Weibliche Amokläufer Wenn Frauen töten

Jung, isoliert, erfolglos und vor allem männlich - so ist der typische Amokläufer. Doch auf die Amokläuferin von Lörrach trifft all das nicht zu. Und in der Geschichte gab es schon eine Reihe von Täterinnen. Ein Überblick.

Von Hannah Beitzer

Im Januar 1979 schoss die damals 16-jährige Brenda Ann Spencer im kalifornischen San Diego von ihrem Schlafzimmerfenster aus auf eine gegenüberliegende Grundschule. Die Tatwaffe, ein halbautomatisches Gewehr, hatte die Schülerin kurz zuvor von ihrem Vater zu Weihnachten bekommen. Sie tötete den Direktor und den Hausmeister der Schule und verletzte acht Schüler und einen Polizisten.

Nach sechs Stunden verhaftete eine Spezialeinheit das Mädchen. Nach dem Grund für ihre Tat gefragt, entgegnete die Schülerin lapidar: "I don't like Mondays." Der Ausspruch, der die Sinnlosigkeit des Amoklaufs verdeutlichte, inspirierte die Popband The Boomtown Rats zu ihrem gleichnamigen Lied. Spencer zeigte während der Vernehmung und im anschließenden Gerichtsprozess keine Reue - ihr sei einfach langweilig gewesen, deswegen habe sie auf die Menschen vor der Schule geschossen. Sie wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt immer noch im Gefängnis.

Ebenfalls eine Grundschule traf der Amoklauf der 30-jährigen Babysitterin Laurie Dann im Mai 1988 in Winnetka, Illinois. Sie erschoss einen achtjährigen Jungen und verletzte fünf andere Kinder schwer. Anschließend nahm sie eine Familie als Geisel. Schließlich gelang es der Mutter der Familie, die Polizei zu alarmieren. Laurie Dann schoss auf deren 20-jährigen Sohn, der sich jedoch schwer verletzt aus dem Haus retten konnte. Schließlich erschoss sich die Täterin selbst. Zuvor hatte sie vergiftete Lebensmittel an Freunde und Bekannte verschickt und auch versucht, die Kinder einer Familie mit vergifteter Milch zu töten, bei der sie Babysitterin war. Die beiden Jungen spuckten die Milch jedoch unbemerkt wegen ihres seltsamen Geschmacks aus.

An Heiligabend 1996 sprengte sich die 49-jährige Heidrun-Erika J. in einer evangelischen Kirche in Frankfurt-Sindlingen in die Luft. Zwei Frauen und die Selbstmordattentäterin sterben, 13 Menschen werden schwer verletzt. Die Täterin litt unter psychischen Störungen und Depressionen, sie lebte von ihrer Familie getrennt. Die Tat beging sie kurz nach dem Suizid ihres ebenfalls depressiven Sohns. Kurz davor hatte das ZDF einen Krimi gezeigt, in dem sich der Kopf einer Verbrecherbande in einer Kirche in die Luft sprengte. Heidrun-Erika J. galt bereits vor der Tat bei den Nachbarn als gewalttägig.

Im April 2003 erstach eine spanische Ärztin in einem Madrider Krankenhaus eine Kollegin und verletzte sieben weitere Angestellte der Klinik schwer.

Bei einem Amoklauf in einer Postsortierstelle in Kalifornien tötete die 40-jährige Jennifer San Marco im Februar 2006 sechs Menschen und sich selbst. Ein weiteres Opfer wurde schwer verletzt. Zuvor hatte San Marco bereits ihren Nachbarn erschossen. Die Täterin war eine ehemalige Angestellte der Post, die allem Anschein nach unter einer paranoiden Störung litt.

Eine Stadt trauert

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