Verbrechen vor 32 Jahren Neue Ermittlungen im Kreuzworträtselmord

Die Leiche eines Siebenjährigen wird 1981 in einem Koffer gefunden, neben ihm ausgefüllte Kreuzworträtsel. Die führen die Ermittler damals zum Täter. Jetzt wird der Fall neu aufgerollt. In einem Interview hat die ehemalige Freundin des Mörders gestanden, von dem Verbrechen gewusst zu haben.

Von Katrin Derler

(Foto: dpa)

Der spektakulärste Kriminalfall in der Geschichte der DDR wird neu aufgerollt: der Kreuzworträtselmord von Halle-Neustadt. Mehr als 30 Jahre nach der Aufklärung hat die Staatsanwaltschaft Halle ein Ermittlungsverfahren gegen die damalige Freundin des verurteilten Täters Matthias S. eingeleitet, sagte Pressesprecher Klaus Wiechmann der Mitteldeutschen Zeitung.

Anlass für eine Neuaufnahme des Falles waren Zeitungsinterviews und ein am 1. Februar erschienenes Buch, in dem die ehemalige Freundin des Mörders, Kerstin Apel, ihre traumatischen Erlebnisse in einer fiktiven Rahmenhandlung verarbeitet.

In dem Roman "Der Kreuzworträtselmord: Die wahre Geschichte" schreibt Apel, dass sie den Mord als damals 17-Jährige entdeckt habe. Sie habe den Täter überrascht, er habe sie psychisch unter Druck gesetzt. Noch sei jedoch unklar, ob die Frau in der Wohnung gewesen sei, als der Junge noch gelebt habe, heißt es in der Mitteldeutschen Zeitung.

Der Fall sorgte im Januar 1981 für deutschlandweite Aufmerksamkeit: An der Bahnstrecke Halle-Leipzig fand ein Streckenwärter die Leiche des siebenjährigen Lars Bense, der zwei Wochen zuvor verschwunden war, in einem alten Koffer. Der Junge war sexuell missbraucht und anschließend erschlagen worden, auch Stichwunden wurden am Oberkörper des Opfers festgestellt. Einziger Hinweis in dem Koffer waren alte Zeitungen mit ausgefüllten Kreuzworträtseln.

500.000 Schriftproben überführen Täter

In einem aufwendigen Verfahren nahm die Polizei Schriftproben von über 500.000 Bewohnern Halle-Neustadts. Die Schrift in den Rätseln konnte schließlich einer älteren Frau zugeordnet werden, die als Täter aber nicht in Frage kam. Ermittlungen und Befragungen ergaben Hinweise auf Matthias S., den Freund der Tochter - er gestand die Tat.

Matthias S. hatte seit einem traumatischen Erlebnis in seiner Kindheit immer wieder Tötungsfantasien, auch eine gestörte Sexualität attestierten ihm Gutachter. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, doch 1991 wurde das Verfahren neu aufgenommen. Begründung: Der Verurteilte war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt, daher wurde seine Freiheitsstrafe nach Jugendstrafrecht auf zehn Jahre und eine anschließende Einweisung in die Psychiatrie reduziert. Ab 1996 lebte der verurteilte Mörder drei Jahre in einer Einrichtung für betreutes Wohnen, 1999 wurde er entlassen und lebt heute in Thüringen.

Mit Material der dpa.