Behandlung in Deutschland 20 verwundete ukrainische Soldaten nach Berlin geflogen

Ein verwundeter Soldat der ukrainischen Armee nach seiner Ankunft auf dem Berliner Flughafen Tegel.

(Foto: AFP)

Eine Bundeswehr-Maschine hat 20 verwundete Soldaten der ukrainischen Armee nach Deutschland gebracht. Bundeskanzlerin Merkel hatte die medizinische Versorgung angeboten. Fünf Schwerverletzte wurden umgehend in einem Berliner Krankenhaus versorgt.

  • Ein Transporter der deutschen Luftwaffe hat 20 verwundete Soldaten der ukrainischen Armee zur Behandlung nach Deutschland gebracht.
  • Laut den Vereinten Nationen sind infolge des Ukraine-Konflikts mittlerweile mehr als eine Million Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben worden.
  • Russland kündigt eine Reaktion auf eine stärkere Nato-Präsenz in Osteuropa an.
  • Außenminister Lawrow kritisiert außerdem die Ukraine für ihr Bemühen um eine Nato-Mitgliedschaft.

Behandlung in Krankenhäusern in Berlin, Hamburg, Köln und Ulm

Die Bundeswehr hat 20 verwundete ukrainische Soldaten zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Ein für den Patiententransport ausgebauter Medevac-Airbus der Luftwaffe transportierte die Ukrainer, die bei Kämpfen im Osten des Landes verwundet worden waren, nach Berlin, von wo aus sie auf Krankenhäuser der Bundeswehr verteilt werden sollten, wie ein Sprecher des Bundeswehr-Sanitätsdiensts sagte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bei ihrem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew am vorletzten Wochenende die Hilfe Deutschlands bei der Behandlung verwundeter Soldaten angeboten. Seit Samstag war ein vierköpfiges Ärzteteam der Bundeswehr in der Ukraine, um die Verwundeten auszuwählen und für den Transport vorzubereiten. Fünf der Verwundeten wurden mit Bauch- und Schussverletzungen umgehend in ein Bundeswehrkrankenhaus in Berlin gebracht, sagte der Sprecher. Sechs Verwundete sollten nach Hamburg weitertransportiert werden, fünf nach Köln und vier nach Ulm.

UN fürchten weitere Fluchtbewegungen

Mehr als eine Million Menschen sind nach UN-Angaben infolge des Ukraine-Konflikts aus ihren Heimatorten vertrieben worden. Etwa 814.000 hätten Zuflucht im benachbarten Russland gesucht, etwa 260.000 Menschen seien im Land auf der Flucht vor den Kämpfen zwischen Armee und prorussischen Separatisten, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf mit.

Die Organisation sei zudem besorgt, dass es wegen der anhaltenden Kämpfe um die Rebellenhochburgen Donezk und Luhansk zu weiteren Fluchtbewegungen in einem großen Ausmaß komme, sagte UNHCR-Europachef Vincent Cochetel. Man könne sicher sagen, dass mittlerweile mehr als eine Million Menschen wegen des Konflikts ihre Heimatorte verlassen hätten, sagte Cochetel vor Journalisten: "260.000 in der Ukraine - das ist eine niedrige Schätzung - 814.000 in Russland, und dann rechnen sie dazu den Rest in Weißrussland, Moldawien und der Europäischen Union (EU)."

Betroffen von den Kämpfen sind vor allem die Bewohner im Osten des Landes, wo viele russischstämmige Ukrainer leben. Dort kämpfen prorussische Separatisten um Unabhängigkeit und eine engere Anbindung an das benachbarte Russland. Sie werden von der Regierung in Moskau unterstützt. Die ukrainische Regierung hat die Separatisten zu Terroristen erklärt und die Armee gegen sie in Marsch gesetzt.

Russland droht Nato-Staaten

Als Reaktion auf eine stärkere Präsenz von Nato-Truppen in Osteuropa hat Russland eine Anpassung seiner Verteidigungspolitik angekündigt. "Alle Fakten" wiesen darauf hin, dass die USA und die Nato "ihre Politik der Verschlechterung der Beziehungen zu Russland fortsetzen" wollten, sagte der Vizechef des russischen Sicherheitsrats, Michail Popow der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Die russische Militärdoktrin solle bis zum Jahresende aktualisiert werden. Er habe "keinen Zweifel" daran, dass eine Ausweitung der Nato-Aktivitäten "ihren Platz unter den äußeren militärischen Bedrohungen" finden werde, sagte Popow.

Wegen des Konflikts mit Russland will die Nato ihre Präsenz in Osteuropa erheblich verstärken. Entsprechende Beschlüsse will die Allianz bei ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag und Freitag in Wales fassen. Unter anderem plant die Nato eine Eingreiftruppe, die innerhalb kurzer Zeit an Gefahrenherde verlegt werden kann.

Lawrow kritisiert ukrainische Nato-Pläne

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte außerdem das Bemühen der Ukraine um eine Nato-Mitgliedschaft. Dies behindere eine Friedenslösung für den Osten des Landes. Er warf der Regierung in Kiew vor, die diplomatischen Bemühungen auf diese Weise zu untergraben, und forderte von den USA, ihren Einfluss auf die Ukraine zu nutzen.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte am Freitag angekündigt, sein Land strebe eine Nato-Mitgliedschaft an. Das Parlament könnte nach der Wahl am 26. Oktober die Blockfreiheit aufgeben. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte für diesen Fall Gespräche zu. Allerdings sei ein Zeitplan schwer vorherzusagen. Die Nato hatte 2008 den Antrag der Ukraine auf ein beschleunigtes Verfahren abgelehnt.

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