Ägypten Sechs Tote bei Bombenanschlägen in Kairo

Terror in Ägyptens Hauptstadt: Nach einer Serie von Bombenangiffen in Kairo melden die Behörden sechs Tote. Zum Anschlag auf das Polizeihauptquartier bekennt sich eine Al-Qaida-nahe Gruppe. Am Tatort attackiert eine wütende Menschenmenge ein ARD-Kamerateam.

Tausende Ägypter wurden von dem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen, über Kairo stieg eine Rauchwolke auf: Eine heftige Detonation hat am Freitagmorgen die ägyptische Hauptstadt erschüttert. Im Tagesverlauf explodierten drei weitere Bomben. Nach Behördenangaben wurden bei der Anschlagsserie sechs Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Beim ersten Anschlag durchbrach ein Selbstmordattentäter die Sperren am stark gesicherten Hauptquartier der Kairoer Polizei in der historischen Innenstadt, ehe er sich mit seinem Fahrzeug in die Luft sprengte. Dabei riss er drei Menschen mit in den Tod, 73 Personen erlitten Verletzungen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Explosion beschädigte die Fassaden der Polizeizentrale und des gegenüberliegenden Museums für Islamische Kunst. Vor dem Polizeigebäude war ein tiefer Krater zu sehen, den die Detonation verursacht hatte. Zu dem Anschlag bekannte sich die Al-Qaida-nahe Terrororganisation Ansar Beit al-Makdis. Die inzwischen verbotene Muslimbruderschaft verurteilte den Angriff.

Drei Mitglieder eines Fernsehteams des SWR wurde von einer wütenden Menschenmenge attackiert, als sie für die ARD über den Bombenanschlag berichten wollten. Zwei der Angegriffenen erlitten Schnittwunden und mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie der SWR auf seiner Internetseite mitteilte. Zudem hätten sie sich schwere Prellungen zugezogen.

Bei einem zweiten Anschlag explodierte ein Sprengsatz in der Nähe einer U-Bahn-Station im Stadtteil Dokki. Dabei wurden ein Mensch getötet und 15 verletzt. Ein dritter Anschlag galt einer Polizeistation in Giseh bei Kairo, der ohne Folgen blieb. Am Nachmittag explodierte eine Bombe vor einem Kino im Westen Kairos. Ein Mensch wurde getötet, sieben erlitten Verletzungen, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Die Attacken treffen Ägypten zu einem heiklen Zeitpunkt. Am Samstag jährt sich der Ausbruch der Revolution gegen Ex-Präsident Hosni Mubarak zum dritten Mal. Aus Furcht vor Anschlägen hatte die Übergangsregierung die Sicherheitsvorkehrungen zuvor bereits erhöht. So stellten etwa die staatlichen Eisenbahnen am Donnerstag den Betrieb zwischen Oberägypten und Kairo ein.

Das Auswärtige Amt rief Reisende in Kairo und anderen großen Städten auf, am Wochenende im Hotel zu bleiben, da es zu weiteren Anschlägen und gewaltsamen Zusammenstößen bei den Demonstrationen kommen könnte.