25. Dezember 2012, 16:47 Aufruhr nach Gruppenvergewaltigung Indische Polizei soll Richterin unter Druck gesetzt haben

Neue Aufregung im Fall einer vergewaltigten Inderin: Drei ranghohe Polizisten sollen Druck auf die Untersuchungsrichterin ausgeübt haben, bevor sie die schwerverletzte Studentin vernehmen wollte. Inzwischen meldete sich auch Staatschef Mukherjee zu Wort: mahnend und mitfühlend.

Nach der Vergewaltigung einer 23-jährigen Studentin in Indien und anschließenden Krawallen gibt es eine neue Volte. Inzwischen zeichnet sich eine Verwicklung der Polizei in den Fall ab. Die Regierungschefin von Delhi, Sheila Dikshit, reichte eine Beschwerde bei Innenminister Sushilkumar Shinde ein, derzufolge drei ranghohe Polizeibeamte Druck auf eine Richterin ausgeübt haben sollen, als sie das Opfer nach der Tat befragte, wie die Zeitung Times of India berichtete.

Demnach sollen die Polizisten die Richterin aufgefordert haben, die Befragung nicht auf Video aufzunehmen sowie einen von ihnen vorbereiteten Fragebogen zu verwenden. Als sie sich weigerte, sollen die Polizisten ungehalten gewesen sein. Die örtliche Polizeispitze wies die Vorwürfe energisch zurück.

Aus Ministeriumskreisen verlautete, wahrscheinlich werde wegen der Vorwürfe eine Ermittlung eingeleitet, die von einer Frau geführt werden solle. Das Ministerium nehme die Vorwürfe sehr ernst, sagte ein Mitarbeiter.

Die Studentin war am 16. Dezember in einem Bus von mehreren Männern vergewaltigt und fast zu Tode geschlagen worden. Nach Angaben von Ärzten erlitt sie schwere innere Verletzungen. Sie konnte zwar eine Aussage zur Tat machen, schwebt aber nach wie vor in Lebensgefahr.

Nach dem Verbrechen war es am Wochenende zu gewaltsamen Protesten mit zahlreichen Verletzten in Neu Delhi gekommen. Ein Polizist, der bei bei dem Aufruhr verletzt worden war, starb in einem Krankenhaus.

Mahnung mit Mitgefühl vom Staatschef

Indiens Präsident Pranab Mukherjee verurteilte die gewaltsamen Ausschreitungen aus Wut über die Massenvergewaltigung. Der Ärger über den widerlichen Vorfall sei gerechtfertigt, aber Gewalt sei keine Lösung, sagte er bei einem Empfang im Norden des Landes.

Mukherjee äußerte sein tiefstes Mitgefühl für das Opfer und bezeichnete die Studentin als ein "tapferes junges Mädchen". In seiner Ansprache ging er auf die schwierige Situation der Frauen in Indien ein. Alle Mitglieder der Gesellschaft müssten Frauen den höchsten Respekt entgegen bringen, forderte er. Frauen müssten akzeptiert und von den Männern "mehr als gleiche Partner" anerkannt werden, sagte er.