Aktuelle Analyse AfD zeigt rechtspopulistische Tendenzen

"Weder rechts noch links" sieht Bernd Lucke seine Partei, die eurokritische Alternative für Deutschland. Nun hat sich zum ersten Mal eine wissenschaftliche Arbeit damit beschäftigt, wo die Kleinpartei im politischen Spektrum steht - und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis.

Was kommt eigentlich noch rechts von der Alternative für Deutschland? Eine wissenschaftliche Analyse kommt zu dem Urteil: nicht viel. Denn ihr zufolge zeigt die AfD klar rechtspopulistische Tendenzen. Allerdings könne noch nicht bewertet werden, ob diese Strömung in der Partei die Oberhand gewinnen wird.

Der Rechtspopulismusforscher Alexander Häusler hat die Arbeit im Auftrag der grünen-nahen Heinrich Böll Stiftung NRW erstellt und nun in Düsseldorf vorgestellt (hier als PDF). Demnach sei die AfD zwar rechts von der Union zu verorten, habe aber keine Übereinstimmung mit offen rechtsextremen und neonazistisch orientierten Parteien wie der NPD. Auch ihre Euro-Skepsis sei kein Alleinstellungsmerkmal rechter Parteien, sagte Häusler.

Auf eine rechtspopulistische Ausrichtung gebe es aber mehrere Hinweise. So habe sie etwa im Bundestagswahlkampf mit einschlägigen Plakaten geworben, mit Aussagen wie "Wir sind nicht das Weltsozialamt" oder "Klassische Bildung statt Multikulti-Umerziehung".

Oder doch eine Eintagsfliege?

Die AfD sei aus einem rechtsorientierten, Anti-Euro-Protest-Milieu entstanden, habe Mitgliederzulauf vom rechten Parteienrand und genieße Ansehen in der Szene. Unterwanderungsversuche von rechts hätten aber auch andere Parteien - etwa Piraten und Grüne - in ihrer Gründungsphase erlebt, sagte Häusler. Jetzt setzten Anhänger siechender rechter Kleinparteien wie "Die Republikaner" oder "Die Freiheit" neue Hoffnungen auf die AfD. Dass sie als "Professoren-Partei" gelte, nütze ihr.

"Die rechtspopulistische Lücke ist in Deutschland parteipolitisch noch nicht gefüllt", sagte Häusler. Das Rechtsaußen-Spektrum jenseits verfassungsfeindlicher und neofaschistischer Parteien habe es hier - anders als in vielen europäischen Ländern - nicht geschafft, Wahlerfolge zu erringen.

Ob die AfD diese Lücke schließen könne, sei offen, sagte Häusler. Möglich sei auch, dass sie "eine politische Eintagsfliege" bleibe.