Bevölkerungsstatistik 2015 Rekordhohe Zuwanderung: Wo die meisten Ausländer hinziehen

Flüchtlinge in Passau (Bayern) auf dem Weg zu einem Sonderzug nach Düsseldorf (NRW)

(Foto: dpa)

Um mehr als eine Million ist die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer gestiegen. Manche Bundesländer sind bei ihnen besonders beliebt.

Von Markus C. Schulte von Drach

Fast zwei Millionen Ausländer sind 2015 nach Deutschland gekommen, schätzt das Bundesamtes für Statistik in Wiesbaden. Im selben Jahr haben etwa 860 000 Menschen ohne deutschen Pass das Land verlassen. Demnach beträgt die Zahl der Einwanderer, um die die Bevölkerung gewachsen ist, netto etwa 1,14 Millionen.

"Das ist der höchste jemals gemessene Wanderungsüberschuss von Ausländerinnen und Ausländern in der Geschichte der Bundesrepublik", meldet das Bundesamt.

2014 waren noch 1,343 Millionen Ausländer gekommen und 766 000 gegangen, was einer Netto-Einwanderung von 577 000 Menschen entspricht. Die Zahl der Zuzüge lag im vergangenen Jahr demnach um fast 50 Prozent höher als 2014.

Mit einem Netto-Zuzug von 1,036 Millionen Ausländern liegen die Zahlen des Ausländerzentralregisters (AZR) etwas niedriger. Im Gegensatz zur Wanderungsstatistik des Bundesamtes berücksichtigt das AZR keine Personen, die nur einen kurzen Aufenthalt in Deutschland planen - etwa Saisonarbeiter. Außerdem können in den Daten des Bundesamtes Personen mehrfach auftauchen, die 2015 mehrmals ein- und ausgereist waren. Dem AZR zufolge wurden 1,65 Millionen Zuzüge aus dem Ausland und 618 000 Fortzüge und Abmeldungen registriert.

Es handelt sich bei der neuen Wanderungsstatistik noch um eine vorläufige "Schnellschätzung", die geprüfte Daten bis Juli verwendet, ab September aber auf Schätzungen beruht. Vermutlich liegen die Zahlen noch etwas höher, da viele Zugezogene nicht zeitnah erfasst wurden und die Statistiken deshalb "das tatsächliche Geschehen untererfassen".

Ursache der Entwicklung ist dem Bundesamt zufolge die Zahl der Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kamen. Bis 2014 seien viele Ausländer vor allem aus anderen EU-Ländern nach Deutschland gekommen und viele nur vorübergehend geblieben. Dies würde nun überlagert durch eine Zuwanderung, die durch Schutzsuchende aus Krisengebieten außerhalb der EU bestimmt ist.

Betrachtet man die vom Bundesamt prognostizierte Entwicklung in Deutschland, so wird die Bevölkerungszahl in den kommenden Jahren steigen, dann jedoch wieder sinken. Das wird sowohl bei einer schwächeren Zuwanderung von 130 000 Flüchtlingen als auch bei einer stärkeren Zuwanderung von 230 000 Flüchtlingen jährlich der Fall sein. Die starke Zuwanderung von etwa einer Million Flüchtlinge 2015 hebt den Ausgangspunkt der weiteren Entwicklung deutlich an. Die in der Grafik dargestellte entsprechende Kurve, (die nicht vom Bundesamt stammt), berücksichtigt nur eine mögliche stärkere Zuwanderung, aber keine Veränderungen etwa in der Geburtenrate.

Die Gesamtzahl der in Deutschland gemeldeten Ausländer ist im Laufe des Jahres von 8,15 Millionen auf 9,11 Millionen gestiegen. Die Zunahme rührt nicht nur daher, dass mehr Menschen gekommen als weggezogen sind. Es gab darüber hinaus einen Geburtenüberschuss unter Ausländern von 30 000 Personen. 111 000 Menschen wurden eingebürgert.