Affäre um missratenen Museumsbau im Saarland Gut gegessen, schlecht geplant

Fingierte Beraterverträge, Schmiergelder, Essen in Luxusrestaurants: Im Saarland soll sich ein Kulturmanager illegal bereichert haben. Sein wichtigstes Projekt, ein Pavillon für ein Museum, steckt voller Pannen und wird mindestens dreimal so teuer wie erwartet. Die Affäre belastet inzwischen auch die Regierung und die neue CDU-Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer.

Von Marc Widmann

Natürlich ist das ein schreckliches Klischee, dieser angebliche Lieblingsausruf aller Saarländer: "Hauptsach' gudd 'gess, g'schafft han mir schnell!" In der neuesten Affäre allerdings, die dieses kleine Land am Rand der Republik bewegt, erscheint der alte Spruch erstaunlich treffend. Es geht um einen missratenen Museumsbau, um eine zerknirschte Ministerpräsidentin - und um einen Mann, der nicht zuletzt als treuer Gast von Feinschmecker-Restaurants in Erinnerung bleiben dürfte: Ralph Melcher.

Melcher war bis vor wenigen Tagen Chef der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Er verdiente etwa 9500 Euro im Monat und sollte ein eigentlich überschaubares Bauprojekt voranbringen: Ein vierter Pavillon für das Saarlandmuseum sollte im Herzen von Saarbrücken entstehen, keine große Sache. Elf Millionen Euro waren als Kosten anfangs geplant. Nun sind die Saarländer froh, wenn es bei der dreifachen Summe bleibt. Die Stiftung hat Melcher inzwischen zwei fristlose Kündigungen ausgestellt. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue und Vorteilsnahme in zusammen 50 Fällen.

Der Kunsthistoriker Melcher soll, so werfen es ihm die Ermittler vor, 44 Mal mit dem Projektsteuerer des Museumsbaus in "hochwertigen Restaurants" getafelt haben, vertragswidrig auf Kosten der Stiftung. Er soll private Reisen als Dienstreisen getarnt haben. Außerdem soll er einen fingierten Beratervertrag mit dem Projektsteuerer abgeschlossen haben, "zur Kaschierung von Schmiergeldzahlungen", wie die Ermittler vermuten. Das sah dann womöglich so aus: Zwei der Kunst zugeneigte Herren saßen in einem hochwertigen Restaurant, die Stiftung zahlte, während der Stiftungsvorstand seinen Projektsteuerer für einen dreistelligen Stundensatz beriet. Während des Baus erhöhte Melcher sodann gleich zweimal das Honorar des Projektsteuerers, angeblich eigenmächtig. Sein Anwalt nennt die Vorwürfe "haltlos" und sagt, Melcher habe "seine Kompetenzen nicht überschritten". Aber die Opposition spricht längst von einem "Sumpf".

Opposition will Untersuchungsausschuss einsetzen

Als Abgeordnete vor einigen Tagen den Rohbau besichtigten, zeigten sie sich entsetzt. "Dass man so viele Fehler machen kann, wusste ich nicht", sagte ein FDP-Mann. Laut Medienberichten sind unter anderem Aufzüge zu schmal für Rollstuhlfahrer; eine Zufahrt für die Kunstanlieferung wurde nicht geplant. Von einer Projektsteuerung, die ihr Honorar wert ist, fehlte jede Spur. Hauptsach' gudd 'gess? Die Opposition will einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Der soll sich nicht allein mit Melchers Speisen und Reisen befassen, sondern vor allem mit der Frage: Was wusste Annegret Kramp-Karrenbauer?

Die Regierungschefin von der CDU war einst Kulturministerin, in ihre Zeit fällt der erste Spatenstich des Projekts und eine stattliche Gehaltserhöhung für Melcher. Schon in ihrer ersten Regierungserklärung bedauerte sie den Schaden durch die Affäre: "Viele Menschen in diesem Land haben Vertrauen in uns - auch in mich - gesetzt. Dieses Vertrauen ist enttäuscht worden, das bedrückt mich sehr."

Lange nicht gehandelt haben aber auch andere Kulturminister der CDU - und das Kuratorium der Stiftung. Darin saß übrigens auch eine prominente SPD-Frau: die Oberbürgermeisterin von Saarbrücken.