten und Männer gerne "mannhafter" sein könnten, dürfte auf Zustimmung nur in Taliban-Zirkeln stoßen.

Darüber hinaus gibt es keine Verschwörungstheorie, und sei sie noch so absonderlich, die sich der Bischof nicht mit Inbrunst zu eigen machen würde: Papst Johannes Paul I. beispielsweise wurde "von Freimaurern im Vatikan ermordet"; hinter dem Attentat auf John F. Kennedy standen ebenso dunkle Kreise in Washington wie hinter den Angriffen auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York.

Kerosin habe nicht die zerstörerische Kraft, diese Türme zum Einsturz zu bringen, predigte er. Genauso pseudowissenschaftlich argumentierte er gegen die Existenz von Gaskammern. Am Mittwoch ließ er erklären, das sei nicht strafbar.

Williamson ist sich bewusst, dass er mit seinen Ansichten eher ins 13. als ins 21. Jahrhundert passt. Mehr noch: Er ist stolz darauf. Sein Blog heißt Dinoscopus - zu deutsch so viel wie "Weltbild eines Dinosauriers". Und als Maxime könnte ihm ein Spruch des britischen Autors Malcolm Muggeridge gelten, der zu Williamsons Vorbildern zählt: "Vergiss nicht: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom."