Ägypten Hunderte Verletzte bei Ausschreitungen in Kairo

Bei Krawallen in Kairo sind Berichten zufolge fast 400 Menschen verletzt worden. Tausende hatten sich aus Protest gegen Polizei und Militär auf dem Tahrir-Platz versammelt. Die zunächst friedliche Demonstration schlug in Gewalt um, die Beamten setzten Tränengas gegen die Menge ein.

Knapp ein Jahr nach dem Volksaufstand in Ägypten droht dem Land eine neue Krise. Bei Ausschreitungen während Demonstrationen gegen den regierenden Militärrat wurden in Kairo am Donnerstag fast 400 Menschen verletzt.

Nach den tödlichen Krawallen am Rande eines Fußballspiels in Ägypten lieferten sich Demonstranten in Kairo Auseinandersetzungen mit der Polizei.

(Foto: dpa)

Fast 10.000 Demonstranten versammelten sich auf dem Tahrir-Platz, um nach der Gewalt nach einem Fußballspiel in am Vortag mit mindestens 74 Toten gegen Polizei und Militär zu protestieren. Nach dem Spiel in Port Said zwischen den rivalisierenden Clubs Al-Masri und der Gastmannschaft Al-Ahli aus Kairo war es zu Gewaltexzessen mit Toten gekommen. Die Heimmannschaft hatte 3:1 gewonnen. Die Demonstranten, die den Sicherheitskräften Versagen vorwerfen, zogen vor das Innenministerium, wo der anfangs friedliche Protestmarsch in Gewalt umschlug.

Die Demonstranten warfen mit Steinen und Schuhen und steckten Autoreifen in Brand, die Bereitschaftspolizei setzte Tränengas gegen die Menge ein. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete unter Berufung auf einen Vertreter des Gesundheitsministeriums, dass 388 Demonstranten verletzt worden seien. Die meisten hätten Tränengas inhaliert und seien ohnmächtig geworden oder hätten Blutergüsse oder Knochenbrüche davongetragen. Der arabische Fernsehsender al-Dschasira berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium von mindestens 668 Verletzten.

Aufklärung der Gewalt gefordert

Die ägyptische Führung geriet von mehreren Seiten erheblich unter Druck. Die Europäische Union forderte eine "sofortige und unabhängige Untersuchung" der Gewalt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die ägyptische Regierung zu "angemessenen Maßnahmen" auf. Der Weltfußballverband Fifa verlangte von den ägyptischen Behörden einen "vollständigen Bericht" zu den Krawallen.

Die islamistische Muslimbruderschaft kritisierte die Polizei scharf: Die Sicherheitskräfte hätten bei dem Fußballspiel in Port Said weggeschaut und nichts getan. Sie beschuldigte Kräfte, die in enger Verbindung zum früheren Regime von Langzeitmachthaber Husni Mubarak stünden.

Die Opposition attackierte das Militär scharf. Die Bewegung des 6. April, die mit ihren Massenprotesten vor einem Jahr den Sturz Mubaraks herbeigeführt hatte, erklärte der Nachrichtenagentur dpa zufolge, die Generäle verursachten das Chaos, um die Ägypter davon zu überzeugen, dass das Land ohne den Militärrat nicht zu regieren sei.

Nach den Gewaltexzessen zog die ägyptische Regierung erste Konsequenzen. Während einer Sondersitzung des Parlaments gab Ministerpräsident Kamal al-Gansuri am Donnerstag bekannt, dass er die Führung des ägyptischen Fußballverbandes abgesetzt und den Gouverneur von Port Said abgelöst habe. Der Militärrat verkündete drei Tage Staatstrauer.