Bischof Mixa in Bedrängnis Wer's glaubt, wird selig

Ein Freund von Walter Mixa stellt sich als Hochstapler heraus und bringt den Augsburger Bischof in die Bredouille. Einmal mehr droht Mixa über seine eigenen moralischen Anforderungen zu stolpern.

Von Andreas Roß

Kunstexperten, von denen es im Land nicht wenige gibt, wollten ihren Augen nicht trauen. Da hat doch ausweislich einer Quittung vom 13. Januar 1995 der heutige Bischof von Augsburg, Walter Mixa, einem Freund in Rom 43.000 Mark für einen angeblichen Originalstich aus der Zeit des italienischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi bezahlt.

Aus der ganzen Republik melden sich seitdem Kunstkenner bei dieser Zeitung und weisen darauf hin, dass ein echter Piranesi aus dem 18. Jahrhundert weder damals noch heute mehr als 4500 Mark wert ist. Wo der Stich heute hängt, darüber gibt es widersprüchliche Aussagen. "Dieser Preis von 43.000 Mark ist jenseits jeglicher Realität", urteilt ein Experte.

Eine peinliche Expertise für den Augsburger Oberhirten, der sich selbst für kunstsinnig hält, sich in diesem Fall aber womöglich bereitwillig übers Ohr hauen ließ. Denn der Verkäufer des Stichs ist Rudolf Paul Koletzko, ein langjähriger Freund des Bischofs, der schon Mixas Vorvorgänger Josef Stimpfle achteinhalb Jahre als Sekretär gedient hatte, ehe er zu Beginn der achtziger Jahre plötzlich nach Rom entschwand. Um diese Personalie gab es im Bistum Augsburg schon damals viele Spekulationen.

Offiziell wurde erklärt, Bischof Stimpfle habe Koletzko nach Rom geschickt, damit er dort für das Priesteramt studieren könne. Koletzko war bis dato der erste Laie im Amt des Bischofssekretärs gewesen, und er agierte dort, wie sich Pfarrer erinnern, wie der "Generalbevollmächtigte des Bistums". Doch für ein Studium in Rom fehlte dem ehemaligen Verwaltungsangestellten aus dem schwäbischen Mering eine entscheidende Voraussetzung: das Abitur. Und so ist aus dem Priesterstudium nie etwas geworden.

Aber Koletzko verstand es geschickt, sein kirchliches Insiderwissen und seine Vernetzung in der CSU, die er sich als JU-Funktionär erworben hatte, nutzbringend in Rom anzuwenden.

Dabei ging der eloquente Schwabe nach dem Motto vor: Du musst den Leuten was vorgaukeln, dann geht auch was. Und für Koletzko ging immer mal wieder was, obwohl er keinen Beruf ausübt, sich jedoch großspurig Generalsekretär der Stiftung Rotonda Romana nennt. Einer Stiftung, die freilich eher wie ein Verein wirkt und vor allem dazu diente, CSU-Landräten und Sparkassenchefs etwas Glanz in der Heimat zu verleihen, weil ihnen Koletzko in Rom Fototermine mit dem Papst oder italienischen Politikern ermöglichte.

Drei Jahre lang ging es Koletzko gut, weil ihm der Bayerische Rundfunk monatlich 4000 Mark für "Beraterdienste" in Rom bezahlte. Den Job hatte ihm Mitte der achtziger Jahre CSU-Generalsekretär Gerold Tandler verschafft. Wie der Stern vor Jahren berichtete, hatte Koletzko als Gegenleistung für Tandler und dessen Frau eine Teilnahme an der Frühmesse von Papst Johannes Paul II. vermittelt. 1989 beendete der BR die Zusammenarbeit mit Koletzko, weil der im Namen des österreichischen Kardinals Alfons Stickler einen bösen Brief an den BR geschrieben hatte, von dem der mittlerweile gestorbene Kardinal nach eigenen Angaben nichts wusste. Ein paar Monate später hat Koletzko für einen anderen Brief die Unterschrift des hohen Kirchenmannes nach eigenen Worten einfach "abgepaust".

Zwischendurch aber hatte der frühere Bischofssekretär Geldprobleme, weshalb er vor Jahren einen Bettelbrief verschickte mit dem Hinweis, man habe ihm die Wohnung ausgeraubt. Koletzko-Kenner halten es deshalb für gut möglich, dass der hohe Kaufpreis für den Piranesi-Stich wohl mehr ein Freundschaftsdienst von Mixa für seinen langjährigen Bewunderer war. Der Bischof musste den Kunstgegenstand, der von Rudolf Paul Koletzkos Mutter stammen soll, ja nicht bezahlen. Das Geld kam von der Katholischen Waisenhausstiftung in Schrobenhausen.